Wolf oder nicht: Experten untersuchen totes Damwild

Riss auf dem Sportplatz

Der Riss auf dem Sportplatz sorgt in Ahausen für Aufsehen.
 ©Bettina Diercks

Ahausen. Donnerstagmorgen bei Dienstantritt entdecken Mitarbeiterinnen des Ahauser Kindergartens ein totes Stück Damwild mitten auf dem Sportplatz. Die erste Frage, die sich vor Ort vielen aufdrängt: War es ein Wolf?

Noch liegt ein wenig Schnee. Er verrät, dass das Tier vor dem weißen Wintereinbruch zu Tode gekommen ist. In der Nähe eines Tores liegt das weibliche Stück Damwild, die Bauchhöhle offen, das Haupt fehlt, die Innereien sind verschleppt und liegen 20 Meter entfernt.

Die Schneeschicht ist lückig und offenbart bei genauem Hinsehen, was dort passiert ist: An einer Stelle auf dem Wall, der den Platz mit Zaun befriedet, sind verstärkt Eingriffe im Boden zu sehen. Hier scheint das Wildtier erschreckt worden zu sein. Im Verlauf der Fluchtfährte befindet sich Haar, dann Deckenfetzen, ein wenig Schweiß (Blut), ein paar Meter weiter dann mehr davon. 20 Meter später liegt das getötete Tier. Geschleift wurde es nicht. Das geben die Spuren im Gras eindeutig her. Keine 100 Meter liegen zwischen dem vermeintlichen Angriff und Fundort.

Ursachen kommen viele in Betracht. Darunter der Wolf, der nicht das erste Mal einen Riss in Ahausen hinterlässt. Oftmals nicht untersucht und damit nicht als Wolfsriss bestätigt. Der eine oder andere Mitbürger will Isegrim schon gesehen haben, örtliche Jagdpächter bestätigen, ihn gelegentlich auf der Wildkamera gehabt zu haben. Jetzt war es lange ruhig.

„Nach den ersten Eindrücken und dem Gesamtbild halte ich einen Wolf als Verursacher für wahrscheinlich“, sagt Wolfsberater Jürgen Cassier nach der Untersuchung. Allerdings: Bissspuren an einem der Läufe sehen eher nach Hund aus, was der geringe Abstand der Eckzähne schließen lässt. Das abgetrennte Haupt deutet darauf hin, dass der Fuchs am Stück war. „Das heißt aber nicht, dass nicht ein Wolf das Damwild gerissen hat“, sagt Frank Fass vom Wolfcenter in Dörverden. Denn die Art, wie der Rippenbogen angefressen ist, weisen hingegen auf Wolf. Cassier nimmt Proben des Stückes, um sie auf genetische Spuren untersuchen zu lassen. „Ich werde den Wolfsbeauftragten der Landesjägerschaft Niedersachsen, Raoul Reding, bitten, diese Proben bevorzugt untersuchen zu lassen.“ Cassier will möglichst schnell Klarheit bekommen, um eine sichere Aussage treffen zu können. Gerade, weil es im Dorf passiert ist, Nahe am Kindergarten.

Fährten wurden ebenfalls gefunden, Fellproben ebenso. „Der Wolf findet sich dort ein, wo Nahrung ist“, sagt Cassier. Regelmäßig steht Damwild auf dem Fußballfeld in Ahausen, um zu äsen. Der Bestand dieser Wildart ist vor Ort hoch, nicht selten ist sie auch in den Gärten des Dorfes zu finden. Im wahrsten Sinne ein gefundenes Fressen für den Grauen. Sein Vorkommen gilt für Rotenburg (Großes und Weißes Moor) und Visselhövede als bestätigt. Dort sind Rudel festgestellt worden. Für Scheeßel steht der Nachweis noch aus, verrät der Blick auf die Internetseite des Wolfmonitorings. Schneverdingen, Bergen, Heeslingen: alles eine Katzensprung entfernt. Ein Blick auf die Verbreitungskarte in Niedersachsen lohnt sich.

Bürgermeister Jörg Küsel (CDU) zu dem Vorfall: „Wenn der Mensch den Wolf haben will, muss er damit leben lernen.“ Beobachtungen und Rissfunde seien ihm ebenfalls bekannt. Eine Scheu vor Menschen kenne der Wolf nicht. Weshalb auch? Küsel findet es wichtig, mit dem Thema, dem Riss, offen und öffentlich umzugehen. Denn gleich morgens machten über Whatsapp Fotos über den Fund die Runde. Aufklärung ist angesagt. Und für die Landwirte kann die zunehmende Wolfspräsenz bedeuten, sichere Zäune zu bauen. So sieht es Küsel, selbst Landwirt.

Professionell zeigen sich die Erzieherinnen: Diplomatisch zählen sie dem Nachwuchs verschiedene Möglichkeiten auf, wie das Wildtier zu Tode gekommen sein kann. Sie bitten um Nachricht, sobald das Ergebnis der DNA-Untersuchung feststeht. Und um jemanden, der den Kinder hilft, mit dem Thema umzugehen. Cassier hat jemanden dafür. Aufgrund von Corona wird die Aufklärung aber warten müssen.

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