Seit Monaten ohne Miete: Sottrumer Vermieter-Paar klagt - Von Andreas Schultz

Übergabe mit Folgen

Als Georg und Hilde Schneider Mitte 2017 neuen Mietern die Schlüssel übergeben, ahnen sie noch nicht, dass sie die Auswahl ihrer Vertragspartner Monate später bereuen werden.
 ©pixabay

Sottrum/Landkreis Rotenburg. Sie zahlen nicht, sind schwer erreichbar. Und wenn man sie doch einmal trifft, sind sie uneinsichtig oder haben Ausreden parat. Kurzum: Mietnomaden sind der Albtraum eines jeden Vermieters. Einen Fall, der schwer an dieses Muster erinnert, erlebt derzeit der Sottrumer Georg Schneider*.

Für die rund 250 Quadratmeter Wohnfläche ihres Mietshauses hätten er und seine Frau Hilde* gerne 1.200 Euro warm. Im Vergleich zum durchschnittlichen Sottrumer Quadratmeterpreis sei das mehr als fair, findet der Rentner. Die erste Miete kommt pünktlich in voller Höhe, die zweite um 50 Euro gekürzt, die dritte noch mal um 205 Euro reduziert. Doch drei Monate nachdem seine Mieter eingezogen sind, sieht das Paar von dem neuen Vertragspartner keinen Cent mehr.

Internetprobleme, nicht genug Fernsehanschlüsse geben die Mieter als Gründe an – allerdings auch erst auf mehrfache Nachfrage des Vermieters. Kurz darauf stellen die neuen Hausbewohner die Kommunikation komplett ein, reagieren weder auf Klingeln, noch auf E-Mails. „Das kam uns spanisch vor“, so Georg Schneider.

Dabei hätte die Skepsis schon früher einsetzen können. Vor Abschluss des Mietvertrags lief nämlich schon die Abgabe der Dokumente „etwas holprig“, erinnert er sich. Die Selbstauskunft kam nicht ohne Nachhaken, genauso die Schufa-Auskunft. Als sich nach der Vertragsunterzeichnung die Ungereimtheiten häufen, nimmt Schneider Kontakt mit dem vorherigen Vermieter auf. „Ach, sind Sie also auch auf die reingefallen“, war dessen erste Reaktion. Schnell wird klar, dass nicht alle Angaben in der Selbstauskunft der Wahrheit entsprechen – zum Beispiel in Bezug auf Mietschulden.

„Dabei sind das so sympathische Menschen“, sagt Hilde Schneider immer wieder. „Wir haben den Fehler gemacht, dass wir die Geschichten glauben wollten“, fügt ihr Mann hinzu. 15.000 bis 20.000 Euro wird sie die Begegnung mit den Menschen kosten, die umsonst in ihrem Haus leben, so schätzt Georg Schneider. Die Summe setzt sich hauptsächlich aus Gerichtskosten der Räumungsklage und Mietausständen zusammen. Wie das Gebäude nach dem Auszug aussieht, wie viel Renovierung notwendig werden könnte, ist da noch nicht einberechnet.

Der Schaden wird das Paar nicht ruinieren, allerdings berichten sie von Fällen im Bekanntenkreis, in denen vorsätzlich säumige Mieter Hausbesitzer an den Rand der Existenz getrieben hätten. Bei einem kreditfinanzierten Haus gehe das schnell, wenn die Mieteinnahmen fehlten. Und auch zuvor funktionierende Ehen hätte die daraus enstehende dauerhafte finanzielle Sorge bereits zerstört.

Für das Ehepaar Schneider ein bitterer Beigeschmack: Alle Dokumente sprächen dafür, dass ihre Vertragspartner sich die Miete leisten können. Sie zahlen nur einfach nicht – sondern sparen stattdessen auf einen Hauskauf, wie sich zwischenzeitlich aus einem Gespräch herauskristallisiert haben soll. „Das ist für mich im weitesten Sinne Trickdiebstahl. Das Kuriose ist nur, dass man die Straftäter kennt und sie sich selber ausgesucht hat“, sagt Georg Schneider. Wann die Angelegenheit beendet ist, können sie nicht sagen. Angefangen hat sie Mitte vergangenen Jahres, im September sprachen die Sottrumer die Kündigung aus. Die Räumungsklage läuft derweil, allerdings verzögern die mutmaßlichen Mietnomaden das Verfahren durch Nichterscheinen sowie Abwesenheit durch Krankheit – aus Sicht der Kläger eine Masche, um weiter kostenlos im Haus leben zu können.

Für die Zukunft haben sich die Vermieter vorgenommen, bei der Auswahl ihrer Vertragspartner noch genauer hinzuschauen und auf die notwendigen Dokumente zu pochen. „Ich finde das entwürdigend, jemanden so zu durchleuchten. Vieles von dem, was ich als Vermieter wissen muss, geht mich so nichts an. Aber offenbar muss man das heutzutage so machen“, sagt Georg Schneider resigniert.

* Um Rückschlüsse auf die Identität der Beschuldigten auszuschließen, hat die Redaktion die Namen geändert.

Chronisch säumige Mieter sind Landkreis kein Einzelfall. Mehr zum Thema im Ratgeber-Artikel "Früh konsequent handeln"

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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