LANDTAGSWAHL Henning Cordes aus Visselhövede kandidiert für die FDP

Der Koch und die Wundertüte

Henning Cordes will für die FDP in den Niedersächsischen Landtag einziehen. Foto: Wieters
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VON JENS WIETERS

Visselhövede – „Hobbys? Dafür bleibt aktuell überhaupt keine Zeit. Neben dem politischen Engagement, muss ich ja auch noch meine Brötchen verdienen“, sagt Henning Cordes, der von Beruf zwar kein Bäcker ist, sondern gelernter Koch, mittlerweile aber seit 2009 gemeinsam mit seinem Mann Stephan Cordes-Kallenberger das Geschäft „My Extra Visselhövede“ betreibt – ein Laden mit einem breiten Dienstleistungs- und Verkaufsangebot im Telekommunikationsbereich.

Dass Cordes in den vergangenen Monaten kaum eine Gelegenheit hatte, Freunde zu treffen oder seinen großen Garten hinter dem eigenen Haus an der Goethestraße zu genießen, liegt daran, dass der 47-Jährige von der kleinen Politik im Visselhöveder Stadtrat in die große wechseln will. Sein Name steht nämlich bei der Wahl des Niedersächsischen Landtags am Sonntag, 9. Oktober, als Kandidat der FDP auf den Wahlzetteln des hiesigen Wahlbezirks.

Dass er vom „mich hervorragend unterstützenden FDP-Kreisverband, in dem viele junge Leute sitzen“ als Landtagskandidat aufgestellt worden war, liege nach Cordes‘ Meinung an seinem guten Abschneiden während der Kommunalwahl 2021. Denn der Ur-Visselhöveder, der auf einem Bauernhof groß geworden ist, hat mit seinen 469 Stimmen so manchen erfahrenen Kommunalpolitiker weit hinter sich gelassen. In seinem Sog haben gleich zwei weitere Liberale jeweils einen Sitz im Visselhöveder Stadtparlament ergattert. Auch im Rotenburger Kreistag ist Cordes seit 2021 vertreten und stellvertretender Fraktionschef der FDP.

Dabei ist der Blondschopf eher unpolitisch aufgewachsen, was sich aber vor sechs Jahren radikal geändert hatte. „Damals habe ich die Facebook-Gruppe ,Vissel-aktiv‘ ins Leben gerufen, und sofort wurde über viele Dinge in der Stadt gemeckert. Also habe ich nicht nur den anderen Mitgliedern der Gruppe vorgeschlagen, selber die Zukunft der Kommune mitzugestalten, sondern wollte auch mit bestem Beispiel vorangehen“, sagt der seit 2017 amtierende Visselhöveder FDP-Ortsverbandschef, der nun die zweite Wahlperiode im Stadtrat sitzt.

Aber warum gerade die Liberalen? „Die FDP und ihre Ziele kamen damals und kommen natürlich auch heute noch meiner persönlichen Sichtweise auf viele Dinge wie Stabilität oder Wirtschaftskompetenz am nächsten.“ Aber tatsächlich habe er sich damals die Programme der Parteien angeguckt. „Aber die links und rechts waren gleich außen vor.“

Diese Aussage gelte laut Cordes auch die Landes-FDP, wenn es zu Koalitionsverhandlungen kommen sollte. Wenngleich Cordes keinen Hehl daraus macht, dass ihm ein schwarz-gelbes Bündnis in Hannover am liebsten wäre. „Denn es geht mir vor allem um die Wirtschaft. Wenn die nicht funktioniert, läuft nicht viel in unserem Land.“ Darum setze sich die FDP unter anderem auch für eine Bürokratiebremse für die niedersächsische Wirtschaft ein: „Für jede neue Vorschrift müssen mindestens zwei unnötige gestrichen werden.“

Cordes fordert außerdem eine zügige Umsetzung der Digitalisierung auf allen Ebenen. „Denn wir hinken in Niedersachsen und deutschlandweit im Vergleich zu unseren Nachbarländern doch weit hinterher.“ Aber: „All die moderne Technik und deren Nutzung muss so funktionieren, dass auch die ältere Generation problemlos damit umgehen kann“, so Cordes, der in seinem Geschäft tagtäglich Kunden erlebt, die „bei der Digitalisierung eben nicht so einfach mithalten können“.

Natürlich weiß auch er, dass die Gründe für die aktuell grassierende Horror-Inflation und die steigenden Energiekosten nicht in Niedersachsen zu suchen sind, aber „eine solide landesweite Finanzpolitik gibt es nur mit der FDP. Wir bereiten den Weg in eine Investitionsdekade ohne neue Schulden.“

Und er hat auch eine klare Meinung zu der zurzeit diskutierten Frage, ob Deutschland den ukrainischen Streitkräften Kampfpanzer zur Verfügung stellen sollte: „Es muss schnell und ohne Vorbehalte darüber diskutiert werden, ob wir das machen: Entschließen wir uns dazu, muss zügig gehandelt und nichts verschleppt werden.“

Ob er selber aus dem beschaulichen Hannover heraus nach dem 9. Oktober ein kleines bisschen daran beteiligt werde, bleibe abzuwarten, so Cordes, der trotz aller Polit-Euphorie realistisch bleibt, was ein Direktmandat angeht: „Das wird wohl eher ein bisschen schwierig, aber Wahlen sind immer wie Wundertüten: Niemand weiß, was am Ende dabei herauskommt.“ Über die FDP-Landesliste hat der 47-Jährige wahrscheinlich auch keine Chance, ins Leineschloss einzuziehen. „Wenn mein Platz 53 noch reichen würde, hätten wir ja eine dicke Mehrheit.“

Aber auch wenn es nichts wird mit der großen Politik, habe die Zeit des Wahlkampfes ihm persönlich eine ganze Menge gebracht: „Es gab und gibt viele Fortbildungen und Informationsveranstaltungen in Präsenz und auch online, die meinen politischen Horizont enorm erweitert haben.“ Und das sei dann doch der Lohn für die aktuell fehlende Zeit für Dinge jenseits der großen Politik.

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