„Unser Dorf hat Zukunft“: Bötersen ist heiß auf den Bundesentscheid - Von Andreas Schultz

Der Traum vom Golddorf

Ein Wappen, drei Dörfer: Cord Trefke (von links), Jana Hoops und Jan Müller sind sicher, dass die Gemeinde Bötersen beim Bundesentscheid von "Unser Dorf hat Zukunft" gute Chancen auf Gold hat.
 © Andreas Schultz

Bötersen. Drei Orte, eine Gemeinde, und wer auch nur irgendwie eingebunden ist, strebt Edelmetall an. Die Gemeinde Bötersen – und damit auch die Orte Höperhöfen und Jeerhof – macht sich warm für den Bundesentscheid im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Die Marschrichtung aus Sicht des Orga-Teams ist klar: „Gold, das wäre schon das Größte“, sagt Cord Trefke.

Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen gibt es für die 30 Dörfer aus 13 Bundesländern, die zum Bundesentscheid antreten. Der „Treppchenplatz“ steht damit für alle fest. Doch von Bronze steigern können sich ebenfalls alle: Sowohl Gold als auch Silber vergibt die Jury mehrfach. „Golddorf“ werden, und damit nebenbei 15.000 Euro Preisgeld einstreichen, das wäre schon eine Auszeichnung, findet Trefke. „Wir erwarten es nicht, aber wir streben es an“, formuliert Team-Kollege Jan Müller. Und selbst, wenn es bei Bronze bleiben sollte: „Wir haben schon so viel fürs Dorf geschafft, und darum geht es doch“, sagt Jana Hoops.

„Wir“, das sind rund 180 Aktive, die sich in verschiedensten Arbeitsgruppen mit Themen und Projekten auseinandersetzen, die das Dorf zukunftsfähig machen beziehungsweise erhalten sollen. Für sie rückt nun der nächste Bereisungstermin näher: Am Dienstag, 25. Juni, steigt um 9.30 Uhr die Bundeskommission des Wettbewerbs aus dem Bus, um die Gemeinde zu durchstreifen. „Höjebö“, wie manche als Sammelbegriff der drei Orte sagen, steht dann drei Stunden im Fokus kritischer Betrachter. Zu zeigen gibt es einiges, da sind sich Trefke, Müller und Hoops einig. „Es gibt so viel, worauf die Bürger stolz sein können. Man könnte eine lange Liste anlegen, wir mussten für die Route schon hart sieben“, meint Müller.

„Es gibt so viel, worauf die Bürger stolz sein können.“

Das war nicht immer selbstverständlich. Bevor der Gemeinderat sich 2014 dazu entschloss, seine Dörfer in den Kreiswettbewerb zu schicken, war die Aktivität der Vereine eher zurückhaltend. „Bürgerschaftliches Engagement war schon da“, meint Trefke. Aber: „Es war eher verschlafen. Durch den Wettbewerb sind aber viele wieder wach geworden“, fügt Müller hinzu. Der Contest mobilisierte die Massen. Je weiter Bötersen kam – erst Kreis-, dann Bezirks- und schließlich Landessieger – desto größer die Menge der Unterstützer. Kritiker verstummten, zum Teil verstärkten sie schließlich sogar die Aktiven.

Herausgekommen ist eine Vielfalt an Projekten. Einzelne herauszugreifen, erscheint den drei Sprechern unfair, weil in allen Herzblut steckt. Dennoch lassen sie sich dazu überreden, zumindest einige zu nennen, wie die Neubürgerbegrüßung, den offenen Mittagstisch am ersten Mittwoch im Monat, den Unternehmerstammtisch, die Gemeinde-Homepage, das Bienenprojekt und den im Entstehen begriffenen Dorfladen.

Gemeinsame Arbeit an unterschiedlichen Vorhaben sorgt für mehr Zusammenhalt. Das ist die Beobachtung, die Trefke gemacht hat: „Früher hieß es manchmal ,Ach, ihr aus Bötersen...‘. Heute stehen sich die Orte viel näher als vorher.“ Damit habe sich auch eine positivere Grundeinstellung eingebürgert, glaubt Hoops. Neue Ideen würden eher optimistisch angegangen, statt Machbarkeit und Erfolg infrage zu stellen. Großen Wert legt die Orga-Gruppe auch darauf, dass der Gemeinderat der Gemeinschaft hinter „Unser Dorf hat Zukunft“ sein Vertrauen schenkt. Projekte, die von der Versammlung der Arbeitsgruppen grünes Licht bekommen, erhalten dieses in der Regel auch vom Rat, wenn dieser entsprechende Haushaltsmittel diskutiert. „Wir haben uns da ein gewisses Vertrauen erarbeitet“, freut sich Trefke, der selbst im Rat sitzt, genau wie einige andere Wettbewerbs-Aktive. Ein Parallel-Gremium sei die Versammlung aus eigener Perspektive nicht, betont die Orga-Gruppe. Trefke sieht darin eher ein Werkzeug des Sammelns, des Mitnehmens. Eine „Ideenschmiede“, wenn man so will – und die spielt der Lokalpolitik natürlich in die Hände.

„Die Leute haben einfach Bock.“

Seit dem Sieg auf Landesebene ist einige Zeit vergangen, geschlafen haben die Aktiven aber dennoch nicht. Vieles sei weiterentwickelt worden, aus Arbeitsgruppen hätten sich neue Untergruppen entwickelt, so die drei Sprecher. Das, was ursprünglich dem Wettbewerb diente, hat eine Eigendynamik angenommen. Und das wiederum zaubert den Mitgliedern des Orga-Teams breite Lächeln in die Gesichter. „Viele sagen schon: ,Ihr dreht doch durch!‘“, sagt Müller scherzend. Sicher ist aber: „Die Leute haben Bock.“

Projekte, die ganz gezielt auf die Bundesbereisung ausgerichtet sind, gibt es keine. Die Wettbewerber konzentrieren sich auf das, was für die Gemeinde am besten ist und nachhaltig Wirkung entfaltet. „Da passiert nichts mal eben so“, erklärt Trefke. Die Böterser seien darüber im Bilde, was die Konkurrenz so macht, allerdings vermeiden sie Nachahmung. „Wir verstellen uns nicht, wir bleiben wir und machen unser Ding. Dazu gehört zum Beispiel, das Komitee mit einem Applaus zu begrüßen. Einige der Mitglieder fühlen sich davon erst mal erdrückt, aber wir wollen damit einfach zum Ausdruck bringen, dass wir uns darüber freuen, dass sie da sind“, sagt Trefke.

So beginnt die Bereisung, das aus Sicht des Teams wohl größte Projekt – allein schon wegen der Koordination. Da wollen sich die Gruppen von ihrer besten Seite zeigen, sichtbar machen, was Bötersen einzigartig und zukunftsfähig macht. Soweit die Strategie. Trefke ist sicher: „Das wird schon reichen“. Vielleicht auch für Gold.

Wie genau das aussehen soll, erläutert das Orga-Team allen Interessierten am Sonntag, 28. April, bei einer Bürgerversammlung. Ab 15 Uhr geht es im Gasthaus Hoops um die Details der Route.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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