Schulstraße steht unter Wasser / Bürokratie verhindert Lösung - Von Andreas Schultz

Der Güllewagen hilft

Rolf Wedemeyer und Daniela Müller ärgern sich darüber, dass sich die Schulstraße in Taaken bei starkem Regen in einen knöcheltiefen See verwandelt. "Der Gemeinde sind die Hände gebunden", sagt Bürgermeister Wilfried Kirchner.
 ©Andreas Schultz

Taaken. Knöcheltief steht das Wasser in der Taakener Schulstraße. Doch nicht nur auf der Fahrbahn hat sich ein kleiner See gebildet: Auf dem Hof von Anwohnerin Daniela Müller stapft das Töchterchen mit Gummistiefeln an den Füßen durchs Gewässer. „Im Sommer hätte das ja noch was: Badeanzug an und rein da“, witzelt Müller. Zum Lachen ist ihr aber eigentlich schon längst nicht mehr zumute.

Seit drei bis vier Jahren dasselbe: Die Schulstraße steht bei starken Regenfällen unter Wasser, in schlimmen Fällen erwischt es auch die Grundstücke der Umgebung. Bei Müller hat das bereits zu feuchten Kellerwänden geführt. Auch der angrenzende Fußballplatz ist betroffen, weiß Rolf Wedemeyer. Im Taakener Sportverein ist er Fußball-Abteilungsleiter, kennt daher das Problem. Rasenplatz- und Straßenneubau erfolgten 2011 und 2012 in enger Folge aufeinander – und mit den Maßnahmen kam auch das Wasserproblem. „Der Platz war vorher Ackerfläche, das Wasser konnte langsam großflächig versickern“, erklärt er.

Der Niederschlag vom Fußballplatz fließt – wenig zuverlässig – über einen Graben in ein Regenrückhaltebecken. Soll er zumindest. Bei längerem und stärkerem Regen läuft das Becken voll, das Wasser staut sich im Graben zurück und überflutet schließlich die Straße. „Das Regenrückhaltebecken ist zu klein, außerdem beginnt in vier Metern Tiefe eine etwa sechs Meter hohe Lehmschicht. Deshalb kann das Wasser nur sehr langsam versickern“, erklärt Wedemeyer. Dass der Wegemeister mit dem Güllewagen Wasser aus dem Becken nimmt, um den Abfluss sicherzustellen, sei zwar kurzfristig hilfreich. Wedemeyer und Müller wünschen sich aber eine dauerhafte Lösung.

Und die gibt es nicht. Das räumt Wilfried Kirchner, Bürgermeister von Reeßum, auf Nachfrage ein. Das Problem sei bekannt, der Gemeinde seien aber die Hände gebunden. Für die Entwässerung ist die Samtgemeinde Sottrum zuständig und die arbeite derzeit noch am Generalentwässerungsplan. Vorher gebe es keine Maßnahmen, die Abhilfe schaffen. Aber: „Stehendes Wasser ist nicht nur in Taaken ein Problem. Das haben wir in mehreren Straßenzügen, auch in Reeßum und in allen Nachbargemeinden“, stellt Kirchner klar.

In Horstedt wird die Lage als nicht so schlimm bewertet. „Wir haben eigentlich keine schwierigen Plätze“, sagt Bürgermeister Michael Schröck. Und Bötersen hat sich schon vor Jahren um eine eigene Entwässerungsplanung gekümmert. „Deshalb sehen wir das entspannter“, sagt Bürgermeister Hermann Holsten. Hassendorf hat „Gefahren gemildert“, so Klaus Dreyer, indem die Gemeinde an der Bergstraße einen Regenkanal gelegt hat. „Das Problem ist vorhanden, auch wenn der Generalentwässerungsplan noch nicht da ist. Da muss die Gemeinde aktiv werden“, meint der Bürgermeister.

Ähnliches ist auch aus der Bauverwaltung des Rathauses zu hören. „Der Grundsatz ist, dass das Wasser da versickern muss, wo es herkommt. Entsprechend muss der Grundstückseigentümer für sein Regenwasser Sorge tragen“, erklärt Eckhardt Behrens, Abteilungsleiter in der Bauverwaltung der Samtgemeinde Sottrum. Der Sportplatz und die Straßen, auf denen das Wasser niedergeht, gehören der Gemeinde Reeßum. Ob ihr wirklich die Hände gebunden sind, bis die Samtgemeinde mit ihrem Papier fertig ist, beantwortet Behrens ausweichend: „Der Generalentwässerungsplan beseitigt das Problem nicht. Aus ihm lassen sich Pläne zur Problemlösung erarbeiten. Dass es den Plan noch nicht gibt, berechtigt aber nicht, jemandem sein Wasser ins Wohnzimmer zu schicken. Der Grundstücksbesitzer muss Abhilfe schaffen, vielleicht nur temporär, aber auf jeden Fall sofort.“

Eine Lösungsmöglichkeit sehen die Betroffenen darin, die Entwässerung per Regenkanal an die Kreisstraße anzubinden. Doch da sperrt sich der Landkreis.

Die Untere Wasserbehörde mache den Generalentwässerungsplan zur Bedingung für diese Lösung, erklärt Wedemeyer. „Da beißt sich die Katze selbst in den Schwanz“, sagt er.

Den Kanal der Kreisstraße der Gemeinde zur Verfügung zu stellen, sei auch gar nicht so einfach: „Das hat rechtliche, aber auch ganz einfach technische Gründe“, erläutert Gert Engelhardt vom Amt für Wasserwirtschaft und Straßenbau beim Landkreis. Dass es erst den Entwässerungsplan brauche, hänge auch damit zusammen, dass der Kanal jetzt technisch nur darauf ausgelegt ist, die Kreisstraße zu entwässern. „Wenn wir den Kanal einfach so zugänglich machen, und dann etwas passiert, haften wir.“ Außerdem sei die Aufnahmekapazität begrenzt, man könne nicht einfach ohne planerische Grundlage Straßenzüge anschließen. Der Landkreis müsse sicher gehen, dass dem Kanal nicht zu viel Wasser zugeführt wird, um Schäden zu vermeiden.

Der Generalentwässerungsplan soll nach Auskunft von Behrens voraussichtlich im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Danach beginnt die Phase der Problemlösung.

Ob Daniela Müller bis dahin weiter auf ihrem Grundstück bei starkem Regen unfreiwillig ein Planschbecken betreibt, bleibt abzuwarten.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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