Zum Fußball gucken beim Kandidaten Holger Bahrenburg - VON MATTHIAS RÖHRS

Die Wahl als Zäsur

In Sachen Fußball trägt Samtgemeinde-Bürgermeisterkandidat Holger Bahrenburg die HSV-Raute auf der Brust.
 ©Röhrs

Horstedt – Eigentlich sei Horstedt Werder-Gebiet, sagt Holger Bahrenburg. Und so hängt seine Flagge des Hamburger SV vielleicht ein wenig trotzig im Nieselregen im Hoheitsgebiet des Rivalen. Doch seit der HSV 1983 den Europacup der Landesmeister gewonnen hat, ist Bahrenburg Fan. Er ist Einzelbewerber auf das Amt des Sottrumer Samtgemeinde-Bürgermeisters – und wird dafür auch die Stimmen der Anhänger des Fußball-Rivalen von der Weser brauchen. An diesem Samstagmittag liegt neben seiner Kandidatur der Fokus aber einmal mehr auf den „Rothosen“ aus der Elb-Metropole.

Die große Leinwand im Wohnzimmer ist heruntergefahren, die Vorberichterstattung läuft. Der HSV spielt an diesem Tag auswärts gegen den 1. FC Heidenheim – kein leichter Gegner in dieser ohnehin anspruchsvollen Zweiten Bundesliga. Es wird ein Spiel auf Augenhöhe bleiben: Ein 0:0 der „besseren Sorte“, wie man gerne sagt. Gute Chancen gibt es auf beiden Seiten.

Gute Chancen auf das Bürgermeisteramt hat er auch, sagt Bahrenburg über sich selbst. Wie das Spiel ist aber auch der Wahlkampf in Sottrum spannend. Lange war Bahrenburg alleiniger Kandidat auf das Samtgemeinde-Bürgermeisteramt. Nach und nach gingen aber Robert Abel (FDP) und Nicolas Fricke (SPD/Grüne) in die Konkurrenz. Die Wahl in der Samtgemeinde ist zum Dreikampf geworden. Mittlerweile geht Bahrenburg nach dem 12. September von einer Verlängerung aus: Stichwahl am 26. September. Darauf habe er zwar keine Lust, würde es aber natürlich trotzdem durchziehen. Seit Anfang des Jahres ist der Horstedter bereits im Wahlkampf-Modus.

Das Gespräch geht nun über die Wahl auf Gemeinde-Ebene in Sottrum. Aktuell ist Bahrenburg Amtsleiter für Bildung, Soziales und Kultur in der Samtgemeinde-Verwaltung und Sottrums Gemeindedirektor im Nebenamt – kümmert sich also auch um die Verwaltung der Gemeinde Sottrum. Und in diesem Punkt will Bahrenburg gleich die offene Kritik an ihn ansprechen: „Mich stört es auch, dass in Sottrum einige Dinge zu lange dauern“, sagt er. Aber ihm seien ein Stück weit die Hände gebunden. Die Gemeinde habe eben keine eigene Verwaltung, das würden die Leute nicht sehen. Und er müsse natürlich auch loyal gegenüber seinem Dienstherren sein.

Es folgt eine Ankündigung: Wird er der neue Dienstherr, gewinnt er also die Wahl zum Samtgemeinde-Bürgermeister, möchte er auch Gemeindedirektor bleiben – sofern der Sottrumer Gemeinderat zustimmt. Mit dem neuen Amt hätte er neue Möglichkeiten für die Gemeinde. Verliert er, steht er für dieses Nebenamt nicht mehr zur Verfügung. „Mit den jetzigen Strukturen hat das keinen Sinn.“ Der 12. September werde eine Zäsur für ihn sein. Entweder der nächste große Schritt in der Karriere oder mehr Zeit für anderes.

Halbzeit, 0:0. „Wie bei der Wahl, man weiß nicht, was rauskommt“, sagt Bahrenburg. Diese sei schwierig einzuschätzen. Er bekomme zwar viel Zuspruch, aber es gebe so viele, die er nicht kenne. Außerdem würden sich alle Kandidaten programmatisch ähneln: Klimaschutz nach vorne bringen, Feuerwehren stärken, Rathaus neu aufstellen. Er sei froh, seine Kandidatur sehr früh bekannt gegeben zu haben, so könne man ihm nicht unterstellen, abgeschrieben zu haben. Doch eines stört ihn. „Die Leute verbinden jetzt alles Handeln von mir mit meiner Kandidatur.“ Egal, ob er es nun für den Sportverein oder als Gemeindedirektor tut. Wichtigstes Thema in Sottrum seien laut Bahrenburg Schulen, da habe es in der Vergangenheit keinen Plan gegeben, und das sehe man jetzt auch. Jetzt müsse man genau hinsehen und dann einen großen Schritt machen.

Zurück zum HSV. Eben hatte dieser wieder eine gute Chance. Je knapper, desto höher Bahrenburgs Stimme – bekanntes Phänomen bei Fußballfans. Mit dem Europacup-Sieg 1983 hat Bahrenburg die erfolgreichen Zeiten des HSV noch erlebt. Erfolge bekommt er nun eher mit, wenn er mit Sohn Lukas zu Spielen des FC Bayern geht. Man tauscht nun Fan-Geschichten aus. Bahrenburgs schlimmstes Erlebnis: eine Busfahrt zum Auswärtsspiel nach Turin. „Wir sind in Oyten eingestiegen und in Sittensen hat der Erste schon gekotzt“, erzählt er. Die ganze Fahrt lang habe der Bus entsprechend gestunken und stundenlang lief „Hamburg, meine Perle“, die damalige Stadionhymne. Damit verbindet er aber auch das beste Erlebnis: Einmal durfte er mit Lotto King Karl auf dem Kran mitfahren, als der die Hymne live vor der Nordtribüne sang.

Die Schlussphase bricht an, der HSV hat sich zurück ins Spiel gekämpft und drängt auf das Heidenheimer Tor – aber alles vergebens. Es wird beim Unentschieden bleiben. Mit dem Ergebnis kann er leben. Ein Sieg am 12. September wird ihm wichtiger sein.

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