Klavierkonzert in der St.-Johannis-Kirche in Visselhövede - Von Wilfried Adelmann

Frantz spielt Ludwig

Justus Frantz begeisterte sein Visselhöveder Publikum mit Beethoven-Werken. Foto: Wilfried Adelmann
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Visselhövede. „Wir waren schon am selben Tag der Ankündigung des Konzerts mit Justus Frantz ausverkauft,“ erzählte Erhard Grunhold, der Pressesprecher des Kultur- und Heimatverein Visselhövede. „Es hat uns selbst überrascht, dass die Karten so schnell weg waren.“ In der Tat war die St-Johannis-Kirche gut gefüllt und selbst die meisten „Nur-Hörer-Plätze“ des schönen Gotteshauses waren mit Gästen belegt. Für die Mitglieder des Vereins zugleich der Beweis, dass ihr Engagement, mit dem sie jedes Jahr wieder ein umfangreiches Programm auf die Beine stellen, belohnt wird.

Bereits zum dritten Mal war Frantz zu Gast in Visselhövede. Dass sein Programm dieses Mal vor allem Schlaglichter auf das Schaffen Ludwig van Beethovens warf, kommt nicht von ungefähr: 2020 steht der 250. Geburtstag des Bonner Komponisten an.

Mit jugendlichem Schwung, Turnschuhen und gelber Hose eilte Frantz auf die Bühne, nahm er am Bösendorfer Flügel Platz und erklärte die nun folgende Sonate von Beethoven: Denn bei der „Pathéthique“ handele es sich nicht um Pathos, sondern um das Beklagen des Schicksals, das Beethoven mit Taubheit geschlagen hätte. Mit Wut und Verzweiflung begänne der erste Satz und nach leiser Betrachtung der Gegebenheiten führt es bei diesem Musikstück zur Einsicht, dass man aufstehen und sich dem Unausweichlichen stellen müsse.

Und ebenso kraftvoll bearbeitete Frantz. Man merkte, dass dem Professor der Musikhochschule Hamburg das Hineinversetzen in die Welt der Amplituden von Beethoven sichtlich Spaß machte. Die Konzertbesucher konnten nachvollziehen, was es heißt, vom Schicksal einen Fehdehandschuh hingeworfen zu bekommen und diesen nach Wut und Nachdenklichkeit aufzunehmen und dann mit „jetzt erst recht“ weiterzumachen. Und auch mit der zweiten Sonate, die gemeinhin als „Mondscheinsonate“ bekannt ist, gelang es Frantz, die Zuhörer zu berühren.

Ludwig van Beethoven hatte mit diesem Stück die Trauer um einen guten Freund zum Ausdruck bringen wollen. Mit gemäßigtem Tempo beginnt die Sonate, bis daraus fast schon Tanzmusik wird. Frantz zeigte eine eindrucksvolle Interpretation, schwelgte in diesen Stimmungen und erreichte das ergriffene Publikum.

Vor der Pause gab es noch die Fantasien von Chopin zu hören, aber auch den Hinweis auf ein Projekt von Frantz, das er, inspiriert von Leonard Bernstein und Yehudi Menuhin, ins Leben gerufen hat: Die „Philharmonie der Nationen“ ist ein internationales Orchester, das aus jungen Musikern aus der ganzen Welt besteht und für Völkerverständigung und Weltfrieden eintritt und schon mehr als 1.000 Auftritte in der ganzen Welt hatte. Man könne Fördermitglied werden, so der engagierte Künstler, und so etwas für die Jugend der verschiedensten Nationen tun.

In der Pause ließ es sich Frantz nicht nehmen, CDs zu signieren. Und auch sonst zeigte sich der Künstler sympathisch: Nachdem er die Gäste auf den „Nur-Hörer-Plätzen“ nach vorne gebeten hatte, „da ja vor dem Altar noch Plätze frei wären“, nahmen einige aus dem Publikum dieses freundliche Angebot wahr und setzten sich erfreut auf ihre neuen Plätze.

Und so wunderte es nicht, dass Frantz sich mit der Appassionata direkt in die Seelen der Konzertgäste spielte. „Meine Musik soll ein Feuer der Nächstenliebe in den Herzen entfachen“, so die Botschaft von Beethoven. Der fast gewalttätige Umgang mit dem Konzertflügel ermöglichte es Frantz, das Feuer beinahe sichtbar werden zu lassen: Funken werden in den Himmel geschleudert, gleißen als Sterne und regnen mit Hoffnung zur Erde zurück. Geschichten werden erzählt, und es wird zum Handeln aufgerufen. Am Schluss der Appassionata gab es dann ein Feuerwerk für die Sinne und die Seele – es knallte und krachte, und Frantz war in seinem Element. Einen begeisterten Applaus und Standing Ovations waren der Lohn für den fulminanten Einsatz am Flügel und nach zwei Zugaben war ein Konzertabend zu Ende, der die Gäste mit Lachen und Heiterkeit, aber auch mit Nachdenklichkeit in den Herzen, in die Nacht entließ.

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