Wie Lavendel aus Stapel in der Gemeinde Horstedt zum Exportschlager wurde - Von Klaus Müller

Feld des Duftes

Dieter Szczesny an seinem Lieblingsplatz, dem großen Lavendelfeld am Rande von Stapel in der Gemeinde Horstedt.
 ©Klaus Müller

Stapel. Noch liegt der Duft tausender Lavendelblüten über dem 1,2 Hektar großen Feld am Rande von Stapel, dort wo die Sonne am wärmsten auf den hier typischen Sandboden scheint und an diesem Sommertag ein bisschen Sturm aufgekommen ist. Die Ernte der rund 4.000 blühenden Lavendelpflanzen ist jedoch längst abgeschlossen, die Blüten in einer Maissiloanlage getrocknet und in Säcken verpackt.

„Wir sind zufrieden mit diesem Jahr,“ sagt der Inhaber des Unternehmens „Aries Naturprodukte“ Dieter Szczesny, der seine Fläche gern als den kleinsten zertifizierte Biolandbetrieb in Deutschland bezeichnet. Vor 30 Jahren gründete er gemeinsam mit seiner Ehefrau Catherine die GmbH in Bremen, brachte sie mit in das kleine, kaum 250 Einwohner zählende Stapel, fand große Unterstützer im Verein „Regional Intakt“ und vor allem vom Hansenhof, der ihm spontan 1,5 Hektar seiner landwirtschaftlichen Fläche zur Verfügung stellte. Das Projekt „Ein wenig Provence mitten in Niedersachsen“ konnte beginnen. Heute beschäftigt das Unternehmen 25 feste Mitarbeiter und in der Hochsaison noch 15 weitere Kräfte, die allesamt aus der Region kommen.

Dieter Szczesny ist Bremer, hat seine Jugend am Ostertor verbracht, war Drucker in dem Verlag, der die Bremer Nachrichten herausbringt. „Später habe ich in einem Szenelokal gearbeitet, ehe ich mich wegen der Kinder entschieden habe, aufs Land zu ziehen.“ In Bremen lernte er auch seine Ehefrau kennen, eine Französin. Gemeinsam mit ihr holte er duftende Pflanzen ins Land, die später der Verarbeitung zur Kräuterkissen, Pflegeprodukten und mehr dienen sollen. „Wir haben einmal mit 1.200 Pflanzen angefangen“, erzählt der 67-Jährige, der mittlerweile neben drei Töchtern auch sechs Enkel hat.

Dieter und Catherine Szczesny setzen auf „Heil-Lavendel“, sehr kräftig und vor allem winterfest. „In der Provence wird die Pflanze zum Teil auf über 1.200 Metern Höhe gezogen und hält sich dort beständig.“

Vorher hatten sie der Acker, der mit Quecken durchsetzt war, kräftig bearbeiten müssen. „Nach zwei Jahren hatten wir den Kampf im Dunkeln, Kartoffeln gegen Quecke, gewonnen.“ Schon bald war eine erste Ernte des Lavendels machbar. „Erst konnten wir einen Anbau an das Bauernhaus mit den getrockneten Blüten füllen, im nächsten Jahr war es schon die Scheune von Landwirt Hansen – und nun muss die Wärme, die die örtliche Biogasanlage erzeugt, für die Trocknung herhalten“, erklärt Dieter Szczesny. Es ging ständig bergauf. Der Lavendel war im Horstedter Kräuterland angekommen.

Lavendel blüht im Juni und muss bis Ende Juli abgeerntet werden. „Sonst wird er braun und verholzt“, so der Unternehmer. „Wir gehen jede Reihe durch, schneiden per Hand kleine Büsche und sammeln sie ein.“ Nach der Trocknung sei es einfach, die Blüten von den kleinen Stängeln zu trennen. Aus den Sträuchern wird „Imkertabak“, den die heimischen Imker gern benutzen, wenn sie zu ihren Völkern gehen. Er schützt sie vor den Tieren.

Außerdem findet die Pflanze Verwendung in vielen Duftsäckchen, die mittlerweile in ganz Europa ihre Abnehmer haben. Kein Wunder: Die ätherischen Öle des Lavendels wirken beruhigend und entzündungshemmend und sind daher beliebtes Hausmittel.

Der Stapeler Unternehmer hat sich aber nicht nur auf dieses Gebiet spezialisiert. Auf seinem „Stapeler Kräuterfeld“ wachsen vielfältige Naturkräuter, blühen Bienenweiden und laden Büsche Kinder zum Selberpflücken von Himbeeren und Brombeeren ein. In der modernen Produktionshalle entstehen zahlreiche Naturprodukte, die vor Ort, aber auch in zahlreichen Bioläden der Region angeboten werden. Die Anlage ist mittlerweile zum Ziel vieler Ausflügler gekommen, die von Ehefrau Catherine auf Wunsch auch durch den Kräutergarten geführt werden.

„Meine Frau ist die große Kräuterkennerin, hat mit ihrem Wissen um die Natur für diese reiche Vielfalt von gesunderen Pflanzen gesorgt und weiß eigentlich alles über Pflanzen, die ich selbst früher als Unkraut bezeichnet habe“, so Dieter Szczesny. Mittlerweile freut sich der 67-Jährige auf den abendlichen Smoothie mit Brennesselblättern, den ihm seine Frau zubereitet. Weiß, dass ein gutes Giersch auch Gemüse sein kann, baut für die Igel im Garten einen Extra-Reisighaufen und freut sich über jede Hummel, die noch immer den lilanen Lavendel anfliegt.

Er wird sich ein wenig zurückziehen, weil die Familie den Betrieb komplett weiterführen will. Sicherlich immer wieder auf seinen Lieblingsplatz am Lavendelfeld sitzen, dort wo einmal eine duftende Erfolgswelt für ihn und seine Frau begann.

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