Stand der Dinge in der Kaserne: Helfer sind vorbereitet / Weitere Flüchtlinge kommen am Mittwoch

„Alle sind froh, ein Dach über dem Kopf zu haben“

Dieter Hunold (von links), Jürgen Lemmermann, Gerd Hachmöller, Michael Meyer, Silke Hinze und Hermann Luttmann
 ©Christine Duensing

Visselhövede (cd). „Hallo“, „hello“ und „moin“ – so begrüßen die Flüchtlinge Landrat Hermann Luttmann und Notunterkunftsleiter Gerd Hachmöller beim Rundgang auf dem Kasernengelände in Visselhövede am vergangenen Samstag. Zurückhaltend, aber mit einem ehrlich wirkenden Lächeln winken sie ihnen zu, kommen angelaufen, schütteln die Hand. „Wir haben eine super Stimmung hier, alle sind friedlich und freundlich“, spricht Hachmöller aus, was offensichtlich scheint.

Und daran habe sich auch mit dem zweiten Schwung Ankömmlinge in der Nacht zu Montag nichts geändert, gibt der Notunterkunftsleiter am Montagabend sichtlich erschöpft, aber erleichtert bekannt. „184 Flüchtlinge hatten wir nun heute Morgen in der Kaserne. Es werden aber jetzt schon wieder weniger sein. Für viele ist Visselhövede nicht die erträumte Endstation. Viele wollen dringend zu ihren Verwandten, ein Flüchtling sagte mir, er wolle es nach Italien schaffen. Wir halten die Menschen hier nicht fest.“

Sicher schlauche das Krisenmanagement so langsam, lässt Hachmöller kurz vor der Bürgerversammlung im Haus der Bildung (siehe oben) durchblicken: „Wir haben alle kaum geschlafen seit Donnerstag. Die letzten Busse kamen jetzt mitten in der Nacht und wir haben bis Montagmorgen um 6 Uhr für die Erstversorgungen geschuftet.“ Aber: Die Helfer seien wahnsinnig engagiert bei der Sache, eine Hand wasche die andere, lobt Hachmöller all jene, die für den bisher reibungslosen Ablauf auf dem Gelände gesorgt haben. Auch seine Leitungsstabkollegen Sabine Hinze und Michael Meyer vom Landkreis sowie Feuerwehrmann Dieter Hunold und Kreisbrandmeister Jürgen Lemmermann danken den Beteiligten. Zu denen zählen neben Kräften des DRK, der Feuerwehr und des Landkreises jede Menge weitere Helfer, etwa von örtlichen Firmen, Vereinen, von den Rotenburger Werken und vom Agaplesion Diakonieklinikum Rotenburg – nicht zu vergessen seien die Visselhöveder Dolmetscher und Sortierer in der Kleiderkammer. „Nichtmal 48 Stunden hatten wir, um alles vor der ersten Anreisewelle herzurichten“, erklärt er. „Seit Freitag, 15 Uhr, sind wir auf 300 Flüchtlinge vorbereitet.“ Die ersten 68 Flüchtlinge kamen dann am Freitag gegen 18 Uhr von Friedland aus nach Visselhövede – unter ihnen ein unbegleiteter Minderjähriger, viele alleinstehende Männer und drei Familien mit bis zu fünf Kindern im Alter von ein bis acht Jahren. In der Nacht zu Montag kamen 116 Flüchtlinge direkt von der deutsch-österreichischen Grenze hinzu, darunter vier unbegleitete Minderjährige, einige junge Männer sowie 29 Familien und Paare, viele mit Kleinkindern im Schlepptau. Am heutigen Mittwoch sollen die nächsten Busse anrollen. Zu den bisher angegebenen Herkunftsländern zählen Syrien, Eritrea, Irak, Afghanistan, Libanon, Nepal und Pakistan. „Viele der Männer hoffen darauf, dass ihre Familien ihnen folgen können“, sagt Hachmöller. Das rücke jedoch erst nach der offiziellen Registrierung des Landes in greifbarere Nähe, und die erfolge in Visselhövede bislang nicht. „Wir können hier zurzeit nur einen internen Check-In zur Übersicht machen. So wissen wir, wer hier ist. Wessen Strichcode 48 Stunden lang nicht eingescannt wird, von dem gehen wir aus, dass er weitergezogen ist.“ Die Flüchtlinge, die bereits in der Kaserne untergebracht sind, sind wohlauf. „Direkt nach der Ankunft haben wir geklärt, wer medizinisch versorgt werden muss. Bis auf einen Beinbruch, ein paar Bauchschmerzpatienten und Fußbeschwerden bei einigen Menschen hatten wir bislang nichts Gravierendes dabei.“ Frauen und Kinder, Familien und Männer sind voneinander getrennt in Gebäuden einquartiert. Es sind Räume im kargen Bundeswehrstil, ohne Schnickschnack und mit Feldbetten. „Die Flüchtlinge sind dennoch sehr froh, endlich ein Dach über dem Kopf zu haben. Unser Sicherheitsdienst hat Freudentänze beobachtet. Wenn man so etwas mitbekommt, macht die Arbeit hier doppelt viel Spaß“, so Hachmöller. Es gelte nun, Schritt für Schritt aus dem Krisenmodus in einen geregelten Alltag überzugehen. „Wir haben uns vorab durch Erfahrungen gedanklich rüsten können. Das hilft sehr.“ Weitere Schritte hat Hachmöller bereits bedacht: „Auf jeden Fall für Beschäftigung sorgen, denn wer sich langweilt, ist irgendwann gereizt. Wir wollen zeitnah eine kleine Kita errichten, Deutsch-Kurse anbieten und den Flüchtlingen Arbeiten auf dem Gelände anvertrauen.“ Dass der Sportplatz außerdem Raum für Bewegung bietet, sei ein großer Vorteil der Unterbringung in der Kaserne. Einen weiteren hebt Landrat Luttmann hervor: „Vor allem im Hinblick auf die kältere Jahreszeit bietet sich die Kaserne an für eine Unterkunft. Wir müssen dank ihr bisher nicht auf Zelte, Container oder Turnhallenbelegung ausweichen.“

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