Wittorfer Initiative fordert Monitoring der Dea-Bohrstelle - Von Nina Baucke

Ruf nach Kontrolle

Gerd Richter (von links), Klaus Brunne, Eckhardt Langanke, Heinz-Hermann Gerke, Klaus Hoins, Andreas König, Kerstin König und Hans-Joachim Euhus fordern von der Dea ein Monitoring für die ehemalige Versenkbohrung. Foto: Nina Baucke
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Wittorf. Irgendwann soll nichts mehr von der Versenkbohrstelle Wittorf Z1 in Grapenmühlen zu sehen sein: Das Bohrloch ist dann zwei Meter unter der Erdoberfläche gekappt und versiegelt, oberirdische Rohre und Bauteile verschwunden, die Betonplatte entfernt. So sehen es die Planungen des Betreibers Dea vor. Doch der Initiative Wittorfer Bürger für Umwelt und Gesundheit (WUG) ist das nicht genug. Sie fordert auch nach dem Rückbau eine Tiefenmessstation und damit ein Monitoring über die Geschehnisse unter der Erde.

Die Krux bei der Sache: Hat der Konzern nach jeweils geltendem Recht immer richtig gehandelt und die Technik auf dem neuesten Stand gehalten, ist kein Monitoring gerechtfertigt. Das wollen die Aktivtisten der WUG nicht hinnehmen. „Wer kontrolliert, dass der Verschluss mit Beton auf Ewigkeit dicht ist?“ fragt Heinz-Hermann Gerke. „Was ist, wenn die Rohre durchgerostet sind? Wo geht dann das Gift hin?“ Für ihn und seine Mitstreiter ist letztere Frage klar: in die Rotenburger Rinne. „Und wenn es da drin ist, können wir hier einpacken“, sagt Gerd Richter. Stutzig macht die WUG zudem der Zeitpunkt des Rückbaus. „Sie hätten dort bis 2021 verpressen können“, sagt Gerke. Auch bei dem von der Dea angegebenen Gesamtvolumen des in Wittorf Z1 entsorgten Lagerstättenwassers von rund 900.000 Kubikmetern sind die Aktivisten skeptisch: „Da sind Ungereimheiten“, ist Richter überzeugt. Klaus Hoins ist sich sicher, dass es sich daher bei Wittorf Z1 um eine ausgesprochen problematische Bohrung handelt: „Und da ist eine größtmögliche Nachaufsicht nötig.“ Daher fordert die Initiative nun eine Kontrolle des Bereichs, Untersuchungen des Bodens, der Luft und des Wassers über Jahre und Jahrzehnte. „Denn wenn die Probleme auftauchen, und das kann auch erst in Jahrzehnten sein, dann sind Firmen wie Dea, Exxon und Wintershall längst über alle Berge. Die wissen dann von nichts mehr“, befürchtet Andreas König. Dazu kommt: Das Umweltbundesamt schlägt einen Mindestpuffer für den Versenkhorizont von 1.000 Meter zur Erdoberfläche vor. „Hier ist er bei 800 Metern Tiefe. Wir sind also längst drunter. Und wenn es dann zu Korrosion kommt, machen wir uns Gedanken, was da in dieser Tiefe passiert, wo unser Trinkwasser gleich nebenan ist.“

Darüber hinaus soll nach dem Willen der WUG das Landesbergamt (LBEG) den Rückbau der Versenkbohrung unterbrechen, um den technischen Ist-Zustand der Anlage und des Bohrkörpers festzustellen, unter anderem die Druckverhältnisse im Bohrloch.

Solange seien „alle Arbeiten an der Anlage und der Versenkbohrung bis zur amtlichen Untersuchung und Feststellung des Ist-Zustands zu untersagen“, schreibt die Gruppe an das LBEG. Denn es gibt für die WUG eine Parallele zu dem plötzlichen Versenkstopp: Soltau Z6. „Dort hat sich später herausgestellt, dass sich die Druckverhältnisse geändert haben und dort nichts mehr versenkt werden konnte und die Bohrung von Amts wegen geschlossen wurde. Und das fürchten wir hier auch.“

Eine Sorge der WUG ist auch die Frage der Haftung: „Die Produkthaftungsgesetze sind noch nicht sehr alt, hier geht es aber zum Teil um alte Verträge, in denen nichts geregelt ist“, kritisiert Kerstin König. „Und wenn sich dann auch noch die Firmen ständig ändern, dann wird Verantwortung hin und her geschoben und am Ende haben wir hier niemanden, der überhaupt haften würde.“

Bereits in der Sitzung der Arbeitsgruppe Erdgas- und Erdölförderung im Landkreis Rotenburg am vergangenen Mittwoch hatte Visselhövedes Bürgermeister Ralf Goebel die Forderung der WUG gegenüber einem Vertreter des LBEGs noch einmal bekräftigt. Zuvor hatte dessen Abteilungsleiter Ulrich Windhaus erläutert, dass die Anlage zunächst komplett gereinigt werde und dann erst das Amt die Einschätzung vornehme, ob ein Monitoring notwendig ist oder nicht. „Wir wollen Sicherheit“, machte Goebel klar. „Wir versuchen, in diesem Arbeitskreis Akzeptanz hinzubekommen. Dann muss es aber auch für die Bevölkerung nachvollziehbar sein.“

Darauf warten die Aktivisten in Wittorf noch: „Uns treibt die Frage um, was die nächste Generation mit dieser verfüllten Bohrstelle macht“, macht Gerke das Ansinnen der Gruppe klar. „Erde drauf und gut – das reicht uns nicht.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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