Theater Metronom startet in den Theaterherbst 2020 - Von Nina Baucke

Raus aus der Opferrolle

Souffleuse Annemarie Baumann (Karin Schroeder) als "Kameliendame" Marguerite Gautier: Eine Frau stellt Weltliteratur auf den Kopf. Foto: Nina Baucke
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Hütthof. Ein Taschentuch ist der Auslöser, dass sich Othello auf seine Frau Desdemona stürzt und sie tötet. Keine Option für Annemarie Baumann: Sie ist die Frau abseits des Rampenlichts und jenseits des Bühnenrands, die als Souffleuse dennoch unverzichtbarer Teil des Theaters ist. Und als sie einmal aus Versehen eine Nacht allein im Theater verbingen muss, nutzt sie die Chance, Weltliteratur auf den Kopf zu stellen. Und das ab Freitag, 30. Oktober, im Theater Metronom in Hütthof.

Schon einmal, vor etlichen Jahren, hatte Karin Schroeder als Annemarie Baumann in „Soufflé – Aufstand einer Souffleuse“ auf der Bühne gestanden. Jetzt erlebt die Produktion eine Neuinszenierung unter der Regie von Michael Bandt. „Ich musste während des Lockdowns an Annemarie denken“, sagt Schroeder. „Das Stück passt in diese Zeit, und gleichzeitig ist es zeitlos.“ Auch für Bandt hat das Stück seinen Reiz: „Annemarie ist ein schüchterner Mensch, der in der Auseinandersetzung mit den literarischen Charakteren wächst und aus Opfern Gewinnern macht.“

„Soufflé“ ist der Auftakt, mit dem das Theater Metronom in eine Spielzeit unter besonderen Bedingungen startet – inklusive Hygienekonzept und dementsprechend Maskenpflicht auf dem Weg zum Sitzplatz. „Wir haben Glück, dass unsere Bühne sehr tief ist und wir so die Abstände leichter einhalten können“, sagt Schroeder. „Das ist alles nicht so leicht in diesen Zeiten, aber wir sind Theater, der Motor geht nicht einfach aus, wir wollen spielen.“ Bei jeder Vorstellung werden nicht mehr als 40 Personen im Publikum sein, dafür gibt es ein paar mehr Vorstellungen. Zum Beispiel im Fall von „Dritter Engel, vierte Reihe“, dem traditionellen Metronom-Weihnachtsstück. An sieben Terminen steht sie dafür mit Jan Fritsch und Reinhard Röhrs auf der Bühne, zum Teil zweimal am selben Tag. „Doppelvorstellungen bedeuten natürlich auch doppelte Belastung“, sagt Regisseur Andreas Goehrt. „Aber natürlich wollen wir das Stück gleichzeitig so vielen Zuschauern wie möglich zeigen.“ Schulveranstaltungen wird es dabei in diesem Jahr nicht geben. „Wir hoffen daher, wie bei ,Däumelin‘ auf die Eltern mit Kindern“, so Schroeder.

Denn auch die Märchenbearbeitung „Däumelin – von Einem, das auszog das Leben zu lernen“ steht wieder auf dem Spielplan, wie auch die „Metronom-Klassiker“ „Der letzte Flug“ und „Oskar und die Dame in Rosa sowie die Sommerproduktion „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“. Außerdem gastiert das Theatre du pain mit „Gespräche und Gesang am Zaun“ für ein Wochenende in Hütthof, und erstmals gibt es ein Konzert im Theaterherbst – mit Zsuzsa & The Soulicious: Zsuzsa von Zeddelmann tritt mit Band und Backroundsängerinnen mit Swing im neuen Gewand auf. Im Januar bietet Schroeder zudem wieder das Seminar „Auftreten – Da sein – Spuren hinterlassen“ an.

Karten gibt es telefonisch unter 04262/1399. Weitere Informationen zu den Terminen gibt es im Internet unter www.theater-metronom.de

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
 04261 / 72 -433
 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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