Feenders und Mintenbeck widersprechen Kritik von Vermieter - VON NINA BAUCKE

„Verschiedene Paar Schuhe“

Die ehemalige Sottrumer Ausgabestelle der Rotenburger Tafel ist mittlerweile geräumt. Foto: Nina Baucke
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Sottrum. Die Sottrumer Ausgabestelle der Rotenburger Tafel ist Geschichte, derzeit macht die bisherige Leiterin Brigitte Mintenbeck mit wenigen Helfern dort klar Schiff, um die Räume wieder an Vermieter Eckhard Röhrs zu übergeben. Es habe laut Hero Feenders, Vorsitzender der Rotenburger Tafel, zuletzt Personal- und Raumprobleme gegeben: Aus diesen Gründen hatte der Verein Anfang Juli seine Sottrumer Ausgabestelle an der Bremer Straße geschlossen. Feenders hatte im Gespräch mit der Kreiszeitung auf die Tatsache verwiesen, die Räume seien „hygienemäßig nicht mehr auf aktuellem Stand“.

„Die Räume waren beim Einzug der Tafel 2016/2017 frisch renoviert. Das Hygieneproblem lag bei der Verwaltung der Ausgabestelle, nicht an der Immobilie selbst“, berichtet nun Röhrs. „Natürlich ist die Hygiene Sache des Mieters, das war unsere Angelegenheit – und da gibt es auch nichts zu leugnen“, erwidert Feenders. „Die Räume waren für die Tafelarbeit nicht so geeignet, aber das war auch im ehemaligen Venezia schon nicht so einfach.“

Aus der Imbisszeit seien zudem noch Tische und Schränke aus Edelstahl dort vorhanden gewesen, schildert Röhrs. „Und bis 2019 ist auch alles gut gelaufen, es gab keine Beschwerden und viele Helfer.“ Dann müsse sich das Blatt gewendet haben, denn vor einem Jahr, so Röhrs, habe er feststellen müssen, dass der hygienische Zustand der Räume kritisch war. Und nicht nur das: „Alle Gänge standen komplett voller Müll mit Hausrat, etliche Kartons, Körbe und Tüten sowie Möbelstücke. Brigitte Mintenbeck hat alles angenommen, was ihr Menschen als Spende gebracht haben. Und alles wurde in die Räume hineingeproppt. Wir kamen nicht einmal in den Raum mit dem Stromzähler zum Ablesen“, so Röhrs. Immer mehr Helfer hätten in dieser Zeit das Handtuch geschmissen, auch viele junge Leute. In noch recht gutem Zustand sei dagegen die Kleiderkammer, so Röhrs. Dort sei aber auch die Verantwortlichkeit anders geregelt gewesen.

Mintenbeck wiederum sieht sich ungerechtfertigt in der Kritik: „Unsere Hygienemaßnahmen waren einwandfrei“, betont sie auf Nachfrage. „Wir haben regelmäßig die Waren auf Haltbarkeit durchsortiert. Natürlich kann mal was durchrutschen. Aber wir haben in der Regel immer alles, was schlecht war, entsorgt.“ Sachspenden seien oft einfach nur vor die Tür gestellt worden, diese habe sie dann morgens dort vorgefunden, obwohl immer wieder hingewiesen worden sei, dass Spenden nur während der Öffnungszeiten entgegengenommen würden.

Röhrs will Mintenbeck auf die Problematik angesprochen und ihr Hilfe angeboten haben. „Aufräumen, Abfall mit dem Pick-up abtransportieren. Dann habe ich ihr eine 1 000-Liter-Mülltonne zur Verfügung gestellt.“ Hilfe beim Aufräumen habe Mintenbeck abgelehnt und angekündigt, dass sie das selber tun werde. „Und sie hatte die Befürchtung, wenn sie Lebensmittel bei den Supermärkten ablehnt, dass sie beim nächsten Mal nichts bekommt. Aber das ist doch Quatsch!“, so Röhrs. „Und so ist das Ganze Stück für Stück vor die Hunde gegangen.“ Er habe bis Dezember Feenders immer wieder darauf hingewiesen. „Aber der Verein hat es weiter schleifen lassen und sozusagen auf die Schließung gewartet. Das hier ist mit Wissen der Rotenburger Tafel gegen die Wand gefahren worden.“ Er habe großen Respekt vor Mintenbecks Arbeit und ihrem Engagement. „Sie hat sich hier wirklich reingekniet“, betont Röhrs. „Aber ich fürchte, das hier ist ihr über den Kopf gewachsen.“ Dazu habe die Leitung der Tafel in Rotenburg nicht eingegriffen. „Das ist so nicht wahr: Wir haben uns intern intensiv ausgetauscht“, widerspricht Feenders. „Und wir haben Unterstützung angeboten. Aber manchmal menschelt es einfach heftig, wozu viele Seiten gehören, es sind immer verschiedene Paar Schuhe, und es passt auch mal einfach nicht.“ Wie Röhrs lobt auch der Rotenburger Tafel-Chef Mintenbeck, die „hochanerkennenswert“ ihre Arbeitskraft in das Tafelprojekt gesteckt, und sich dafür „krumm gemacht habe“.

Sie habe hier viel von montags bis samstags mit nur wenigen Helfern gearbeitet, betont wiederum Mintenbeck. Sie sei nach den zwölf Jahren, die sie sich bereits für die Tafel engagiere, sehr betroffen über das, was nun erzählt werde: „Natürlich gibt es den ein oder anderen Schuh, den ich mir anziehen muss. Aber ich habe nie etwas getan, das nicht richtig gewesen ist“, betont die Stuckenborstelerin. „Und ich habe nie jemanden weggeschickt.“ Nach der Räumung soll, so kündigt Röhrs es an, eine Reinigungsfirma anrücken, dann das Gesundheitsamt. Ende des Jahres wird der Gewerbevertrag zwischen ihm als Vermieter und der Tafel aufgelöst.

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