Rundschau-Serie „Mit Taten zu Salaten“ / Folge acht: Unterwegs mit „Zug-chinis“ - Von Rosemarie Swingle

Die Gemüseschmuggler

Das Gemüse hatte es im Zug ICE-kalt.
 ©Rosemarie Swingle

Bötersen. Mittlerweile gleicht unser bepflanztes Rechteck im Saisongarten Bötersen einem Laboratorium, welches seine Experimente selbst durchführt. Wir dürfen immerhin zusehen und ernten. Tatsächlich können wir auf viele Umwelteinflüsse nur wenig einwirken. Das Wetter zum Beispiel, Schädlinge, die Art, wie etwas abstirbt oder wächst. Umso schöner ist, dass auch ohne unser Zutun alles wunderbar wächst.

Mir gefällt die Idee von dem Selbstläufergarten, der eigentlich nur etwas Planung am Anfang braucht. Gegenüber Bekannten betone ich, es würde alles wie von selbst gehen. Naturgemäß schnaubt mein Freund daraufhin, denn er ist derjenige von uns beiden, der aus logistischen Gründen regelmäßig Gießkannen schleppt und somit die Gartenarbeit in seinen Alltag einbaut.

Ein Selbstläufer ist unser Saisongarten also nicht ganz. Es gibt ein paar Notwendigkeiten: Als unser Spinat zu schießen begann und schließlich farblich von Grün zu Gelb wechselte, war Herausreißen angesagt, es sollte Platz für Neues entstehen. Ähnlich erging es den Erbsenpflanzen nach Abnahme der Schoten. Ein Kreislauf: klug säen, viel gießen, Schädlinge abzupfen (wir haben Kartoffelkäfer entdeckt!), ernten, die trockene Pflanzen wieder aus dem Boden ziehen.

Neuerdings machen wir Geschäfte mit Gemüse: Schoten, Knollen, Wurzeln und Früchte müssen reisen, denn wir haben Abnehmer in Familie und Freundeskreis. Der Kurs, zu dem wir unsere Feldfrüchte handeln: nette Worte und ein Lächeln. Meine Familie wohnt nicht in direkter Nähe, also befand ich mich schon mit einem großen Rucksack voller Erbsen, Salat und Zucchini in Bremen am Bahnsteig und nahm die grünen Geschenke mit in den Zug nach Hannover. Man stelle sich vor, ich wäre mit solch rauen Mengen an Gemüse erwischt worden, ohne ein Dokument dabei zu haben, das mich als Gemüseführer oder etwa als -händler ausweist. Ich hätte erklären müssen, dass ich Gärtnerin bin und ein enges Verhältnis zu meinen Produkten pflege und dass diese doch öfter mal einen Szenenwechsel bräuchten und deshalb die Reise. Mir blühte zum Glück keine derartige Zollkontrolle, nur später ein wunderbares Abendessen bei Freunden, die sich sehr über die Mitbringsel freuten. Den Einkauf konnten wir uns sparen. Die Lobbyisten der Supermärkte knurren durch die Zähne, ich ging ihnen durch die Lappen mit meinem Gemüse. Aber mal abgesehen davon muss man sagen, dass es etwas Verschwörerisches oder zumindest etwas Merkwürdiges an sich hat, wenn man das Buch aus dem Rucksack holen möchte und dabei eine Zucchini verstohlen aus der Öffnung hervorlugt.

Das war jedoch nur der erste Streich, denn es zog uns noch weiter in die Ferne mit dem Gemüse. Alles Weitere wurde unter dem Titel: „Mit Gemüse reisen – worauf Sie achten sollten“ festgehalten. Ich denke, die Klimaanlage im ICE nach Mannheim war eigentlich auf unsere Zucchini (oder: Zug-chini) abgestimmt worden. Die Kühlschranktemperatur tat ihnen gut, die sechs Stunden Fahrt schien sie nicht zu bewegen: keine Spur von Reiskrankheit. Der grüne Teint hätte mir bei jedem anderen Sorgen bereitet, nicht aber beim Gemüse, das am Ziel noch so gesund aussah, wie im Norden. Nicht zu vergessen die Kohlrabi: Wie Mäuschen still am Platz und gleichzeitig mit der Hochgeschwindigkeit eines Inter-City-Express’ rollten sie dahin. Im Süden gelangten sie in die Hände meiner Eltern, und somit auf den Speiseplan geschickter Köche. Es war sehr lecker, die Reise schmeckte ich nicht raus.

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