Ralf Goebel (54) möchte Visselhöveder Bürgermeister werden - Von Thomas Hartmann

Auftanken beim Abtauchen

Ralf Goebel genießt es, sich mit der Wochenzeitung Die Zeit zurückzuziehen und ungestört und ausgiebig zu lesen Foto: Hartmann
 ©Rotenburger Rundschau

Auf der Terrasse im Garten des Hauses von Ralf Goebel in Visselhövede wärmt die Frühsommersonne. Auf dem Liegestuhl wartet die in aller Eile zusammengefaltete Zeitung darauf, zu Ende gelesen zu werden. Goebel hat die kurze Pause genutzt, um ein wenig vom Wahlkampf-Stress abzuschalten, schließlich ist er eifrig dabei, nach den Besuchen in den Dörfern nun auch in der Innenstadt Klinken zu putzen, um sich vorzustellen.

Goebel ist Wahl-Visselhöveder. Er zog mit seiner Frau Sabine Bente aus dem Raum Scheeßel an die Vissel und hat diesen Schritt nie bereut. Wie so viele Schritte in seinem Leben, die für den Außenstehenden wie Brüche wirken könnten, die er aber selbst gar nicht als solche sieht. Nach dem Abitur in Rotenburg lernte er zunächst den Beruf des Straßenbauers, studierte anschließend, ging allerdings vor dem Abschluss nach Australien, weil er mit der politischen Entwicklung in Deutschland haderte. Dann kam ihm das aber wie eine Flucht vor und er kehrte nach einem Jahr zurück, schloss sein Studium ab, wurde Berufsschullehrer in Zeven, anschließend Leiter der Berufsschule in Bremervörde und schließlich Chef der Eichenschule Scheeßel. „Ich übernehme gerne Aufträge und arbeite sie ab. Das war bei diesen Stellen auch so. Das ist wie ein roter Faden in meinem Leben“, sagt Goebel. Und als Auftrag sieht er auch die Übernahme des Bürgermeisteramtes in Visselhövede. „Ich mache gern etwas mit Menschen und will etwas weiter voranbringen“, beschreibt er seine Stärken. Schon als junger Mensch engagierte er sich für die Gesellschaft: im Rotenburger Stadtjugendring wie im Basketballsport – einem Hobby, das er ernsthaft betrieb: Er spielte in der Landesliga und trainierte Jugendmannschaften, bis er vor zwei Jahren die Sportschuhe an den Nagel hing. Er hat Jugendfahrten organisiert und in verschiedenen Ehrenämtern Kontakte zwischen Schule und Wirtschaft aufgebaut. Gerne liest Goebel Die Zeit und sammelt Reiseführer. Er ist viel herumgekommen in der Welt – von Israel bis Indonesien, von Russland bis Cuba. Heute ist er gerne mit seinem Oldtimer unterwegs, einem Traktor, der einen restaurierten Zirkuswagen zieht. Einmal im Jahr startet er mit zwei Freunden eine Tour. „Auch wenn die Sechs-Liter-Maschine viel Lärm macht – für mich ist das Entspannung pur.“ Genau wie Ausflüge mit seiner Frau und den Kindern (Jeder von beiden hat zwei mit in die Ehe gebracht. Goebel: „Das Patchwork haben wir gut hinbekommen.“). Dann werden Städte erkundet und neue Leute kennengelernt. „Bei diesem Abtauchen kann ich auftanken“, sagt Goebel. Der 54-Jährige liest gerne Regional-Krimis und exotische Rezepte, die er dann nachkocht. Der Abwasch danach ist für ihn kein Problem – Bügeln hingegen ein Graus. Aufräumen gehört für ihn dazu, er schafft gern Ordnung. „Ein Pedant würde aber wohl doch noch den Kopf schütteln“, schränkt er ein. Seine musikalischen Vorlieben finden sich im Soul und Jazz, gerne geht er auf kleine Konzerte. Der Fernseher im Hause Goebel wird selten angemacht: „Meine Informationsquelle ist das Autoradio“, erklärt er. Allerdings freut er sich auf die Fußball-WM und auf das Public-Viewing. Das liebt er, seit er sich beim Besuch der Mannschaft aus Trinidad und Tobago in Rotenburg engagiert hat und die Begeisterung ihn ansteckte. Und was macht der Kandidat am 25. Mai, wenn die Wahllokale geschlossen sind? „Wenn es geklappt hat, stoße ich mit meiner Frau an und lade alle Helfer zu ein paar Kisten Bier ein.“ Und am Tag danach? „Da warten auf mich Abitur-Klausuren zum Gegenlesen und ich muss 364 Gutachten lesen.“ Schließlich ist er in diesem Schuljahr noch Leiter der Eichenschule. Hat Goebel ein Ziel, das er noch verwirklichen will? „Ich gehe nach Madagaskar und leiste dort Entwicklungshilfe“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Eine Idee, die sich bei ihm festgesetzt hat und die seine Frau mittragen will.

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