Müller fährt mit dem Velomobil 680 Kilometer in zwölf Stunden

Weltrekord im Dienstfahrzeug

Hans-Hermann Ruschmeyer (stehend) kann sich kaum vorstellen, dass Hartwig Müller im Firmenvelo mit 60 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit unterwegs ist.
 ©Rotenburger Rundschau

Hiddingen (r/as). Manchem wird das merkwürdige Gefährt im Straßenverkehr schon aufgefallen sein: Jeden morgen fährt Hartwig Müller von Hiddingen nach Rotenburg mit seinem Velomobil. Mit diesem sehr flachen und schmalen Liegendfahrrad ist er 60 bis 70 Stundenkilometer schnell unterwegs. Doch der begeisterte Radfahrer nutzt seinen „Milan“ nicht nur als Fortbewegungsmittel. Er betreibt damit auch Leistungssport. Gerade hat er den bestehenden Weltrekord gebrochen.

Auf dem Lausitzring in Brandenburg gewann der gelernte Industrie-Elektriker die 12-Stunden-Fahrt. Er schaffte in dieser Zeit eine Strecke von 680 Kilometern und brach damit den alten Rekord um ganze vier Kilometer. „Das war hart“, erinnert sich der 43-Jährige. Bereits nach drei bis vier Stunden beginnen die Füße zu brennen. „Das kennt jeder Fahrradfahrer auf der Langstrecke“, sagt Müller. Doch wegen der Helmpflicht auf dem Lausitzring drückte der Leistungssportler ständig gegen das Dach seines Fahrzeugs. Das machte ihm zusätzliche Beschwerden. Um dann eine monotone Stunde nach der nächsten weiterzustrampeln, brauchte es große Willenskraft.

Die Anstrengungen und Schmerzen sind eine Woche nach dem Start längst wieder vergessen. „Ich werde versuchen, meinen Erfolg weiter auszubauen“, sagt Müller fröhlich. Zunächst möchte er den bestehenden Weltrekord bei der Sechs-Stunden-Fahrt knacken und anschließend den Rekord bei der 24-Stunden-Fahrt anvisieren. Registriert werden diese bei der World Human Powered Vehicle Association (WHPVA).

Das alles hat seine Freundin schon geschafft. Die ehemalige erfolgreiche Triathletin Petra von Fintel hat diese Rekorde bei den Frauen bereits erzielt. „Sie hat mich auch in den Wahnsinn des Leistungssports getrieben“, sagt Müller lachend, und es entsteht nicht der Eindruck, dass er das bereut.

Schon immer fuhr er gern Fahrrad. Doch zu ersten Rennen mit seinem Mountainbike überredete ihn erst von Fintel, seine damals neue Freundin. Später kaufte er sich ein Rennrad. Als von Fintel auf das Velomobil umstieg, war Müller auch sehr schnell von dieser Art der Fortbewegung begeistert. Doch so ein besonderes Fortbewegungsmittel ist nicht ganz billig. Also fragte er bei seinem Arbeitgeber, dem Telematik-Unternehmen Dreyer+Timm aus Rotenburg, nach Unterstützung.

„Wir haben das gern gemacht“, erzählt Geschäftsführer Hans-Hermann Ruschmeyer, der sich zusammen mit dem gesamten Team sehr über den Erfolg des Mitarbeiters freut. „Für mich ist es unfassbar, dass man mit diesem Fahrzeug im Schnitt mehr als 60 Stundenkilometer fahren kann.“ Und so bekam Müller ein Velomobil als Firmenwagen gestellt, gleichzeitig erhielt er ein Sponsoring für den Weltrekordversuch.

Dass er die bestehenden Weltrekorde knacken kann, davon ist Müller überzeugt. Kleine Fehler aus Unerfahrenheit passierten ihm bei seinem ersten großen Erfolg. So hatte er beispielsweise vergessen, sich Koffeintabletten mit ins Cockpit zu nehmen. Die sind wichtig, um den Stoffwechsel nach einigen Stunden der Extrembelastung zu unterstützen. Also musste der Langstreckenfahrer, der ursprünglich nur einen Stopp zur Nahrungsaufnahme eingeplant hatte, einen ersten zusätzlichen Halt einlegen. Einen zweiten Stopp benötigte er für das Auswechseln des Akkus für die Beleuchtung. „Ich hatte den Ersatzakku weggelassen, weil ich Gewicht sparen wollte“, erklärt Müller, dem neben den acht Litern Wasser jedes zusätzliche Gramm Ballast zu viel erschien.

Beim nächsten Mal werden ihm diese Fehler wohl nicht mehr passieren. Und so hofft Müller auf den nächsten großen Erfolg. „Da ist noch Luft nach oben“, sagt der Weltrekordler zuversichtlich.

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Andreas Schultz Andreas Schultz
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