Rat pro Verkehrsberuhigung in Feld- und Alter Dorfstraße - Von Andreas Schultz

Mehrheit sperrt sich

Neben dem schnellen Autoverkehr ist auch die Zahl der Laster, die in der Alten Dorfstraße unterwegs sind, ein Problem.
 ©Andreas Schultz

Sottrum. Ruhiger soll es werden in der Alten Dorfstraße und in der Feldstraße: Ein entspechendes Maßnahmenpaket hat der Sottrumer Gemeinderat während seiner jüngsten Sitzung angeschoben. Allerdings sind nicht alle Bewohner zufrieden mit dem, was am Ende eines langen Prozesses steht: Vor allem die, die in der Feldstraße leben, dürfte eine Sache wenig erfreuen: Die von ihnen gewünschte Sperrung für den Durchgangsverkehr kommt nicht.

Es herrscht bereits dicke Luft, als Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn das Wort ergreift, um die Ratssitzung zu beginnen. Das Raumklima ist Vorbote für die Stimmung, die sich während der Bürgerfragestunde und in Form von Zwischenrufen während der Diskussionen zeigt. Sottrum ist sonst zurückhaltend, was die Teilnahme von Bürgern an politischen Treffen betrifft, nur zu dieser Sitzung ist der Saal im Rathaus gut gefüllt. Die Verkehrsangelegenheiten der Straßen am westlichen Ortsrand sind für die Anwohner ein Herzensthema. Wortmeldungen machen deutlich: Was auch immer die Gemeinde jetzt anschiebt, schon jetzt dauert es einigen Anwesenden zu lange.

Immer wieder hatten Eltern bemängelt, mit welcher Geschwindigkeit Autos vor ihrer Haustür in Richtung Gewerbegebiet fuhren. Den Kindern schärfe man schon ein, das Grundstück nicht zu verlassen, war hier und dort zu hören. Entsprechend lesen sich die Ergebnisse der von der Gemeinde angestrengten Verkehrsmessungen. Die grobe Zusammenfassung: mehr Verkehrsbewegungen, wenige Fahrer halten sich an die Vorgaben der 30er-Zone. In der Feldstraße sind es bei 6.703 Fahrzeugbewegungen im Messzeitraum immerhin 57 Prozent, die bis in den Toleranzbereich von 35 Stundenkilometer fahren. Der Rest ist schneller – inklusive Ausreißer bis 80 Stundenkilometer.

In der Alten Dorfstraße, die sich durch ihre größtenteils gerade Streckenführung auszeichnet, liegt der Anteil der Temposünder sogar bei 71 Prozent. Ein Raunen geht durch den Saal, als Gemeindedirektor Holger Bahrenburg mitteilt, dass 45 Fahrzeuge im rund zweiwöchigen Messzeitraum schneller als 70 waren, acht sogar schneller als 90 Stundenkilometer.

Die Verwaltung habe aus ihrer Sicht „sachgerechte und vernünftige Lösungen“ für die Probleme, wie der Gemeindedirektor ankündigt. So soll die Beschilderung durch bessere Platzierungen deutlicher machen, welche Geschwindigkeit erlaubt ist. Ähnlich sieht es mit dem Fahrverbot für Lastwagen aus: So soll zum Beispiel am Einmündungsbereich der Alten Dorfstraße beim Gasthaus Röhrs früher klar sein, dass es für sie keinen Zugang gibt, um umständliche Wendemanöver oder „Durchfahrt mit schlechtem Gewissen“ zu unterbinden, so Bahrenburg. Ein Schilderleitsystem könne bereits ab der Autobahn dafür sorgen, dass die Trucker den Weg zu ihrem Zielbetrieb ohne Umwege durch Wohngebiete finden. Außerdem sieht die Verwaltung an ausgesuchter Stelle eine Fahrbahnverengung mithilfe von Leitbarken in der Alten Dorfstraße vor.

Am Ende der Feldstraße Richtung Gewerbegebiet rät sie zur Sperrung mit Fußgängerdurchgang, wodurch für den motorisierten Verkehr eine Sackgasse entstehen würde. Letzteres will die Mehrheit des Rates nicht mittragen. „Zu massiv“, sagt Friederike Paar und spricht damit für das Gros der CDU-Fraktion. Heinz-Wilhelm Oetjen (FDP) ist für andere Maßnahmen, genau wie Marlies Musfeldt (Grüne): „Das wird wieder weniger“, vermutet Letztere mit Blick auf die zwischenzeitlich stark gestiegene Zahl der Fahrzeugbewegungen.

Hans-Jürgen Brandt, Mike Lünsmann und Gerd Helms (alle SPD) sind für die Sperrung – mit „eleganter Lösung, die sich bei Bedarf auch öffnen lässt“, wie Brandt fordert. Helms ärgert sich über das Hin und Her: Auf der Bürgerversammlung zur Verkehrsproblematik sei die Sperrung noch konsensfähig gewesen, im Verwaltungsausschuss hingegen habe der Wind gedreht. Auch Siegfried Gässler (CDU) will sperren lassen – wenn auch testweise erst mal nur für zwei Jahre.

Durchsetzen können sich die Sperrungsbefürworter letztlich allerdings nicht. Im Rahmen der von Oetjen beantragten geheimen Abstimmung (Oetjen: „Nicht alle haben hier so viel Rückgrat wie ich“) ist die Mehrheit bei zehn zu sieben Stimmen gegen die Sackgassenlösung. Stattdessen bekommt die Verwaltung den Auftrag, wie in der Alten Dorfstraße verkehrsberuhigende Maßnahmen umzusetzen.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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