Tennet-Geschäftsführer Hartman stellt Suedlink-Planung vor - Von Nina Baucke

Transparenz für Akzeptanz

Zwei Trassenalternativen führen durch den Landkreis.
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Rotenburg/Verden. 2025 soll es soweit sein, dann soll der Strom aus Wilster und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Grafenrheinfeld in Bayern und Großgartach in Baden-Württemberg fließen – unter anderem möglicherweise durch den Landkreis Rotenburg. Nachdem der niederländische Netzbetreiber Tennet in der vergangenen Woche neue potentielle Trassenverläufe – dieses Mal als Erdverkabelung – vorgestellt hatte, gab nun Tennet-Geschäftsführer Lex Hartman in Verden weitere Einblicke in den aktuellen Planungsstand und den weiteren Verlauf des Großprojektes.

Und das ist zu 100 Prozent unter-irdisch: „Es wird nirgendwo eine Freileitung geben, selbst an Stellen, an denen wir die Suedlink-Trasse mit einer bestehenden Leitung kombinieren könnten“, betonte Hartman. Ausnahme: „Wenn tatsächlich eine Kommune oder ein Land explizit Freileitungen wünscht und entsprechende politisch Beschlüsse fasst.“ Im Landkreis Rotenburg geht es zum einen um eine mögliche Route östlich von Bremervörde, zwischen Tarmstedt und Zeven und durch die Samtgemeinde Sottrum sowie zum anderen östlich von Zeven durch die Gemeinde Scheeßel und Samtgemeinde Bothel. Eine Vorzugsvariante, wie bei den Freileitungsplanungen gibt es dabei dieses Mal nicht.

Ursprünglich waren drei Millarden Euro für den Bau der Stromverbindung von Nord nach Süd vorgesehen. Das war allerdings noch zu Zeiten, als Tennet Suedlink als Freileitung plante. Jetzt rechnet das Unternehmen mit zehn Milliarden Euro, die für eine Erdverkabelung nötig sind. „Das ist ein Riesenunterschied“, so Hartman. Denn unterschiedliche Böden, Sand, Fels und Gestein, stellen einiges an planerische Herausforderung dar. So benötigt Tennet unter anderem einen ein Kilometer langen begehbaren Tunnel für eine Flussunterführung. Auch müssen die anvisierten Flächen künftig von Waldanpflanzungen und Bauvorhaben ausgenommen sein, landwirtschaftliche Bewirtung sei jedoch ohne weiteres möglich, so Hartman.

Dennoch ist der Kostenunterschied von sieben Milliarden Euro für ihn kein Grund, zurückzuweichen: Das seien keine Kosten, sondern Investitionen, die man im Laufe von 40 Jahren abschreiben werde. Er ist sich sicher: „Das wird sich am Ende rechnen.“ Auch Kostensteigerungen für den Stromkunden blieben überschaubar, so der Tennet-Geschäftsführer.

Bislang ziehen die imaginären Korridore mit den Trassenvorschlägen noch bis zu einen Kilometer breit über das Land, konkret geht es am Ende um schmalere Trassen in einer Tiefe von 1,80 Meter. 25 Meter für eine 320-Kilovolt-Leitung, noch lieber wäreHartman allerdings ein moderneres Verfahren, mit dem sich eine 525-Kilovolt-Leitung auf einer Breite von 15 bis 18 Metern verlegen ließe. Während der Bauphase sind es 40 bis 50 Meter, die nötig sind. „Landwirte, über deren Flächen die Trasse führt, bekommen für die Zeit, die sie die Bereiche nicht nutzen können, eine Entschädigung“, so Hartman. Natürlich könnten sich Grundbesitzer weigern, den Bautrupps Zutritt zu gewähren. „Aber es gelingt uns eigentlich immer, da eine Einigung zu erzielen.“

Dass das Kabel in der Erde einen möglichen Einfluss auf die unmittelbare Umgebung haben könnte, ist nach Hartmans Aussage erfahrungsgemäß unwahrscheinlich. „Dennoch werden wir regelmäßig ein Monitoring durchführen.“ Es sei nunmal keine einfache Diskussion, daher wolle man sich mit der Leitung so weit wie möglich von der Wohnbebauung fernhalten. „Es gibt keine gesetzliche Regelung, aber wir planen mit 400 Metern“, so Hartman. „Uns geht es dabei immer um Akzeptanz und daher setzen wir auf Transparenz.“ Eine Informationsveranstaltung im Landkreis Rotenburg wird es daher am 10. November geben.

Laut Hartman habe man nun ein sportliches Programm vor der Brust. Ursprünglich sei die Fertigstellung für 2022 geplant gewesen, denn dann geht das letzte Atomkraftwerk vom Netz. Durch die Neuplanung rechnet das Unternehmen nun mit einer Genehmigung bis 2021/22, der Bau werde dann drei bis vier Jahre dauern. „Und das ist schon schnell“, so Hartman. „Einen Zeitpuffer haben wir dabei nicht.“ Wo die Trasse am Ende verläuft – für diese Entscheidung liegt dann der Ball im Feld der Bundesnetzagentur.

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