Wie die Küchenschelle zu ihrem besonderen Namen kam - Von Christiane Looks

Blühende Kuhglocke

Küchenschellen am Originalstandort im Altmühltal. Foto: Elisabeth Looks-Sperber
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Eversen. Klassenkameradinnen in der weiterführenden Schule beneideten mich um die Nähe zum Ostseestrand. Während sie mit dem im Sommer bei schönstem Badewetter zumeist brechend vollen Bus in stickiger Luft die vierzehn Kilometer aus der Stadt zu dem Strand unseres Dorfes fahren mussten, schwangen meine Geschwister und ich uns auf das Rad, um uns bereits nach wenigen Minuten Fahrzeit in das kühle Wasser zu stürzen.

Allerdings wie bei anderen Kindern aus dem Dorf nur abends, denn tagsüber waren nach der Schule Hausarbeiten zu machen und im Garten, Haus oder Hof mitzuhelfen, damit alle in der Familie etwas zu essen hatten. Also wurde die nie zu warme Ostsee nur nach Feierabend dazu genutzt, sich kurz zu erfrischen. Erst hier im Landkreis Rotenburg lernte ich durch die Nähe zu gut ausgestatteten und vor allem wohl temperierten öffentlichen Bädern längeres Schwimmen kennen. Dort wurde plaudernd ganz selbstverständlich nebeneinander geschwommen. Gerne werden auch Duschen und Umkleiden in weiterführende Gespräche einbezogen. Es dauert nicht lange, und gerade zeitgleich schwimmende Badnutzer genießen die familiäre Zeit miteinander.

Diesen Gesprächen verdanke ich meine Bekanntschaft mit Pulsatilla vulgaris, der Küchenschelle, auch gewöhnliche Kuhschelle genannt, denn eine Mitschwimmerin besaß ein Exemplar dieser Pflanze und schwärmte von diesem nett anzusehenden Frühblüher. Pulsatilla vulgaris hat eine blau- bis rotviolette Blüte, die mehr oder weniger aufrecht steht oder sich becherförmig, glockig Richtung Erdboden öffnet. Häufig nickt die Pflanze bei trübem Wetter, was kombiniert mit der glockenförmig geöffneten Blüte an ein Glöckchen erinnert oder an eine Kuhglocke, auch Schelle genannt, wie sie in der Landwirtschaft bei der Suche nach verirrten Tieren frei laufender Herden von Kühen, Eseln, Kamelen, Lamas, Pferden, Rentieren, Schafen, Ziegen oder sogar Elefanten genutzt werden. Der botanische Name der Küchenschelle geht ebenfalls auf die glockige Blütenform der Pflanze ein, denn das lateinische Wort „pulsare“ bedeutet „schlagen“, „läuten“. Zur Küchenschelle wurde die Kuhschelle vermutlich durch die Verkleinerungsform Kühchenschelle.

Küchenschellen sind echte Hingucker. Im Frühling zeigen sich die seidig behaarten Blüten zunächst ohne Blätter, die sich erst im Entwicklungsstadium befinden und später fein zerschlitzt, farnartig erscheinen. Im Zentrum der Blüte leuchtet eine Vielzahl gelber Staubblätter, die im wirkungsvollen Kontrast zur violetten Blütenfarbe stehen. Nach der Befruchtung entwickelt sich ein zottig-buschiger, dekorativer Fruchtstand, der die Pflanze auch nach der Blüte interessant macht.

Kuhschellen, von denen es auf der Nordhalbkugel an die dreißig Arten gibt, kommen vor allem im niedrigen Rasen und auf Gebirgswiesen Eurasiens und Nordamerikas vor. Die Pflanze ist kalk- und wärmeliebend. Sie wächst in Deutschland auf Trocken- und Halbtrockenrasen. Ihr Ausbreitungsschwerpunkt liegt im Mittelgebirgsraum, wo es eher jene kalkreichen Bedingungen an sonnigen Hanglagen von Südhängen lichter Gehölze oder Trockenwäldern gibt, die bevorzugt werden.

Im Altkreis Bremervörde wurde 1937 ein Gebiet in der langen Heide bei Twistenbostel unter Landschaftsschutz gestellt, weil sich Küchenschellen an einem Graben befanden. Heute wäre dieses eine Sensation, denn Pulsatilla vulgaris ist mittlerweile selten geworden, und die ehemaligen Vorkommen im norddeutschen Tiefland sind bis auf Restbestände erloschen, so auch der in der langen Heide. Der Pflanze macht es zu schaffen, dass sie an Magerrasen gebunden ist, der durch die Aufgabe von Viehwirtschaft, die Umwandlung von Weideland in Ackerflächen und Düngemitteleinsatz zurückgedrängt wird. Wie kann geholfen werden? Wer auf Bedingungen ihres bevorzugten Lebensraums Rücksicht nimmt, kann der Küchenschelle im eigenen Garten einen Rückzugsort bieten. Im gut sortierten Fachhandel erworben braucht die Pflanze einen vollsonnigen Platz, mäßig nährstoffreichen, lockeren, durchlässigen, leicht kalkhaltigen Boden und bitte keine häufigen Umpflanzungen, denn Umzüge mag Pulsatilla vulgaris gar nicht. Ihr Standort sollte also gut überlegt werden!

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