Das Repair-Café bietet Alternative zum Wegschmeißen - Von Nina Baucke

Rettung für das Radio

Hermann Hölter und Martina Langholf sehen das Konzept des Repair-Cafu00e9s Visselhövede auf dem richtigen Weg. Foto: Nina Baucke
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Visselhövede. Der Toaster klemmt, das Bein vom Teddy ist ab und der Staubsauger scheint das Ende seiner von der Industrie vorgegebenen Lebenszeit erreicht zu haben: Für Martina Langholf und Hermann Hölter ist das trotzdem kein Grund, etwas einfach zu entsorgen. Jedenfalls nicht, bevor nicht die fachkundigen Helfer des Visselhöveder Repair-Cafés einen Blick drauf geworfen haben.

Denn dank der beiden Drögenbosteler gibt es für einige Geräte und andere Gegenstände noch eine zweite Chance. „Zu 95 Prozent haben wir bisher alles wieder in Gang bekommen, und in einigen Fällen konnten wir den Tipp für das richtige Ersatzteil geben“, freut sich Hölter, der nicht nur einer der Initiatoren ist, sondern als Elektroingenieur selbst Hand anlegt. „Er ist unser Maschinenflüsterer“, sagt Langholf und lacht.

Es ist schon etwas her, dass sie auf die Idee mit dem Repair-Café kamen, ein Konzept, dass es schon in einigen Gemeinden gab. Der Grund liegt für Hölter auf der Hand: „Nachhaltigkeit ist das Stichwort. Warum soll man ein Gerät nach drei Jahren wegschmeißen müssen? Oft sind es nur kleine Teile, wie zum Beispiel Kondensatoren, die oft so gebaut sind, dass sie nur eine geringe Spannungsfestigkeit haben und nur wenige Jahre funktionieren. Aber die kann man austauschen.“ So gebe es Leute, die sich zwar nicht als so umweltbewusst sähen, sich aber trotzdem über ein schnell kaputtes Gerät ärgern, ergänzt Langholf.

„Hermann wollte erst sich beim Café in Ottersberg engagieren, und da ich gesagt: Dann können wir so etwas auch hier aufziehen“, erinnert sich Langholf. „Allerdings mussten wir uns zuerst eine Dachorganisation suchen.“ Als sich im Kielwasser der Fridays-for-future-Bewegung zu Beginn des Jahres die Gruppe Vissel-for-future formierte, machten sie Nägel mit Köpfen und dockten sich dort an. Dann sorgte Corona für einen weiteren Aufschub,. „Im Sommer konnten wir das Ganze dann wieder anschieben“, so Langholf.

Einen Ort für das Repair-Café fanden sie im Heimathaus. „Dort können wir zudem in der Corona-Zeit die Besucherströme angemessen lenken“, erklärt die Drögenbostelerin. Die Idee, das Café dort anzusiedeln sei von Bürgermeister Ralf Goebel gekommen. „Wir haben sehr viel Unterstützung von der Stadt und vom Heimatverein bekommen.“

Mittlerweile liegen drei Treffen hinter ihnen: „Bei den ersten beiden war die Beteiligung noch richtig mager, aber die letzte Ausgabe des Repair-Cafés wurde richtig gut angenommen, um die 30 Menschen waren da“, freut sich Langholf. Im Gepäck die ganze Bandbreite – von Kaffeevollautomaten, Staubsauger, über Fitnessgeräte, Lampen, CD-Player bis hin zum Elektrogrill. Auch das ein oder andere Schmuckstück war darunter: „Ein altes Röhrenradio von 1963“, schwärmt Hölter. Und auch eine Puppendoktorin hatte ausreichend zu tun. „Manchmal waren das Sachen von fünf Minuten, manche dauerten eine Stunde“, sagt Hölter.

Beim Reparaturprozess bleiben die Kunden nicht außen vor: „Sie sind direkt dabei, und sehen, was sich allein mit Kleinigkeiten machen lässt“, sagt Hölter. Vor allem sind es Ältere, die das Angebot wahrnehmen. Die Bezahlung ist freiwillig, der Erlös fließt in anfallende Kosten, darunter die nötige Haftpflichtversicherung.

Mittlerweile besteht das Team aus einem Pool von acht Leuten, darunter neben Hölter ein IT-Fachmann sowie Elektriker – „und natürlich auch einige ,Allrounder‘“, sagt Langholf. Sie ist von dem Konzept überzeugt: „Auch wenn wir vermutlich noch einiges verfeinern können: Wir sind in Sachen Repair-Café auf dem richtigen Weg.“

Einen Novembertermin wird es aufgrund des Lockdowns allerdings nicht geben, das Team hofft auf einen Neustart im Dezember.

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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 nina.baucke@rotenburger-rundschau.de

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