Nordpfade Wanderregion fällt jetzt an der A1 ins Auge - Von Guido Menker

Ein Schild, das über die Schwelle hilft

Ideen, Pläne, Anträge u2013 Udo Fischer wälzt den Ordner zum Thema Autobahnschilder.
 ©Menker

Sottrum – Für Hartmut Leefers ist die Sache sonnenklar: „Die Zeit, in der der Tourismus als Wirtschaftsfaktor im Landkreis Rotenburg keine Rolle gespielt hat, ist bald vorbei.“ Der Vorsitzende des Touristikverbandes Landkreis Rotenburg (Tourow) sieht den Landkreis an der Schwelle dahin, dass dem Fremdenverkehr eben doch auch aus wirtschaftlicher Sicht eine Bedeutung zukommt. Dabei spielen seiner Ansicht nach die 24 Nordpfade eine zentrale Rolle. Und nicht zuletzt deshalb erfolgt die Aufstellung zweier touristischer Schilder an der Autobahn 1 zu einem Zeitpunkt, wie er besser nicht sein kann – nämlich nur wenige Tage, nachdem der Nordpfad „Dör’t Moor“ als schönster Wanderweg Deutschlands ausgezeichnet worden ist.

Eines der beiden Schilder steht direkt an der A1-Raststätte Grundbergsee (Fahrtrichtung Hamburg), das andere in Sittensen (Fahrtrichtung Bremen). „Eine tolle Sache“, findet auch Hans-Jürgen Krahn, stellvertretender Landrat und Bürgermeister der Gemeinde Sottrum. Udo Fischer, Geschäftsführer des Tourow gerät beim Anblick des 3,60 mal 2,40 Meter großen Schildes regelrecht ins Schwärmen: „Sieht das nicht klasse aus?“

Was aber so vermeintlich leicht daher kommt, hat eine lange Vorgeschichte und einen intensiven Prozess hinter sich – von der Idee, überhaupt derartige Schilder an der Autobahn zu platzieren, bis hin zur Antragsstellung und der Umsetzung. Seit zehn Jahren ist der Tourow an diesem Thema dran. Die nagelneuen Nordpfade-Hinweistafeln stehen nach der Zevener Geest (Elsdorf) und dem Landpark Lauenbrück (Sittensen) für das dritte Thema im Landkreis, das es an die A 1 geschafft hat. Das Erlebnisbad Ronolulu sowie der Blaudruck in Scheeßel sind bisher durchgefallen.

Für die Platzierung des neuen Schildes mit der offiziellen Kennziffer 386.3 hatte sich der Tourow mit der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr auseinanderzusetzen. Das Schild dient offiziell der Unterrichtung über „touristisch bedeutsame Ziele“. Dieses Ziel, so Udo Fischer, darf nicht weiter als zehn Kilometer von der Autobahnanschlussstelle entfernt sein, und es darf nur eine hinweisende, aber eben keine wegweisende Funktion erfüllen.

Damit aber nicht genug: Voraussetzung für die Einstufung als „touristisch bedeutsames Ziel“ sind jährliche Besucherzahlen von mehr als 100. 000. Außerdem muss dieses Ziel ganzjährig öffentlich zugänglich und über eine befestigte Straße angebunden sein. Ausreichend Parkraum ist ebenfalls erforderlich.

Alles nicht so leicht also, und daher gibt es bereits seit zwei Jahren eine Arbeitsgruppe, die sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Unter der Federführung des Tourow haben sich die Kommunen entlang der A 1 zusammengetan und Ideen entwickelt. „Das behördliche Abstimmungsprozedere war sehr aufwendig“, sagt Udo Fischer. Da sei es um Statik und Windlast gegangen. Mehrfach waren für die Nordpfadeschilder die Grafiken zu überarbeiten und anzupassen. Fischer: „Wichtig ist, dass die Vorschriften zur Gestaltung eingehalten werden.“ Immerhin ist es gelungen, die Marke „NORDPFADE“ in Versalien auf dem Schild zu platzieren – als zweite Region bundesweit überhaupt.

Hartmut Leefers ist überzeugt davon, dass diese Schilder zusammen mit dem Titel für den Nordpfad „Dör’t Moor“ dem Tourismus im Landkreis über die Schwelle hin zu einem wirtschaftlich bedeutenden Faktor verhelfen werden. „Ja, ich bin wirklich stolz darauf“, sagt er. Hans-Jürgen Krahn nickt zustimmend. Und Udo Fischer ergänzt selbstbewusst: „Es ist uns gelungen, den Landkreis Rotenburg mit seinen 24 Nordpfaden bundesweit als Flachland-Wanderregion zu etablieren.“ Leefers ergänzt, dass die Schilder tatsächlich wichtig sind: Sie rückten täglich dieses touristische Ziel ins Bewusstsein mehrerer 10. 000 Autofahrer. „Die Beifahrer zücken das Handy und schauen nach, was es mit den Nordpfaden auf sich hat. Sie fahren nicht gleich ab, aber sie nehmen diese Information mit nach Hause.“

Wandern, sagt Fischer, ist ein richtig großes Thema geworden – vor allem auch unter jungen Menschen. Darüber hinaus machten die Nordpfade inzwischen bundesweit Schule.

Es gebe immer mehr Anfragen aus unterschiedlichen Regionen, die Ähnliches umsetzen möchten. Kein Problem für den Tourow, dabei behilflich zu sein, denn „wir haben einen großen Vorsprung“. Zugleich haben die Landkreis-Bewohner etwas, womit sie sich erkennbar identifizieren können. Das alles zusammen machten diese zwei Schilder aus, die vermeintlich leicht daherkommen, aber eine jahrelange Vorgeschichte haben.

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