Elvira Schneider und Harald Gabriel von „Vissel for future“ über Motivation und Corona - Von Nina Baucke

Neue Impulse in der Krise

Elvira Schneider setzt sich für "Visselhövede for future" ein. Foto: Nina Baucke
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Visselhövede. Auch wenn die Corona-Pandemie den Klimaschutz in Sachen Schlagzeilen etwas in den Hintergrund gerückt hat: Die Aktiven bleiben am Ball, so auch die Gruppe „Vissel for future“ (VFF), die sich für Umweltbelange in Visselhövede engagiert. Die Rundschau sprach mit Elvira Schneider und Harald Gabriel, die sich an der Spitze des Bündnisses engagieren.

Die Gruppe „Vissel for future“ lehnt sich vom Namen her an die Bewegung „Fridays for future“ an. Wieviel an ähnlichen Zielen und Motivation steckt darüber hinaus in VFF?

Elvira Schneider: Die „Fridays-for-future“-Bewegung (FFF) ist in der Tat Namenspate für „Vissel for future“ (VFF). Uns motiviert das Engagement der jungen FFF-Menschen und deren enorme Impulse für die Klimadebatte. Das Ergebnis ihrer unnachgiebigen Proteste zeigt, dass man sich nicht mit Absichtserklärungen vertrösten lassen muss und dass doch etwas in Bewegung kommen kann.

Harald Gabriel: Sie lassen sich das Ziel „unbedingter Klimaschutz“ als Garant für Überleben und Zukunft nicht nehmen. Dementsprechend sind wir von VFF auch bei den Klimastreiks von FFF aktiv geworden. VFF ist zwar nicht ausschließlich auf den Klimaschutz fokussiert, aber Klima und Umwelt sind auch bei uns die zentralen Themen – herunter gebrochen auf Visselhövede und umzu.


Wie kam es zu der Gruppe?

Schneider: Nach einem Filmabend, an dem der Film „Tomorrow“ geguckt wurde, waren viele Zuschauer berührt und fühlten sich zu nachhaltig Machbarem ermutigt. Danach ergab sich ein Kreis von Interessierten, der von den Beteiligten weder als Verein noch als feste Institution verstanden wurde, sondern als Initiative.

Gabriel: Die Interessierten können aktiv und passiv teilnehmen. Zur Zeit sind schon mehr als 100 im VFF-Verteiler, die sich je nach Zeit, Kraft und Interesse einbringen. Via Verteiler informieren wir über die Treffen und laufende Aktivitäten. Zudem gibt es Arbeitsgruppen. VFF ist offen für Jung und Alt, Altbewährtes und kreativ Neues. Wir freuen uns jederzeit über weitere Interessenten.


Was ist die Motivation von VFF?

Schneider: VFF ist ein offener Kreis für alle Interessierten, die für die Zukunftsfähigkeit unserer Welt aktiv werden wollen, womit sie hier und jetzt anfangen möchten. Im Mittelpunkt stehen Umwelt- und Klimafragen, aber auch Fragen von regionaler, gesunder Ernährung mit Produkten, die einen Beitrag zum Klimaschutz liefern. Und es geht um die Stärkung eines guten sozialen Miteinanders in unserer Stadt und ihren Gemeinden – das lokal und regional Machbare.


Welche konkreten Themen will Vff ansprechen?

Gabriel: Welche praktischen Beiträge wir hier vor Ort leisten können. Drei Beispiele für zentrale VFF-Themen: Vermeidung von Kunststoff in Haushalt, Schule und Büro, bei Einkauf und Ernährung. Die Zeit ist reif, das Thema Müllvermeidung endlich ernsthaft anzupacken. Wir wollen jetzt Veranstaltungen auf die Beine stellen, zum Beispiel, wie man plastikfreie Reinigungsmittel selber herstellen kann. Außerdem sind wir mit der Stadt und auch der Oberschule im Gespräch über Sammelaktionen. Dann geht es uns um Ernährung aus regionalen Quellen mit möglichst wenig Verpackungsmüll. Dazu hat VFF eine Initiative zum Bezug von Biolebensmitteln von regionalen Höfen gestartet.


Wie sieht es mit der Bereitschaft unter den Visselhövedern aus, sich an VFF zu beteiligen?

Gabriel: Die Initiative VFF wächst ständig. Nach jeder Veranstaltung sind neue Menschen dazu gekommen. Mit unseren „ZwoDoMo-Gesamttreffen“ haben wir zudem ein Austauschforum. Welches Echo finden die Arbeitsgruppen? Schneider: Das Echo ist am besten abzulesen an den Arbeitsgruppen, zu denen sich mittlerweile aktive Interessierte zusammengefunden haben. Das sind die AGs: Repaircafé sowie Treffpunkt Marktplatz mit Palettenlandschaft sowie Bezugsgemeinschaft von regionalen Bio-Lebensmitteln. Außerdem gibt es Interessierte, die sich mit aktuellen Themen für Vortragsveranstaltungen befassen und mit Gedanken- und Erfahrungsaustausch über eigene Versuche einer konsequenten Plastikmüll-Vermeidung.


Angesichts von Versammlungsverbot und Kontaktsperre: Was tut sich dieser Tage bei VFF?

Schneider: Trotz AG-Absagen laufen Planungen und Vorbereitungen weiter. Das Interesse in den Arbeitsgruppen ist ungebremst. In einem Koordinierungskreis tauschen wir uns per Telefonkonferenzen und E-Mail kontinuierlich aus. Alle Kontakte laufen weiter.

Gabriel: Die Dringlichkeit unserer Anliegen ist auch durch die Corona-Krise nochmal bestärkt worden: gemeinsam Verantwortung für die Zukunft übernehmen, regionale Kreisläufe stärken, weniger Konsum, Müll und Verschwendung, dafür mehr Begegnung, direkte Kontakte und gemeinsames Handeln. Für viele Menschen hat die Corona-Krise zu Entschleunigung und Besinnung geführt sowie zu einer neuen Nachdenklichkeit darüber, was die wirklichen Schwerpunkte im Leben sind. Auch in diese Richtung setzt die Krise durchaus neue Impulse.


Gibt es bereits Resonanzen auf das noch nicht offiziell gestartete Repaircafé?

Schneider: Ja, es gibt viele positive Rückmeldungen. Wir denken, dass durch die Corona-Krise, in der nicht alles immer verfügbar ist, noch mehr Menschen nachdenklich geworden sind und uns allen deutlich wird, dass Reparieren durchaus besser sein kann, als ein verschwenderisches „Ex und Hopp“. Dazu kommt auch die Frage, ob wir uns es noch leisten können, so wertvolle Dinge, in dem Grunstoffe, Arbeit und Energie stecken, vorzeitig wegzuwerfen.


Was muss sich Ihrer Meinung nach für einen bewussteren Umgang mit Ressourcen ändern?

Schneider: Wir brauchen angesichts der globalen Herausforderungen umfassende, echte Zukunftslösungen für stabilere resiliente Wirtschaftsweisen, für sozial verantwortliches Handeln und für einen nachhaltigen Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen. Das wird sich nach Corona erst recht nicht weiter verdrängen lassen. Wenn in Sachen Klima und Umwelt nur annähernd so entschlossen gehandelt worden wäre wie gegen die Pandemie, wären wir in Richtung einer gesunden, lebenswerten Zukunft schon sehr viel weiter.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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