TV Sottrum richtet Spezialturnier aus und ermöglicht Spielern mit Downsyndrom Teilnahme

Das Schwer-in-Ordnung-Turnier

Lauter fröhliche Gesichter bei den Teilnehmern des Schwer-in-Ordnung-Prellball-Turniers
 ©Verein

Sottrum (r/as). Dass die Prellballabteilung des TV Sottrum ein guter Ausrichter von Prellball-Großveranstaltungen ist, hat sie bereits mehrfach bewiesen. Jetzt allerdings hat sie die gewohnten Gefilde der Deutschen Meisterschaften und Deutschlandpokale verlassen und sich auf ein neues Terrain begeben: So fand am vergangenen Wochenende die Premiere des „Schwer-in-Ordnung“-Prellballturniers in Sottrum statt.

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Schwer-in-Ordnung-Turnier

Hinter der Namensschöpfung verbirgt sich ein Herzenswunsch der Sottrumer Prellballer. Seit mehr als acht Jahren gehört Christian Seitz zur Sottrumer Prellballabteilung. Das Besondere daran: Der 17-Jährige hat das Downsyndrom und ist trotzdem ein sehr guter Prellballer geworden, wie Abteilungsleiter Volker Heinze bescheinigt. „Er hat sich in den vergangenen Jahren sein außergewöhnliches Können erarbeitet. Christian ist ein vollwertiges Mitglied seiner Trainingsgruppe“, so der Prellball-Chef. „Mit einer kleinen Sonderregel für ihn kann er an allen Trainingsspielen teilnehmen.“

Aber eben nur an Trainings- und nicht an Wettkampfspielen. Bislang hatte der Turnverein Christian in den bestehenden Nachwuchsrunden einsetzen können. „Dafür ist Chrissi allerdings zu groß und vor allem zu kräftig geworden“, erklärt Heinze. „Mit unseren Kleinen können wir ihn nicht mehr spielen lassen.“ Genau diese Wettkampfspiele bedeuten Christian allerdings sehr viel und so kam seine ebenfalls Prellball spielende Schwester Melanie mit der Frage auf ihre Sottrumer Trainer Anneke Schulz, Verena Ehlert und Volker Heinze zu, ob man nicht etwas für Christian organisieren könne.

Gesagt, getan! Sie nahmen Kontakt zu den befreundeten Vereinen vom MTV Wohnste, MTV Eiche Schönebeck und TuS Aschen-Strang auf und brachten in Erfahrung, ob diese an einem Einladungsturnier teilnehmen würden, bei dem im Vordergrund die Spielmöglichkeit für Christian stehen sollte. „Dabei zeigte sich, dass die Prellballer in Deutschland wirklich eine große Familie sind, denn sofort sagten alle angefragten Vereine zu, mit ein oder zwei Mannschaften teilzunehmen.“ Ein weiteres Highlight sollte sich dadurch ergeben, denn schon seit Jahren versuchen der TV Sottrum und der TuS Aschen-Strang, eine Spielmöglichkeit zu schaffen, bei dem der Sottrumer Christian mit dem Aschener Mika Knoop, der ebenfalls Downsyndrom-Syndrom hat, spielen kann. „Mika kommt aus einer echten Prellballfamilie, seine beiden Brüder spielen sehr aktiv und erfolgreich und seine Eltern begleiten ihre Söhne auf alle Spieltage und Meisterschaften“, erläutert Heinze die besondere Situation. „Mika ist auch immer dabei, feuert seine beiden Brüder leidenschaftlich an und nutzt alle Spielpausen, um auch einmal auf den Ball zu schlagen.“ Endlich also sollte dieser Traum, den alle Beteiligten hatten, in Erfüllung gehen.

Und so trafen sich am Samstag in Sottrum zwei Sottrumer Teams, bestehend aus Aktiven aus Christians Trainingsgruppe, zwei Teams vom MTV Eiche Schönebeck, ein Wohnster und ein Team vom TuS Aschen-Strang zum Turnier. In einer lockeren, aber sportlich anspruchsvollen Atmosphäre und mit einem (auch zum Teil von den Gastmannschaften gespendeten) Kuchenbüfett spielten sie im Modus „Jeder-gegen-Jeden“ und ermittelten so einen Sieger. Das allerdings war keinem besonders wichtig, und auch Christian und Mika konnten sehr gut damit leben, dass sie am Ende mit ihren Teams punktgleich auf dem dritten Platz landeten. Umso mehr, als beide vom TV Sottrum für ganz besondere Leistungen jeweils einen Pokal überreicht bekamen. „Alle waren sich einig, dass so eine tolle Veranstaltung nach einer Wiederholung im kommenden Jahr schreit“, so Heinze.

Auf den Namen sind übrigens die Sottrumer Trainer gekommen, als sie von der Aktion von Hannah Ylva gelesen hatten. Die 14-Jährige hatte angeregt, den Schwerbehindertenausweis in den „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ umzubennen und damit in sozialen Netzwerken für viel Aufmerksamkeit gesorgt. „Hannah hat vollkommen recht, dass sie die Bezeichnung ¸Schwerbehindertenausweis‘ doof findet“, führt Heinze aus, „und wir hoffen, dass sie auch unsere Aktion toll finden würde.“

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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