Reeßum: Marco Körner gibt Bürgermeisteramt ab

Julian Loh übernimmt

Marco Körner (links) gibt den Staffelstab an Julian Loh weiter: Letzterer ist nun für die verbleibende Amtsperiode Bürgermeister von Reeßum.
 ©Matthias Daus

Reeßum. Der Wechsel an der politischen Spitze in der Gemeinde Reeßum war unumgänglich. Für den scheidenden Bürgermeister Marco Körner eine Sache, die er mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet. Und für seinen Nachfolger Julian Loh die ideale Gelegenheit, das Amt des Bürgermeisters in all seinen Facetten kennenzulernen.

Auf die Frage, ob er ein weiteres Mal für das Bürgermeisteramt kandidiert hätte, wenn es denn möglich wäre, hat Körner eine eindeutige Antwort: „Ich hatte hier eine sehr schöne, wenn auch manchmal nicht ganz leichte Zeit. Ich möchte nichts davon missen und wäre selbstverständlich noch einmal angetreten, aber leider ist es mir nicht vergönnt“, sagt er. Der Umstand, dass er mit Beginn des neuen Jahres in der Verwaltung der Samtgemeinde seine neue berufliche Heimat gefunden hat, macht es ihm aus verwaltungsrechtlichen Gründen unmöglich, innerhalb einer Mitgliedsgemeinde einen politischen Posten zu bekleiden. So mischt sich unter die Freude auf die neue berufliche Herausforderung auch ein bisschen Wehmut, weil die Möglichkeit, sich für die Gemeinde direkt politisch zu engagieren, nicht mehr gegeben ist.

Und gerade das hatte ihn zunächst im Jahr 2011 dazu bewogen, dem Gemeinderat beizutreten. Damals noch für die Grünen kandidierend, wurde er auch prompt auf einen Sitz im Gremium gewählt. „Ich hatte mich seinerzeit über manche Dinge geärgert, die im Rat beschlossen wurden“, erinnert sich Körner. „Und meine Frau sagte, ich sollte nicht nur meckern, sondern es selbst besser machen.“

Zu diesem Zeitpunkt war Julian Loh schon fünf Jahre Mitglied im Gemeinderat. Er war 2006 mit 18 Jahren eines der jüngsten Ratsmitglieder auf kommunaler Ebene in Niedersachsen. Davor war er bei der Jungen Union seit einigen Jahren Mitglied und wechselte dann in die CDU. In der Zeit von 2011 bis 2016 war er zusammen mit Hartmut Worthmann Stellvertreter des damaligen Bürgermeisters Wilfried Kirchner. Beide galten 2016 als aussichtsreiche Aspiranten für dessen Nachfolge, denn Kirchner hatte rechtzeitig seinen Rücktritt zum Ende der Wahlperiode angekündigt. Worthmann beendete allerdings ebenfalls seine politische Laufbahn und für Julian Loh war es unmöglich, Bürgermeister zu werden, denn sein Job in Hamburg und das damit verbundene Pendeln beanspruchten einfach zu viel Zeit. „Wir standen quasi ohne neuen Kandidaten da“, erinnert sich Körner. „Und wenn wir niemanden hätten benennen können, wäre die Samtgemeindeverwaltung für politische Entscheidungen in der Gemeine zuständig gewesen.“

Eine Art der Fremdbestimmung, die Körner so nicht zulassen wollte, deswegen kandidierte er als neuer Bürgermeister. Allerdings unter der Vorgabe, dass die anfallenden Arbeiten auf mehrere Schultern verteilt werden müssten. Was seinen Angaben zu Folge auch bestens funktionierte, denn es gab einige dieser Schultern, die aktiv mitwirkten. Vielleicht auch deswegen, weil die Mitglieder im Gemeinderat nach einer Satzungsänderung zur letzten Wahl ohne eine Parteizugehörigkeit gewählt wurden – auch für Julian Loh, als Erster Stellvertreter des Bürgermeisters, eine gute Sache. „Es wurde bei Entscheidungen nicht auf das Parteibuch geachtet, sondern auf die Sache selbst“, sagt er. Das könne auch positiv auf die Zusammenarbeit von Bürgermeister und Stellvertreter gewirkt haben.

Die beiden sind seitdem ein eingespieltes Team und beschäftigten sich neben allen großen Projekten, wie zum Beispiel der Dorferneuerung, auch immer wieder damit, die Kommunikation auf verschiedenen Ebenen zu vereinfachen. Sei es durch die Einrichtung einer wöchentlichen Sprechstunde für Bürger im Gemeindebüro, oder aber durch die Entwicklung digitaler Strukturen. Und gerade diese Digitalisierung wird sich besonders für die zukünftige Schnittstellenoptimierung mit der Samtgemeindeverwaltung auszeichnen.

Das ist letztendlich auch der Staffelstab, den der scheidende Bürgermeister an seinen Nachfolger Loh übergeben hat. „Das Thema liegt mir wirklich sehr am Herzen und ich möchte dem zukünftigen Gemeinderat eine möglichst gute Grundlage schaffen. Wir sind in Reeßum schon sehr weit in dieser Thematik vorgedrungen und das wird später von großer Bedeutung sein“, so Loh, dessen Wechsel an die Spitze nicht ganz so aufregend verläuft, wie es bei seinem Vorgänger der Fall war.

Als Körner das Amt des Bürgermeisters übernahm, war das für ihn ein Sprung ins kalte Wasser. „Meine erste Amtshandlung war eine Baubesprechung für das damals entstehende Mehrzweckgebäude in Reeßum. Da ging es um wirklich wichtige Dinge, die ich entscheiden und festlegen musste“, erinnert er sich. Eine Verantwortung, vor der er großen Respekt hatte, die ihn aber auch gleichermaßen reizte. Ein Reiz, der ihm während seiner Amtszeit nicht veloren ging.

Für Loh hingegen sind die kommenden neun Monate eher seichte Gewässer: Er kennt die Abläufe bereits und sieht die kommenden Wochen als eine Art Probezeit, in der er feststellen kann, ob dieses Amt mit seinem Leben vereinbar ist. „Ich das als absoluten Glücksfall. Wem sonst ist es vergönnt, einen derartigen Blick hinter die Kulissen zu bekommen, bevor er sich entscheiden muss, ob er sich für eine ganze Wahlperiode dieser Verantwortung stellen kann und möchte?“, erläutert er. Rund die Hälfte der Zeit hat er sich als Ziel gesetzt, um zu einer endgültigen Entscheidung zu kommen. Dass er sich für die kommenden neun Monate der Aufgabe entsprechend engagiere, sei für ihn allerdings selbstverständlich, so Loh.

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