Zwei Flüchtlinge meistern ihre Berufsausbildungen - Von Judith Tausendfreund

„Etwas zurückgeben“

Ata Mohammad Naderi (von links), Ralf Goebel, Nicole Kanapin, Miad Pedramkhou und Christian Oddoy blicken auf ein gelungenes Miteinander in Sachen Flüchtlingshilfe zurück. Foto: Judith Tausendfreund
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Visselhövede. Seit ungefähr fünf Jahren leben sie in Deutschland, und zwar in Visselhövede. Beide sind zufällig hier gelandet, beide haben nun eine Ausbildung absolviert und sind angekommen - Von Judith Tausendfreund. in Deutschland, in Niedersachsen, im Landkreis Rotenburg, in Visselhövede. Die Rede ist von Ata Mohammad Naderi, 27, aus Afghanistan und Miad Pedramkhou, 33, aus dem Iran. Beide sind Flüchtlinge, die einen bemerkenswerten Weg hinter sich haben – begleitet vom Visselhöveder Präventionsrat, Gemeinwesenarbeiter Christian Oddoy und „ganz vielen anderen Beteiligten hier im Ort“, so Bürgermeister Ralf Goebel.

„Wir wollten uns heute einmal bei den vielen Helfern, aber auch bei Ata Mohammad und Miad bedanken, denn weder das Engagement, noch die unglaubliche Leistung der beiden sind selbstverständlich“, erklärt Nicole Kanapin, stellvertretende Vorsitzende des Präventionsrates.

Naderi war Anfang Oktober 2015 in einem Flüchtlingslager in Braunschweig gemeldet, am 27. Oktober kam er nach Visselhövede. Er konnte kein Deutsch und war Analphabet und musste daher komplett neu anfangen. „Dennoch habe ich mutig mein Leben und meine Zukunft geplant“, sagt er heute. Alles begann mit einem Deutschkurs. „Schon da haben wir uns kennengelernt, denn ich habe zu dem Zeitpunkt als Deutschlehrer gearbeitet und ihn in seinen ersten Kursen begleitet“, erinnert sich Oddoy. Der Anfang war schwer, „meine Frau hat geweint, als wir hier ankamen“, erinnert sich Naderi noch genau. Das junge Ehepaar war mit zwei Kindern geflohen, als das dritte zur Welt kam, lebten sie bereits in Visselhövede. Während der Schulzeit und auch später in der Ausbildung hat er oft nachts gelernt, wenn die Kinder schliefen – eine anstrengende Zeit liegt hinter ihm. Doch er hat es geschafft, eine Maurerausbildung und einen Realschulabschluss kann er heute vorweisen, die Firma, bei der er gelernt hat, hat ihn übernommen.

Auch Pedramkhou hat die Chance, sich hier zu etablieren, ergriffen. Er ist mittlerweile Bauzeichner und ebenfalls nach der Ausbildung bei seinem Arbeitgeber geblieben. Auch er musste erst einmal Deutsch lernen, allerdings hatte er schon zuvor eine höhere Schulbildung und konnte Englisch. In seiner Heimat hatte er Wirtschaftsingenieurswesen studiert und den Bachelor-Abschluss gemacht. Doch dann musste er fliehen, da er als Christ im Iran keine Zukunft mehr hatte. Trotz seiner Vorbildung war auch er auf Hilfe angewiesen, um sich zu integrieren: „Wir hoffen, dass wir in Zukunft etwas zurückgeben können“, sagt er. Er will Wurzeln schlagen und hat schon vor Jahren eine symbolische Linde gepflanzt. „Wer hier nach Deutschland kommt, muss für sich alleine schauen, wie er sich die Zukunft aufbaut“, ergänzt Naderi. Diese Haltung bewundern viele: „Es ist diese Persönlichkeit bei beiden, die entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Integration ein volles Erfolgsprojekt geworden ist“, betont Goebel. Ja, es habe Hilfen gegeben, vieles sei koordiniert worden, die beiden Unternehmen – Leskien sowie die Hoyer Unternehmensgruppe – die sich bereit erklärt hatten, die Flüchtlinge als Auszubildende einzustellen, hätten ebenfalls viel Engagement investiert. Und doch, vor allem hätten die beiden eben gezeigt, dass sie die Verantwortung für ihren Erfolg übernehmen.

Getroffen hat sich die kleine Runde am kürzlich neu gestaltetem Kreisverkehr an der Goethestraße, dem Eingang der Stadt. „Die bunten Figuren, die hier aufgestellt worden sind, sollen symbolisieren, dass die Menschen hier zusammen halten“, erklärt Goebel. Über die Generationen hinweg, unabhängig von Hautfarben oder Religionen gebe es eine Gemeinschaft im Ort, die zeige, dass alle dazu gehören. Entstanden ist der Entwurf im Rahmen einer Arbeitskreises Kreiselgestaltung unter Beteiligung von Heiner Kemna. Besonders schön an dem Treffen: Für alle Beteiligten ist der Werdegang der beiden ehemaligen Flüchtlinge ein Ergebnis einer gelungenen Zusammenarbeit, ein wahres Vorzeigeprojekt in Sachen Integration – und, so hoffen sie, eine Motivation für viele, sich ebenfalls zu engagieren.

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