Renate Vogel-Stelling bereitet neuen Zyklus vor - Von Elke Keppler-Rosenau

Die Kunst schläft nicht

Erotische Motive gelingen der Stuckenborstelerin meisterlich.
 ©Elke Keppler-Rosenau

Stuckenborstel. „Ich konnte ein Jahr lang aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten. Dennoch waren in meinem Kopf viele Ideen. Die wollte ich mit einem ganz neuen Bilderzyklus umsetzen, nachdem es mir besser ging. Und dann kam Corona“, sagt die Stuckenborsteler Malerin Renate Vogel-Stelling. Das bedeutet aber nicht das Aus, denn die Künstlerin arbeitet auch unter veränderten Bedingungen an einem neuen Zyklus.

„Natürlich wollte ich in 2020 auch ausstellen, das gehört zu meinem künstlerischen Dasein, aber nichts geht. Nun bleibt mir, wie vielen anderen Künstlern auch, nichts anderes übrig, als für mich allein in meinem Atelier zu arbeiten, denn niemand weiß, wie lange dieser Stillhaltezustand noch bleibt. Niemand weiß es, alle sind total verunsichert, die bildenden und darstellenden Künstler mehr, als jene, die vorher in festen Jobs gearbeitet haben. Meine Devise ist allerdings, solange wir gesund sind, sollten wir weitermachen. Vielleicht bietet Corona ja auch die Chance, durch die verordnete Ruhe und Zurückgezogenheit mehr aus der eigenen Kreativität herauszuholen“, sagt sie. Den geliebten Geruch von Ölfarbe hat die Künstlerin während ihrer Auszeit im Jahr 2019 schmerzlich vermisst, ebenso das Hantieren mit Pinsel und Palette – noch viel mehr die Umsetzung künstlerischer Visionen auf die Leinwand. Was genau sie für Werke plant, verrät Vogel-Stelling nicht, vieles ist auch der Spontanität überlassen. Sicher aber ist, dass Kunstfreunde viele Überraschungen erwarten können.

Wahrscheinlich wird die Malerin an die Figürlichkeit anknüpfen und dabei wieder in Farben schwelgen, die ihre vorherigen Werke so anziehend machen. Und da kein Künstler für die Schublade arbeitet, sondern seine Werke wahrgenommen wissen will, darf man gespannt sein, ob Corona auch positive Seiten abgewonnen werden konnten, wenn der Normalzustand wieder eingekehrt ist. Veranstaltungen wie Kultur-Land-Kultur, Ausstellungen in Galerien und anderen künstlerischen Foren könnten einen Aufschwung erleben, mit dabei ist dann Vogel-Stelling, die mit ihrer explosiven Darstellungskraft bei Ausstellungen alle Blicke auf sich zieht.

Waren es die Wellenweiber mit ihrer erotischen Konnotation oder die Hommage an Rodin, die Leidenschaft in ihrer ganz ursprünglichen Form ausdrückt. Die selbstbewusste Weiblichkeit, die die Künstlerin mit kräftigem Pinselduktus in ihren Arbeiten darstellt, erinnert an die Szenerie der 20er Jahre, als Frauen auf dem Weg waren, Zwänge hinter sich zu lassen, um dann von anderen Idealen ausgebremst zu werden. In dem Zyklus der Wellenweiber bewegt Vogel-Stelling sich in manchen Werken zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion. Eine spannende Mischung, die viel Lichteinfall zeigt. Unterschiedliche Schattierungen der Farbe und deren Reflexion bestimmen die Aussagekraft der Bilder, in denen der Betrachter zu versinken scheint.

In ihrem Opus finden sich allerdings auch gesellschaftskritische Arbeiten. Solche, die Kinder der Kriege zeigen. Ihr hoffnungsloser Blick rührt an, vor allem vor dem Hintergrund, dass Corona auch an ihnen nicht vorbeigehen wird, ohne dass sie es wissen. 1990 entstand ein Bild mit dem Titel „Ausgrenzung“, das eine Afrikanerin mit ihrem mageren Säugling auf dem Arm zeigt. Dieses Werk in Öl auf Leinwand ist in seiner Aussage hochaktuell. Die Hoffnungslosigkeit, die sich in den Augen der dargestellten Frau spiegelt, macht betroffen. Es ist Vogel-Stelling meisterlich gelungen, genau diese Situation der Menschen einzufangen, die verlassen sind und kaum Hoffnung auf Hilfe haben. Das Motiv lenkt ein wenig ab von der malerischen Ausdrucksweise, mit der es der Künstlerin gelungen ist, die kargen Hintergründe der Landschaft Afrikas in Krisengebieten treffend darzustellen.

Mehr als 50 Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland haben die Stuckenborstelerin bekannt gemacht. Ihre Werke befinden sich in Privatbesitz und in öffentlichen Einrichtungen unter anderem in Moskau, Frankreich, Rumänien, auf den Balearen, in den Niederlanden und den USA. Auch im Worpsweder Kunstzentrum Alte Molkerei sind derzeit interessante Arbeiten zu sehen. Nach Absprache unter Telefon 04264/9296 dürfen Besucher in reduzierter Zahl unter Einhaltung der gegebenen Schutzmaßnahmen auch gerne einen Blick in das Atelier am See werfen. Freunde monumentaler Malerei dürfen also gespannt sein, mit welchen Überraschungen Renate Vogel-Stelling in ihrem neuen Bilderzyklus aufwartet.

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