Visselhöveder Oberschule setzt sich für Flüchtlingsfamilie ein - Von Nina Baucke

„Wie eine Eins“

Gerard-Otto Dyck (von links), Astrid Enger, Martin Pape und Sonja Bartels von der Oberschule Visselhövede setzen sich mit Härtefalleingaben für den Verbleib einer serbischen Großfamilie ein. Foto: Nina Baucke
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Visselhövede. Mitte Januar fiel das Urteil, nun, Mitte Februar sollte es eigentlich rechtskräftig werden: Eine in Visselhövede lebende serbische Familie mit neun Kindern soll Deutschland verlassen. Die Oberschule setzt sich nun mit Härtefalleingaben dafür ein, dass es nicht zur Abschiebung kommt.

Seit drei Jahren lebt die Familie in Visselhövede, fünf der Kinder besuchen derzeit einen Kindergarten sowie die Grundschule, ein Junge bereits die BBS in Rotenburg und drei im Alter zwischen elf und 16 Jahren die Oberschule selbst. „Für die Familie ist das sehr hart“, sagt Lehrer Martin Pape, der in den Sprachförderklassen der Schule unterrichtet. Da ist der Sechstklässler, der zuvor in Serbien keine Schule besucht hatte, dem die Lehrer hier eine gute Prognose bescheinigen, oder auch seine 16-jährige Schwester, die derzeit die neunte Klasse besucht, bereits ein Berufspraktikum absolvierte und sich nun Hoffnung auf einen Ausbildungsplatz macht. „Zudem arbeitet der Vater mit einem unbefristeten Vertrag in der Landwirtschaft“, so Pape. Allerdings seien diese Punkte dem Gesetzgeber offenbar nicht genug, Asyl zu gewähren. „Doch noch ist nicht alles verloren“, betont Pape zuversichtlich.

Dennoch: Die unsichere Situation wirkt sich auf die betroffenen Kinder aus. „Sie sind verstört, niedergeschlagen – und nehmen dennoch ihren Alltag wieder auf. Bis zum nächsten Rückschlag“, schildert Lehrerin Sonja Bartels. Auch sie gehört zum Sprachförderungsteam der Oberschule.

Und sie hat gemeinsam mit ihren Kollegen die Härtefalleingaben für alle drei Schüler verfasst, in denen sie Leistungen und Verhalten darlegen. Derzeit liegen diese Schreiben für jeden der drei Schüler dem Anwalt der Familie vor. Auch die Familie selbst hat bereits eine Unterschriftensammlung ins Leben gerufen.

Als 2015 die Zahlen der Flüchtlinge massiv zugenommen hatten, hatte die Oberschule die Sprachlernklassen ins Leben gerufen, zunächst für ein Jahr, dann genehmigte die Landesschulbehörde das Konzept für ein weiteres Jahr und stellte zudem die Mittel für eine zusätzliche Lehrkraft, im Fall der Oberschule Astrid Enger, bereit. „Wir kümmern uns und sehen es als eine ganz wichtige Aufgabe, die Flüchtlinge für das Leben hier vorzubereiten“, erklärt Schulleiter Gerard-Otto Dyck.

Unter anderem gäben Kollegen in ihren Mittagspausen einigen der Schülern noch einmal Extra-Nachhilfe. „Und dann droht den Schülern, mit denen wir in diesen Sprachlernklassen gearbeitet haben, die Abschiebung. Das ist auch für uns nicht motivationsfördernd. Daher ist es uns wichtig, uns in solchen Fällen, wie dem der Familie, für die Schüler einzusetzen. Da steht die Schule wie eine Eins.“

Er sieht die gerichtliche Entscheidung kritisch: „Es ist schwierig und niederschmetternd für die Schüler. Freundschaften und Bindungen sind entstanden, Erfolge im Spracherwerb sind zu verzeichnen. Die Kinder und Jugendlichen haben unter anderem drei Jahre unsere Schule besucht, können im Deutschen lesen und schreiben, was sie in ihrer Muttersprache teilweise nicht können“, so Dyck weiter. „Viele Steuergelder und viel Engagement sind investiert worden, ohne dass die Gesellschaft langfristige Erfolge von Integration erleben kann, wenn die Jugendlichen beispielsweise eine Ausbildung im Handwerk oder in einem Pflegeberuf aufnehmen.“

Derzeit unterrichtet das Sprachförderteam um Enger, Bartels und Pape, zu dem auch noch Janika Hogrefe sowie die ehrenamtlichen Mitwirkenden Brigitte Berger, Irmgard Friedrichs und Hans Gamperl gehören, 26 Schüler der Jahrgänge fünf bis neun. Zwölf von ihnen stammen aus Balkanstaaten, fünf sind aus Afghanistan, vier aus Syrien, drei aus Somalia sowie weitere Schüler aus Thailand, Rumänien und Ungarn.

Wie das Verfahren weitergeht, ist bislang unklar. Für die Schule allerdings sind die Eingaben nur ein erster Schritt. „Wir wollen weiteren Protest auf die Beine stellen“, kündigt Dyck an.

Der Fall der serbischen Familie ist für die Oberschule der erste dieser Art. Zuvor hatte bereits zwei weiteren Familien die Abschiebung gedroht, beide hatten das Land allerdings freiwillig verlassen.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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