Stuckenborstel: Lokalpolitik beschließt Wiederaufforstung - Von Andreas Schultz

Wachstumshelfer Rat

Als Spaziergänger im Dezember den Weg am Gemeindewald in Stuckenborstel nutzten, staunten sie angesichts des Kahlschlags und gestapelter Stämme nicht schlecht. Der Rat hat nun die Wiederaufforstung beschlossen.
 ©Andreas Schultz

Sottrum. Als Ende vergangenen Jahres der Großteil des Stuckenborsteler Gemeindewaldes den Motorsägen zum Opfer fiel, war die Aufregung groß. Mehr als einen Monat später hallen die kritischen Stimmen noch nach, als der Gemeinderat sich mit dem Thema befasst: Die Grünen hatten kurz nach dem Kahlschlag, den die Gemeinde aufgrund von Borkenkäferbefall angeordnet hatte, die Wiederaufforstung beantragt.

In dem von Marlies Musfeldt unterschriebenen Antrag formulieren die Grünen Zweifel an der sogenannten „Naturverjüngung“: Einfach abwarten, was von allein wächst, ist für sie keine Option. „Wenn nach drei Jahren festgestellt wird, dass es nicht geklappt hat, sind das verlorene Jahre“, so die Grünen. „Angesichts des Klimawandels und der Bedeutung von Bäumen halten wir eine Aufforstung mit standorttypischen Pflanzen entsprechend der vom Landkreis herausgegebenen Gehölzliste für sinnvoller. Die Fläche sollte in dem Umfang geräumt werden, wie es für Nachpflanzungen erforderlich ist. Finanziert werden soll die Wiederaufforstung aus dem Erlös durch den Verkauf des Holzes der geschlagenen Bäume.“

Tatsächlich hat sich seit der Antragstellung, die bereits kurz nach der Abholzung Mitte Dezember erfolgte, viel getan. So hat sich beispielsweise Gemeindedirektor Holger Bahrenburg bereits öffentlich dazu bekannt, ebenfalls eine Wiederaufforstung zu favorisieren. Entsprechend reagierte Musfeldt bei der Aussprache zum Tagesordnungspunkt: „Wir mussten den Antrag stellen, auch wenn sich das inzwischen schon erledigt hat, weil jetzt alle dieser Meinung sind“, erklärte sie.

Bahrenburg nutzte die Gelegenheit, sein Vorgehen nochmals zu verteidigen: Die Fällungen seien wegen des Befalls notwendig gewesen. Und es musste schnell gehen: „Laut Förster wäre ein halbes Jahr später alles platt gewesen.“ Auch gegen den Vorwurf, gesunde Bäume wären gefällt worden, wehrte er sich erneut.

Die Wiederaufforstung will die Gemeinde ihm zufolge aus Mitteln bedienen, die im Haushalt 2020 nicht abgerufen worden sind, sogenannten Haushaltsresten. Angebote für die Leistungen würden bereits vorliegen. So beziffert Bahrenburg die voraussichtlichen Kosten für die Vorbereitung der Fläche inklusive Entfernung der Stümpfe auf rund 2.300 Euro, die Kosten für den Baumlehrpfad auf rund 6.000 Euro.

Kritik hinsichtlich des Informationsflusses gab es aus dem Lager der Sozialdemokraten. Hans-Jürgen Brandt bemängelte, bei einem Vor-Ort-Termin für das weitere Vorgehen nach dem Kahlschlag sei kein Ratsmitglied aus Stuckenborstel dabei gewesen. Dem setzte Friederike Paar (CDU) entgegen, dass es nicht um politische Expertise, sondern um sachliche gegangen sei. Einen Vor-Ort-Termin mit Gemeindedirektor, Gemeindebrandmeister und Bezirksförster zu organisieren, sei also in Ordnung.

150 neue Bäume will Sottrum nun laut Gemeindedirektor wieder in ihrem Wald wachsen lassen. Jürgen Böschen (CDU) empfahl, sich bei der Fachfirma, die die Bäume pflanzen wird, eine Garantie zu holen: Sie soll versichern, dass 80 bis 90 Prozent auch tatsächlich anwachsen.

Gerd Helms (SPD) war es wichtig, dass die Bevölkerung über die kommenden Arbeiten ausreichend informiert wird. Seiner Ansicht nach hingen Protest und Unverständnis gegenüber den Fällarbeiten vor allem mit der mangelnder Kommunikation zusammen. „Deshalb bitte ich die Verwaltung eindringlich, dann eine Pressemeldung herauszugeben, wann was gepflanzt wird und wie das aussehen soll. Wir müssen die Bürger da mit nehmen. Das darf nicht nach schnell-schnell, heimlich-heimlich aussehen, sondern muss von jedem nachvollzogen werden können“, fügte er hinzu.

Paar fand zwar eine Info für die Bürger in Ordnung, wollte aber nicht weiter gehen: „Ich bin nicht der Meinung, dass wir die Verwaltung da mit großen Schreibaufgaben auslasten müssen. Das wäre unangemessen.“

Siegfried Gässler (CDU) machte darauf aufmerksam, dass die Zeit drängt: „Wir sollten im Frühjahr loslegen, damit es auch mit dem Vegetationszyklus klappt. Wir wollen da eine gute Sache hinbekommen“. Entsprechend handelte das Gremium: Der Rat votierte dafür, nach Eingang aller Angebote die Auftragsvergabe per Umlaufverfahren, also vor der nächsten Sitzung, in Gang zu bringen.

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Andreas Schultz Andreas Schultz
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