SPD, CDU und Grüne stellen ihren Bürgermeisterkandidaten vor - Von Nina Baucke

Gemeinsam für Glüsing

Michael Meyer (CDU, von links), Hedi Schmidt (Grüne) , Heiner Gerken sowie Willi Bargfrede (von rechts), Dagmar Kühnast und Lothar Cordts schicken Harald Glüsing in das Rennen um das Visselhöveder Rathaus. Foto: Nina Baucke
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Visselhövede. Als sie erfahren hatte, dass ihr Vater für das Amt des Visselhöveder Bürgermeisters kandidieren will, hatte die siebenjährige Tochter von Harald Glüsing eine Bitte: nicht so unsympathisch zu sein, wie der Bürgermeister bei Bibi Blocksberg. „Ich musste ihr das Versprechen“, sagt Glüsing mit einem Lachen. Mit seiner Kandidatur machen drei Parteien des Visselhöveder Stadtrates gemeinsame Sache: CDU, SPD und Grüne.

Denn am 12. September kommenden Jahres entscheiden die Visselhöveder Bürger darüber, wer Nachfolger des amtierenden Bürgermeisters Ralf Goebel wird, der bereits vor einem Jahr eine erneute Kandidatur ausgeschlossen hatte.

„Wir leben in schwierigen Zeiten und wollen uns sich in kleinen Ecken zerstreiten. Daher war der Wunsch nach einem gemeinsamen Kandidaten sehr groß“, sagt Heiner Gerken (Grüne). „Denn wir haben einige Themen in der Pipeline, wie den Primar Campus, den Feuerwehrbedarfsplan, den Kita-Bereich und die Entwicklung des Gewerbegebietes Lehnsheide, die uns noch vor große Herausforderungen stellen. Und dann ist da noch das, was im Zusammenhang mit Corona auf uns zu kommt.“ Auch Willi Bargfrede (CDU) sieht die gemeinsame Entscheidung positiv: „Es ist keiner aus der CDU-Schublade. Im Bewerbungsprozess hat so jeder andere Aspekt beitragen können. Und ich freue mich, dass wir uns da am Ende so konstruktiv geeinigt haben.“ Das sieht Lothar Cordts (SPD) ebenfalls so: „Wir haben mit Ralf Goebel gute Erfahrungen gemacht, daher haben wir uns bemüht, wieder einen gemeinsamen Kandidaten zu finden.“ Den 52-jährigen Glüsing, der derzeit beim Jobcenter des Landkreises Diepholz arbeitet, kenne er noch aus dessen Zeiten beim Landkreis Rotenburg.

Dort hatte der Diplom-Verwaltungswirt 1989 seine Ausbildung begonnen und bis 2017 in verschiedenen Institutionen des Kreises – Straßenverkehrsamt, Sozialamt, Rechtsamt und Jobcenter – gearbeitet. „Ich bin im Laufe der Jahre schon öfter angesprochen, als Bürgermeister zu kandidieren. Bisher habe ich das immer abgelehnt“, erinnert sich Glüsing. Als sich dann Anfang des Jahres die Visselhöveder bei ihm gemeldet hatten, sei er neugierig geworden.

„Die Kandidatenfindung ist für uns ein echter Prozess gewesen, an dem wir alle beteiligt waren“, sagt Heiner Gerken (Grüne). „Wir hatten ja insgesamt drei Kandidaten im Blick.“ Nach einigen Gesprächen war die Wahl der Parteienvertreter auf Glüsing gefallen, der nun als Einzelbewerber antritt.

„Mir war bei den Gesprächen wichtig, authentisch zu sein“, betont der dreifache Familienvater Glüsing, der mit seiner Lebensgefährtin und der jüngsten Tochter in Kirchwalsede lebt. Er will mit den Menschen diskutieren und für Probleme gemeinsam Lösungen finden und die Stadt voranbringen. „Das Ergebnis kann mal so, mal so ein – entscheidend ist, offen auch für die andere Seite zu sein. Daher lasse ich mich von guten Argumenten gerne überzeugen.“ Wichtig sei ihm im demokratischen Prozess vor allem eines: einander zuzuhören. Aber ich trete nicht an, um mir hier in Visselhövede irgendein Denkmal zu setzen“, macht er deutlich. Ihm sei es wichtig, auch die Interessen kleinerer Gruppen im Blick zu behalten, „denn die fallen oft und schnell hinten über“.

„Gerade diese Anschauung, gemeinsam Lösungen zu finden, fanden wir für das Arbeiten im Rat sehr hilfreich“, erklärt Dagmar Kühnast (SPD). Das sieht auch Gerken so: „Es ist gut, dass wir im Rat keine klaren Mehrheiten haben, sondern dass es inhaltlich darum geht, Mehrheiten zu bekommen.“

In den kommenden Monaten will Glüsing, der seit einem Verkehrsunfall vor 30 Jahren eine leichte Gehbehinderung hat, mit den verschiedenen Fraktionen und Parteien des Stadtrates sprechen, aber auch die Stadt und ihre Bewohner richtig kennenlernen. „Visselhövede hat sich in den vergangenen Jahren gemacht und ist auf einem guten Weg. Und es gibt hier sehr viel Engagement“, so Glüsing. Ein möglicher Gewinn der Wahl ist für ihn nicht ohne Risiko, denn seinen Status als Beamter auf Lebenszeit verliert er in dem Fall. Er nimmt es sportlich: „No risk, no fun.“

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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