„Unser Dorf hat Zukunft“: Gemeinde feiert höchste Auszeichnung - Von Andreas Schultz

Höjebö: ein Goldstück

Schon bevor das Ergebnis feststand, war klar: Donnerstagabend stößt die Dörfergemeinschaft Höjebö (kurz für Höperhöfen, Jeerhof und Bötersen) an, egal ob Bronze oder Gold. Da Höjebö die höchstmögliche Auszeichnung im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" holte, war die Stimmung umso besser.
 © Matthias Daus

Bötersen. „Gold, das wäre schon das Größte“, sagte Cord Trefke noch vor wenigen Wochen. Für den Böterser und alle anderen Engagierten, die im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ aktiv waren, geht nun ein Wunsch in Erfüllung: Im Bundesentscheid holt die Gemeinde die höchstmögliche Auszeichnung – und lässt mit der Medaille die Leistung vieler kreativer und fleißiger Köpfe sprichwörtlich vergolden.

In Höperhöfen, Jeerhof und Bötersen (kurz: „Höjebö“) herrscht Siegesstimmung. Das Ergebnis erreichte das Orga-Team am frühen Donnerstagnachmittag, kurze Zeit später erscheint bereits auf der Facebook-Seite der Gemeinde eine Eilmeldung mit buntem Ballon-Hintergrund: „Bötersen ist Golddorf!!!“.

Dabei war die Spannung bis zum Schluss groß: „Wir sind schon aufgeregt, immerhin geht es um die 30 besten Wettbewerbsteilnehmer. Da fragt man sich schon, ob wir mit unseren Themen überzeugen konnten. Es bleibt spannend“, formulierte Trefke noch am Mittwoch. Auch Orga-Mitglied Jana Hoops teilt ihre Einschätzung später: „Wir haben uns alle möglichen Ergebnisse ausgemalt, aber hatten auch das Gefühl, für Gold könnte es wirklich gereicht haben“.

Hat es. Und die Spannung löst sich in Wohlgefallen auf. Ungefähr eine halbe Stunde, bevor das Landwirtschaftsministerium seine Pressemitteilung per E-Mail absetzt, weiß ein großer Teil des Dorfes Bescheid. Das Organisatoren-Team hat kurz zuvor Nachricht vom Ergebnis erhalten, von da an verbreitet sich die frohe Kunde rasend schnell. Wer mit der Whatsapp-Gruppe des Wettbewerbs vernetzt ist, macht sich die Eilmeldung zu eigen. Von überall strömen auf das Team und die vielen Engagierten Glückwünsche ein. Digitale und analoge Euphorie. „Das Handy steht nicht still“, freut sich Hoops am Donnerstagabend.

Noch ehe ermittelt war, welche die Preise die jeweiligen Dörfer ergattert haben, veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf seiner Internetseite eine Beurteilung, die viel Lob enthält: „Das Dorf Bötersen im Landkreis Rotenburg besticht durch seine überzeugende, konstruktive und strukturierte Koordinierung des bürgerschaftlichen Engagements in der Dörfergemeinschaft Höperhöfen-Jeerhof-Bötersen. Ein Satz aus dem in einem gelungenen Prozess entwickelten Leitbild sei im Besonderen hervor- und herausgehoben: ‚Gelebte Demokratie und politische Teilhabe ist in unserer Gemeinde ein großes Gut.‘ Besondere Anerkennung verdienen die Aktivitäten der Initiative Dörfliches Grün“.

Das sind die Gründe für die Goldmedaille. Aus Sicht der Strippenzieher ist klar: „Wir haben es auf jeden Fall verdient“ – so fasst Hoops es zusammen. Rund 200 Engagierte seien in allen Gruppen und drumherum involviert gewesen, und dadurch zwangsweise auch die Familien der Engagierten. „Wir sind stolz auf alle Teilnehmer, das war viel ehrenamtliche Arbeit. Das Ergebnis ist auch deshalb so herausragend, weil sich im Verlauf des Wettbewerbs so viele Leute begeistern haben lassen, das alles hat so viel Zusammenhalt geschaffen“, fasst die ebenfalls beteiligte Susanne Cordes zusammen.

Wer seinen Ort in den Bundesentscheid hievt, bekommt am Ende mindestens eine Bronze-Medaille – das galt für insgesamt 30 Kandidaten der bundesweit insgesamt rund 1.900 gestarteten Dörfer und Gemeinden. Neben Bötersen waren auch die niedersächsischen Dörfer Backemoor im Landkreis Leer und Räbke im Landkreis Helmstedt beim Bundesentscheid dabei. Letztere steigerten sich durch gute Vorbereitung und überzeugende Präsentationen vor der Kommission auf Silber. Insgesamt vergab die Jury achtmal Gold, 15-mal Silber und siebenmal Bronze.

Barbara Otte-Kinast, Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz freut sich für die erfolgreichen Teilnehmer: „Ich beglückwünsche die Dörfer zu diesem tollen Ergebnis. Wieder einmal wird bestätigt, dass in niedersächsischen Dörfern große Potenziale aktiviert werden können, um die gesellschaftliche und strukturelle Entwicklung voranzubringen – und zur Verbesserung der Lebensverhältnisse in den ländlichen Regionen beizutragen“, lässt sich die Ministerin in einer Pressemitteilung zitieren.

Für die Organisatoren ist klar: Das Fünfjahresprojekt „Unser Dorf hat Zukunft“ war keine Eintagsfliege. Der Effekt verpuffe nicht, alle betonen die Nachhaltigkeit des Ganzen. „Wir haben viel bewegt, haben Strukturen geschaffen, wo es vorher keine gab“, sagt Trefke. Die Neubürgerbegrüßung, den Mittagstisch, die Vorleseomas, die gesunde Pause an der Schule und den Saisongarten werde es weiter geben, um nur einige Beispielprojekte zu nennen, die laut Orga Fortsetzung finden. Und vielleicht verwandeln Gruppe und Dorf den Elan auch in Energie für die nächste Stufe. „Es geht nach Europa“, scherzt Müller – nur um den Vorstoß in Richtung weiterführenden Wettbewerb gleich ein wenig zu bereuen: Die Gruppe habe sich noch nicht darüber unterhalten, aber tatsächlich scheinen seine Team-Kollegen nicht abgeneigt.

Doch jetzt zelebriert Bötersen erst mal den Erfolg. Die Vorstufe gab es am Donnerstagabend mit einem Anstoßen vor Fernsehkameras, die große Fete folgt. „Mit Ergebnis kann man planen, schließlich feiert sich Gold ein wenig anders als zum Beispiel Bronze“, lässt Müller wissen. Und im Januar legen alle eine Schippe drauf: Dann fährt die große Abordnung nach Berlin, um die Auszeichnung abzuholen und zu feiern.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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