Wittorfer Kita arbeitet an einem Qualitätshandbuch

Blick auf Knackpunkte

Ute Schorpp-Bolz arbeitet an einem Qualitätshandbuch für die "Zwergenstube".
 ©Foto: Rotenburger Rundschau

Wittorf (nin). Was macht gute Arbeit in Kindertagesstätten aus? Wie lässt sie sich verbessern? Um darauf Antworten zu finden, hat die Leiterin des Wittorfer Kindergartens „Zwergenstube“ Ute Schorpp-Bolz ein neues Projekt in Gang gesetzt: ein Qualitätshandbuch – oder vielmehr Bücher, denn für die Kita, die Krippe und den Hort gibt es demnächst jeweils einen eigenen Ordner.

„Ein solches Buch zu entwickeln war schon lange mein Traum“, erklärt die Fachwirtin für Kita- und Hortmanagement. Denn dafür gibt es ihrer Ansicht nach viele gute Gründe. „Noch vor ein paar Jahren war die Wittorfer Zwergenstube eine kleine, familiäre Einrichtung mit dreieinhalb Gruppen, alle Mitarbeiter konnten Fragen und Unsicherheiten immer gleich klären“, beschreibt sie. „Wir haben viele Entscheidungen gemeinsam getroffen, und jeder wusste Bescheid, warum das so ist.“

Mittlerweile sehen die Umstände anders aus, die Zahl der Kinder steigt seit drei Jahren stetig, zudem ist die „Zwergenstube“ derzeit eine Übergangslösung, bis der Primar Campus in Visselhövede fertig ist. „Seit August betreuen wir in sechseinhalb Gruppen und drei Gebäuden bis zu 138 Kinder“, so Schorpp-Bolz. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist längst eine andere, statt sieben sind es heute 17. „Und vieles, was bisher so selbstverständlich für uns war, wird hinterfragt, sodass wir es neu ordnen und erklären müssen. Das schluckt in den Dienstbesprechungen immer viel Zeit.“

Im Rahmen einer Langzeitfortbildung hörte sie Anfang 2008 von einem Qualitätshandbuch. „Schon da war ich davon überzeugt, dass das Sinn macht, aber die Arbeit dahinter hat mich abgeschreckt.“ Beim Abschluss ihres Studiums zur Fachkraft für Kita- und Hortmanagement Anfang dieses Jahres begegnete ihr diese Idee wieder, sodass sie beschließt, das Projekt anzugehen. Das Qualitätshandbuch beschreibt und strukturiert die pädagogische Arbeit, und das soll wiederum für Transparenz und die Möglichkeit der ständigen Verbesserung sorgen. „Die Abläufe sind klar und die Zuständigkeiten festgelegt. Das macht auch die Einarbeitung von neuen Mitarbeitern einfacher.“

Der Inhalt reicht von der pädagogischen Gesamtkonzeption der Einrichtung bis hin zur Bedeutung und Gestaltung einzelner Ereignisse, wie zum Beispiel der Frühstücksrunde. „Allein das hat schon viele verschiedene Aspekte: Die Kommunikation untereinander, der Ablauf: Tasche holen, Brotdose auspacken, Getränk einschenken, das Soziale, wenn die einen Kinder den anderen helfen, die Sicherheit, die Rituale bieten oder auch das Mathematische, wie sie ihren Teller, ihr Besteck sortieren“, so Schorpp-Bolz.

Ursprünglich hatte sie sich zwei Jahre für die Fertigstellung gegeben, die Schließzeiten aufgrund von Corona boten nun allerdings die Möglichkeit, das Ganze zu beschleunigen. „Alle Mitarbeiter haben sich beteiligt und über Themen Gedanken gemacht“, sagt sie. „Beim Ordnen der Unterlagen ist mir dann aufgefallen, dass vieles gut läuft und alle Mitarbeiter das gleiche Ziel haben.“ Allerdings gibt es auch noch ein paar Knackpunkte, die demnächst noch mal bei der Dienstbesprechung Thema sein werden. „Aber allein um die herauszufiltern – dafür hat sich das schon gelohnt“; ist sie überzeugt.

Auch wenn Schorpp-Bolz sich derzeit noch durch etliche Ausarbeitungen wühlt, ist sie glücklich: „Denn dieses Handbuch, das sicherlich schon in vielen anderen Kindergärten vorhanden ist, macht unsere Arbeit jederzeit nachvollziehbar. Wir könnten uns jetzt auch durch unabhängige Stellen zertifizieren lassen.“ Sie ist überzeugt davon, dass so wie in jeder Firma nachvollziehbare Qualitätskriterien eingefordert werden, dass das auch in Kindertagesstätten wichtig ist und auch als Entscheidungshilfe für Eltern dienen kann. „Und wenn es dann mal hakt und knirscht, ist es jederzeit möglich, den beschriebenen Prozess zu verbessern. Und dafür haben wir eine tolle Grundlage geschaffen.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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