Rotenburger Gitarrenwoche am Ahauser Waldrand

Spot der Freiheit

Während Julius an seiner Interpretation des "Tanz des Müllers" arbeitet, geht Hans Wilhelm Kaufmann (im Vordergrund) gestikulierend mit. "So lässt sich Bewegungsenergie veranschaulichen", erläutert der Dozent und künstlerische Leiter der Gitarrenwoche.
 ©Andreas Schultz

Ahausen. Julius schnippt die Töne in rasanter Folge von den Saiten. Schnelle Tempi wechseln mit eher leicht dahinfließenden Takten. „Stell dir vor, ich bin der Landeshauptmann und du erstichst mich mit deinen Augen“, gibt Dozent Hans Wilhelm Kaufmann seinem Schüler zu verstehen, der an einer Passage vom „Tanz des Müllers“ in Defallas „Dreispitz“ feilt. Konzertreif ist die Interpretation allemal, Julius und Hans Wilhelm – im Ahauser Landheim sind alle „per Du“ – arbeiten aber noch an Feinheiten, am „Spot der persönlichen Freiheit“, die jeder Künstler hat, wie der Dozent sagt.

Rotenburger Gitarrenwoche auf einem Ahauser Waldgrundstück: 25 Schüler üben mit international bekannten Größen des Gitarrenspiels, verbessern die Fähigkeiten im Umgang mit dem Instrument und proben die Orchesterarbeit. Unter den Eichen des Landheims treffen drinnen wie draußen Künstler verschiedener Leistungs- und Altersklassen aufeinander, um acht Tage gemeinsam und solo zu musizieren. „Neun sind unter 20, 15 sind über 50, einer liegt in der Spanne dazwischen. Das ist eine gute Mischung“, sagt Kaufmann. Fortgeschrittene treffen auf Amateure, die noch an ihrem Taktgefühl arbeiten, Lebenserfahrene auf die Jugend. Und alle lernen voneinander.

„Emma ist ein Maßstab für sich“, konstatiert Susanne. Auch Heinz hört, wie Erstgenannte im rückwärtigen Raum des Hauses die Achteltriolen aus den Saiten kitzelt, die einst Manuel Maria Ponce auf Notenblättern niederschrieb. Die beiden Zuhörer, die sich selbst eher als Hobby-Gitarristen sehen, sind sich einig und zollen der Jüngeren aus der Ferne andächtig Respekt. Emma bringt derweil nichts aus der Konzentration. Weder die anderen Musiker, die in der Küche klappernd Besteck fürs Mittagessen sammeln, noch Passanten. Auch nicht der laut plätschernde Wasserhahn, der nur zu hören ist, wenn die junge Gitarristin absetzt, um mit Bleistift Fingersätze über die Noten zu kritzeln.

„Als Lehrer macht es großen Spaß, auf unterschiedliche Weise gefordert zu werden“, sagt Kaufmann. Die Arbeit mit den Schülern, eine Woche im Wald und auf der Bühne nur Musik als Thema: Das sind die Hochgefühle der Gitarrenwoche für den künstlerischen Leiter: „Wenn man in der Natur ankommt, dann lässt man alles andere fallen“. Dirk Lemmermann, ebenfalls Dozent der Gitarrenwoche, pflichtet bei: „Eine Woche keine Termine.“ Kein Wäschewaschen, kein Kochen, nur die Gitarre.

Ebenfalls immer wieder Grund zur Freude: zu sehen, wie die Schüler Fortschritte machen – und zwar nicht nur am Instrument. „Sozial, menschlich, musikalisch: Die Teilnehmer bekommen ein ganzes Paket an Erfahrungen mit. Da ist es kein Wunder, dass einige immer wiederkommen“, betont Lemmermann. Beglückt erlebte er oft, wie sich anfängliche Skepsis auf den Gesichtern in Freude verwandelte.

Nicht zuletzt biete die Gitarrenwoche auch Chancen, Gleichgesinnte kennenzulernen. Nach dem Unterricht sei viel Gelegenheit, zusammen zu spielen oder einfach den Wald beim Spaziergang zu genießen und zum Bullensee zu fahren, erläutert Elke Pütz. „So fanden schon einige Paare zueinander, und nicht umsonst spricht man von RGW-Kindern“, witzelt die Verantwortliche für Betreuung und Unterbringung der Teilnehmer. Die familiär-freundschaftliche Atmosphäre betonen auch Teilnehmer wie Susanne und Heinz – einen Teil dazu trägt wohl auch die von Mitbegründer Grant Gustafson eingeführte Tradition, als Dozent jedes Jahr einen Kuchen zu backen. Kochen und Backen gehören seither zu den entscheidenden Faktoren bei der Auswahl der weiteren Lehrenden, scherzt Kaufmann. Offenbar geht auch die Liebe zur Musik einen Umweg durch den Magen. Demzufolge dürfte das Trio, diesmal bestehend aus Jozsef Eötvös, Antigoni Goni und Lorenzo Micheli über entsprechende Fähigkeiten verfügen.

Gemeinsam musizieren, beim Konzert Bühnenerfahrung sammeln, Kuchen und Gemeinschaft genießen. „Being together“, sei das Stichwort, das den Kern ausmache, erläutert Kaufmann. Das Rezept kommt bei Schülern offenbar an. Wenn sie Wald, Gemeinschaft, Melodien und Wissen in sich aufgesogen haben, verlassen sie Ahausen wieder. Und das laut Dozent oft „wahrlich beseelt“.

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