Sottrum: Sieben Bürgerbusfahrer sagen Tschüss - Von Antje Holsten-Körner

Abschied der Lenker

Gleich sieben Fahrer gehen in den Ruhestand. Von links: Hans Manthey, Günter Schierloh, Werner Klooß, Ulrich Thiart, Thomas Warschke, Johannes von Wenczowski und Hartmut Worthmann.
 ©Antje Holsten-Körner

Sottrum. Generationswechsel beim Sottrumer Bürgerbus: Mit Ulrich Thiart, Hans Manthey, Günter Schierloh, Johannes von Wenczowski, Thomas Warschke, Hartmut Worthmann und Werner Klooß gehen gleich sieben Fahrer der ersten Stunde aus Altersgründen von Bord. Nach zehn Jahren hinter dem Steuer des Busses, der montags bis freitags viermal täglich Gäste durch die Samtgemeinde chauffiert, wollen sie jetzt die erforderliche Gesundheitsprüfung nicht mehr erneuern lassen.

„Wir hatten damals unsere Prüfungen zum 1. Dezember abgelegt, denn zu diesem Zeitpunkt war ursprünglich der Start des Bürgerbusses geplant“, erinnert sich Ulrich Thiart. Da sich die Auslieferung des Fahrzeuges aber verzögerte, erfolgte die Jungfernfahrt erst zum 1. April 2010. Der Antrieb der Fahrer, ehrenamtlich ihre Freizeit zu opfern: „Wir wollten, besonders den älteren Mitbürgern oder denen, die nicht oder noch nicht mobil sind, eine Möglichkeit bieten, nach Sottrum oder zum Bahnhof zu kommen“, fasst Thiart für alle zusammen.

Zum Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, kam der große Spaß an den Fahrten. Über die Dankbarkeit der Fahrgäste kann jeder Geschichten erzählen. „Wir hatten oft den ehemaligen Hellweger Bürgermeister Friedel Diercks mit seiner Ehefrau als Gast, die ihre Arzttermine mit dem Fahrplan des Bürgerbusses abstimmten“, berichtet Warschke. Wenn das Ehepaar nach dem Einkauf mit Tüten den Bus bestieg, war es für die Fahrer selbstverständlich, dass die Einkäufe bis zur Haustür getragen wurden. „Jedes Mal wurde uns ein Schein ins Sparschwein gesteckt“, freut sich Warschke. Sehr dankbar zeigte sich auch ein Flüchtling aus Ahausen. „Wir haben ihm seine Waschmaschine, die er von der Sottrumer Lebensmittelausgabe erhalten hat, im Bürgerbus mitgenommen“, erzählt Johannes von Wenczowski vom wohl ungewöhnlichsten Transport.

Für Thiart sind die Fahrten im Bürgerbus gelebter Klimaschutz. „Besonders der Fridays-for-Future-Generation würden wir gerne sagen: Es ist gut, dass ihr euch um die Klimaveränderung der Welt kümmert, aber warum braucht ihr sooft das Mama-Taxi?“, hinterfragt er kritisch.

Nachdem die Fahrgastzahlen mit Abebben der Flüchtlingskrise in den Keller gingen, verzeichnen die Ehrenamtlichen in diesem Jahr wieder einen Anstieg. Trotz der zwischenzeitlichen Flaute kommt der Bürgerbus seit vier Jahren ohne Zuschuss der Samtgemeinde aus. Dies ist auch den mehr als zwei Dutzend Sponsoren zu verdanken, die den Bürgerbus unterstützen. „Unser einziges Problem ist eine ausreichende Anzahl von Fahrern“, sagt Thiart und hofft, dass sich in der Samtgemeinde Sottrum weitere Frauen und Männer dazu entschließen, als Fahrer aktiv zu werden, damit das Bürgerbussystem noch lange erhalten bleibt. In die eigene Tasche greifen brauchen Interessierte dafür nicht, denn die Kosten für die erforderlichen Genehmigungen übernimmt der Bürgerbusverein. „Wenn man als Bürgerbusfahrer zwei- oder dreimal im Monat am Nachmittag oder Vormittag fährt, kann man weiterhin seinen Hobbys und Verpflichtungen nachkommen“, weiß Thiart aus eigener Erfahrung. Gerne möchte er auch Sottrums Samtgemeindebürgermeister hinter dem Steuer des Busses sitzen sehen. „Ich würde mich über die Schlagzeile freuen: Freytag fährt am Freitag“, wünscht er sich nach dem Vorbild des Rotenburger Bürgermeisters Andreas Weber, der einmal im Monat als Fahrer aktiv ist. „Andreas Weber meint, die monatlichen Fahrten wären seine schönsten Bürgerfragestunden“, so Thiart. Wer seinen Satz „Bürgerbusfahren macht glücklich“ in der Realität erleben möchte, kann sich unter den Telefonnummern 04264/1587 oder 0170/9331254 informieren.

Vom Engagement zugunsten des Bürgerbusses wird sich der 74-Jährige erst im kommenden Frühjahr verabschieden, denn dann möchte er nicht erneut als Vorsitzender kandidieren. Weiterhin wird der Rotenburger aber in der Kommunalpolitik aktiv sein. „Ich habe den identischen Sprachfehler wie ihr“, wandte sich Thiart an seine Fahrerkollegen und erklärt schmunzelnd: „Ich kann nicht ‚nein‘ sagen.“ Auch bei den anderen Fahrern, die sich jetzt in den Ruhestand verabschieden, wird sicherlich keine Langeweile aufkommen, denn auf sie warten Enkelkinder, Schützenverein & Co.

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