Untersuchungen an Erdgasförderbohrungen beginnen in Bothel - Von Nina Baucke

„Der Boden vergisst nicht“

Ralf Struckmann entnahm die ersten Bodenproben an der Bohrstelle Hemsbünde Z2.
 ©Mediengruppe Kreiszeitung

Bothel. Beobachtet von Kameras entnahm Ralf Struckmann von der Ingenieursgesellschaft Grundbauinstitut Hannover am Montag die ersten Bodenproben nahe der Erdgasförderbohrung Hemsbünde Z2 in Bothel. Es war der erste Schritt einer Spurensuche, für die in der vergangenen Woche Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) und Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) im Namen des Landes Niedersachsen grünes Licht gegeben hatten.

„Ich bin sehr glücklich darüber, dass jetzt etwas passiert“, kommentierte Dirk Eberle, Bürgermeister der Samtgemeinde Bothel, die Probenentnahmen gegenüber der Rundschau. Er hatte bereits im Frühjahr eine Anfrage an das Wirtschaftsministerium gestellt. „Das jetzt der Boden untersucht wird, zeigt, wie groß die Sensibilität für das Thema geworden ist“, so der Verwaltungschef. 200 Stellen von insgesamt 455 in ganz Niedersachsen lässt das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) überprüfen, davon 36 im Landkreis Rotenburg. Auswahlkriterium war laut Björn Völlmar vom LBEG die Länge der Förderzeit. „Der Boden vergisst nicht. Daher haben wir im Landkreis Rotenburg die Suche in den Bereichen, in denen das EKN (Epidemiologische Krebsregister Niedersachsen) die erhöhten Werte an Erkrankungen festgestellt hat, noch einmal verdichtet.“ Das ist einer der Gründe mit, weswegen die Untersuchungsmaßnahmen in Bothel beginnen. „Das ist für uns richtig wichtig“, bekräftigt Eberle. „Wir haben ja von Seiten des Samtgemeinderats die Forderung gestellt, dass die Ursachensuche nun vorangetrieben werden muss. Wenn sich kein Zusammenhang mit den Krebsfällen ergibt, müssen wir weiter sehen. Sollte es allerdings doch der Fall sein, dass dort etwas derartiges gefunden wird, dann sage ich ganz klar: Schluss damit! Aber zunächst geht es darum, sich systematisch Überblick zu verschaffen. Dann kommt der nächste Schritt.“ Das Vertrauen der Bevölkerung in die Sicherheit der Rohstoffgewinnung in Niedersachsen könne nur durch konsequentes und transparentes Handeln gewonnen werden, hatte bereits in der vergangenen Woche Wirtschaftsminister Lies die Pläne für das Untersuchungsprogramm kommentiert. „Wenn es in den vergangenen Jahrzehnten an den Erdgasförderplätzen zu Bodenverunreinigungen gekommen ist, müssen die Schäden zum Schutz des Bodens und des Grundwassers beseitigt werden. Mögliche Sanierungskosten werden wir am Ende bei den Verursachern geltend machen.“ 1,9 Millionen Euro lässt sich laut LBEG das Land – Wirtschafts- und Umweltministerium zu je gleichen Teilen – die Untersuchungen kosten. Die Proben werden nun in einem externen, vom LBEG beauftragten Labor untersucht – auf Belastungen durch Schwermetalle, darunter Quecksilber, Blei und Cadmium, auf unterschiedliche Kohlenwasserstoffe wie beispielsweise BTEX (Benzol, Toluol, Ethylbenzol, Xylol) und PAK (Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) sowie auf Dioxine. „Außerdem werden die Proben auf eine spezifische Radioaktivität untersucht“, sagt Völlmar. Mit Ergebnissen ist allerdings erst Anfang bis Mitte September zu rechnen. Die Untersuchungen bleiben auf den Boden rund um die Stellen sowie in der näheren Umgebung beschränkt. Etwa zehn Proben entnehmen die Mitarbeiter des beauftragten Institutes pro Stelle. „Die Luft wird in einem gesonderten Programm über einen längeren Zeitraum untersucht“, so Eberle. In Pflanzen und im Wasser ließen sich dagegen kaum Langzeitbelastungen nachweisen. Boden sei daher am besten geeignet. „Man kann es als einen Erfolg für die Bürgerinitiativen sehen, dass eben eine Sensibilität für das Thema entstanden ist“, sagt Eberle. „Außerdem stünden ganz klar Landespolitiker wie Olaf Lies nicht gut da, wenn sie so etwas an sich abperlen ließen.“ Das LBEG kündigte derweil an, die Ergebnisse der Analysen fortlaufend im Internet unter zu veröffentlichen.

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Nina Baucke Nina Baucke
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