„Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ in Hartböhn - Von Nina Baucke

Satan auf Speed

Die Räuber kommen auf eine Idee: Warum nicht dem König ins Handwerk pfuschen? Fotos: Nina Baucke
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Hartböhn. „Wenn das so weitergeht, wird die Königstochter meine Frau“, singt der Knecht und verfällt in eine wilde Tanzeinlage. Er behält Recht. Nicht zuletzt, weil ihm zum einen das Schicksal dank einer Glückshaut immer wieder in die Karten spielt, zum anderen, weil seine Gegner sprichwörtlich über ihre eigenen Füße stolpern. Wie das aussieht, lässt sich noch zwei Mal auf dem Piratenplatz in Hartböhn erleben.

Denn dahin hat es in diesem Jahr das Theater Metronom verschlagen, nachdem Corona für einen Abbruch des Theaterfrühlings in Hütthof gesorgt hatte. „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ heißt das Stück von F. K. Wächter, für das das Ensemble mit Karin Schroeder und Moritz von Zeddelmann zwischen Bretterbuden und Koggen eine ideale Bühne gefunden hat. Schon allein der baumumstandene Platz, die Sitzgelegenheiten auf Strohballen und die abendliche Beleuchtung sorgen für reichlich Märchenflair.

Das Stück fußt auf einer Erzählung der Gebrüder Grimm, nur dass der Satiriker Wächter daraus ein Erzähltheaterstück mit reichlich sarkastischen und manchmal auch ein wenig frivolen Untertönen gemacht hat.

Aus einer Laune heraus haucht die Großmutter des Teufels einem Bauernknecht, der am Baum hängt, neues Leben ein. Von nun an gelingt ihm dank einer Glückshaut alles: Er landet bei den Soldaten, verliebt sich in die Königstochter, sticht Mitbewerber aus und wird am Ende mit dem Mädchen seiner Träume an der Seite selbst König – und das obwohl der König und seine Berater ihm ohne Ende Fallen stellen.

Schon die Vorlage gibt ein irrwitziges Tempo vor, dem Regisseur Michael Bandt sowie Schroeder und von Zeddelmann noch eines drauf setzen: Schnelle Szenenwechsel sorgen dafür, dass das Stück keine Längen hat. Dazu kommt der nahezu spürbare Spielspaß, mit dem die beiden Schauspieler manchmal im Sekundentakt in 30 verschiedene Rollen schlüpfen, sich immer wieder direkt an das Publikum wenden und sich die Freiheit nehmen, ihre Figuren auch zu überzeichnen. Vor allem dann, wenn die beiden Darsteller als Räuberpaar dem König ins Handwerk pfuschen – und das in einem wilden Fantasiedialekt.

Hinhören lässt auch die Musik: Zitate wie das Eingangslied zur Melodie von „Seven Nation Army“ oder eine Zeile aus „Can’t take my eyes off you“, immer, wenn sich Bauernknecht und Königstochter anschmachten. Dann sind da die Lieder, die von Zeddelmanns Frau Zsuzsa kommen und die ruhig hätten länger sein dürfen – ein düsterer Gesang des Fährmanns sowie ein Schlaflied, mit dem die Großmutter des Teufels ihren Enkel austrickst, um dem Knecht die goldenen Haare zuzuschanzen.

Und wenn der Knecht der Großmutter des Teufels Auge in Auge gegenübersteht, zeigt sich die Botschaft des Stückes: Glück und das Schicksal auf seiner Seite zu haben, ist das eine – doch am Ende kommt es auch auf den eigenen Mut an.

• Weitere Aufführungen: Am heutigen Samstag, 15. August, im Rahmen der Sommer-Theater-Nacht ab 19 Uhr und am Sonntag, 23. August, ab 20 Uhr. Karten gibt es telefonisch unter 04262/1399. Infos gibt es unter www.theater-metronom.de.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
 04261 / 72 -433
 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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