Pastorin Karin Klement verabschiedet sich aus Visselhövede - Von Nina Baucke

„So viele Leuchtpunkte“

Pastorin Karin Klement verlässt Ende Dezember nach zwölf Jahren Visselhövede. Foto: Nina Baucke
 ©Rotenburger Rundschau

Visselhövede. Zwölf Jahre Visselhövede sind genug. Zeit für etwas Neues, findet Karin Klement und nimmt am Sonntag, 27. Dezember, nach einem Abschiedsgottesdienst in Visselhövede ihren Hut. Die 63-jährige Pastorin und Leiterin der Notfallseelsorge im Kirchenkreis kehrt zum neuen Jahr in ihre Heimat bei Göttingen zurück, um dort einen Gemeindeverbund als Springerkraft zu unterstützen. Was sie besonders an ihre Zeit hier in Erinnerung behalten will und was sie sich künftig erhofft, berichtet sie im Interview mit der Rundschau.

Wie kam es zu dem Entschluss, dass Sie sich noch einmal ein anderes Arbeitsumfeld, einen anderen Arbeitsort gesucht haben?

Karin Klement: Das hatte verschiedene Gründe; ein wichtiger Grund ist, dass mein Mann jetzt in den Ruhestand geht. In den vergangenen zwölf Jahren pendelte er fast jedes Wochenende nach Visselhövede, weil er aus beruflichen Gründen an Göttingen gebunden ist. Jetzt können wir wieder dauerhaft zusammen wohnen. Daher suchte ich in der Göttinger Region nach einer freien Pfarrstelle und erhielt die Möglichkeit, dort zunächst im Gemeindeverbund Radolfshausen als pfarramtliche Springerin zu arbeiten. Die Erfahrung, nicht fest an eine Gemeinde gebunden zu sein, wird neu für mich sein. Die Gemeindearbeit ist mir in fast dreißig Jahren sehr vertraut. Zugleich bietet mir der Springerdienst die Chance in verschiedene Gemeinden hineinzuschauen und meine umfängliche Berufserfahrung dort einzubringen, wo sie gebraucht wird. Auch im Bereich Notfallseelsorge will ich mich gern weiter engagieren.

Sind zwölf Jahre eine Zeit, nach der man auch sagt: So jetzt muss noch mal etwas Neues kommen?

Klement: Auf jeden Fall! Die Landeskirche legt uns ohnehin ans Herz, nach zehn Jahren die Pfarrstelle oder einen Dienst zu wechseln, um die eigenen Erfahrungen zu erweitern. Für mich ist das im Blick auf meinen Ruhestand in zweieinhalb Jahren nochmal ein Ansporn.

Wie hat sich in Ihren Augen die Kirchengemeinde in Visselhövede im Laufe Ihrer Zeit hier verändert?

Klement: Es hat sich vieles entwickelt, die regionale Zusammenarbeit intensivierte sich, das Engagement der zahlreichen Ehrenamtlichen gewann deutlich an Selbstbewusstsein und positiver öffentlicher Ausstrahlung. Das merke ich zum Beispiel an der Zusammenarbeit zwischen Kirchenvorstand und Kapellenvorstand in Wittorf. Selbstverständlich übernehmen Kirchenvorsteher auch Dienste, die am anderen Ort stattfinden. Was mich auch immer wieder freut, ist der intensive Austausch in den Dienstbesprechungen mit den Kollegen in der Kirchenregion; das ist der Ort, an dem persönliche und theologische Fragen noch intensiver diskutiert werden. Vor allem die Leidenschaft und Souveränität, mit der sich Ehrenamtlichen engagieren, ist beeindruckend: So soll Kirche sein!

Ist dieser Blick auf das Ehrenamt etwas, dass Sie mitnehmen werden?

Klement: Ja, das Ehrenamt würde ich gerne auch in meinen neuen Arbeitsbereichen fördern. Ich möchte Ehrenamtliche dazu ermutigen, ihre von Gott geschenkten Begabungen mit Lust und Freude einzusetzen.

Gibt es ein Ereignis oder etwas Allgemeines, das Sie von Visselhövede in besonderer Erinnerung behalten werden?

Klement: Eines? Das ist jetzt so, als würde man in einer Familie nach dem Lieblingskind fragen. Diese Arbeit hier ist wunderbar vielfältig, es gibt so viele Leuchtpunkte und spannende Herausforderungen. Gewiss musste sich der Kirchenvorstand am Anfang auch mit meinen Eigenheiten erst einmal zurecht finden.

Gibt es etwas, was Ihre Nachfolger fortführen sollten?

Klement: Das ist schwer zu sagen. Was mir allerdings als Zuständige für die Seniorenarbeit auffällt, ist, dass wir sehr viele ältere Menschen in unserer Kirchengemeinde haben. Früher war es üblich, dass unsere Besuchsdienstleute und wir Hauptamtlichen im Wechsel jede und jeden ab dem 80. Geburtstag besuchten oder mit einer Grußkarte gratulierten. Das wurde zeitlich immer schwieriger. Für diesen wichtigen Arbeitsbereich einer besuchenden Kirche muss wohl künftig eine neue Lösung gefunden werden. Was das Schöne an der Seniorenarbeit ist: Da sind in den vergangenen Jahren viele Kontakte gewachsen.

Was hat für Sie die Arbeit in Visselhövede ausgemacht?

Klement: Aufgrund der Gemeindegröße ähnelt sie oft einem Managerjob, doch einem, in dem man sehr gut Kontakt zu Menschen bekommt – und das macht mir immer viel Freude! In Tauf-, Hochzeits- oder Trauergesprächen lerne ich Menschen vor Ort sehr gut kennen. Ich erfahre, wie sie zusammen leben, und damit auch, wie innig verknüpft hier auf dem Land die Beziehungen noch sind.

Was erhoffen Sie sich von Ihrer neuen Aufgabe?

Klement: Ich wünsche mir, dass ich meine Kompetenzen schwungvoll und gelassen in einer mir schon vertrauten Region einbringen kann. Ich freue mich auf neue Gemeindestrukturen und verschiedene theologische Arbeitsweisen. Für mich geht es mit Freude in einen spannenden Endspurt.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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