Neues Format: Kulturinitiative Sottrum veranstaltet „Musik bei offener Tür“

Stimmung, Jazz und Solidarität

Triozzic ist eine der beiden Bands, die im Rahmen des "corona-angepasstes Veranstaltungsformats Musik bei offener Tür" zu hören sind. Saxofonist Edwin Bohlmann (links) spricht über die Schwierigkeiten von Planung und Künstlerdasein.
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Hellwege. Kunst und Corona: Sie kommen nur schwer miteinander aus. In Zeiten von Abstandsgeboten, Hygienekonzepten und dem Verbot von Großveranstaltungen gehören Kulturschaffende zu den großen Verlierern. Davon kann Edwin Bohlmann ein Liedchen singen – oder besser spielen. Denn der Hellweger steht nicht nur gern als Saxofonist vor Publikum, er gehört als Orga-Mitglied und Pressesprecher der Kulturinitiative Sottrum auch zu den Strippenziehern im Hintergrund.

„Da wird einem der Sinn des Lebens unter den Füßen weggezogen“, sagt er aus Sicht des Künstlers. Einerseits fehlten die Einkünfte, doch reihenweise ausfallende Veranstaltungen zögen noch viel mehr nach sich: „Da fehlt plötzlich die Rechtfertigung fürs eigene Tun, fürs Künstlerdasein. Das ist auch gesellschaftlich problematisch, denn so bricht auch die Position, die man sonst als Bürger einnimmt, weg“, so Bohlmann. Normalerweise arbeite ein Musiker durchgängig und größtenteils auch unter Verzicht aufs freizeitliche Wochenende. Und unter aktuellen Corona-Bedingungen sei vielfach nichts mehr möglich, wie es noch vor wenigen Monaten gängig gewesen war. „Und wenn man nichts machen kann, entsteht ein Vakuum. Und in dieses Vakuum gehen dann andere. Das ist meine persönliche Befürchtung, wenn es so weitergeht.“

Nach einer Handvoll ausgefallener Events, darunter inzwischen auch das bislang geplante „Drum, Sottrum, Drum“ am 19. September und das Open-Air-Kino am 24. August, setzt die Kulturinitiative nun auf neue Konzepte. „Wir freuen uns, wenn wir am Sonntag, 23. August, ab 17 Uhr mit euch und ‚Musik bei offener Tür‘ mit neuen Möglichkeiten ein corona-angepasstes Veranstaltungsformat umsetzen können“, heißt es im Newsletter der Kulturini.

Sie geht den Weg der Freiluftlösung: Während die Künstler im Heimat- und Kulturhaus am seitlichen Ausgang durch große, weit geöffnete Türen spielen, schaut sich das Publikum ein Doppelkonzert aus Sitzgruppen heraus an. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht und uns war klar, wir stehen da vor einer Herausforderung. Aber es ist nicht unmöglich. Wir wollen das nun einfach mal machen und dann schauen wir weiter, ob die Leute auch kommen und das annehmen“, erklärt Bohlmann den Gedankengang der Organisation. Doch mit Frischluft allein ist kein organisatorisches Allheilmittel produziert. „Wir müssen im Blick haben, wie sich die Leute verhalten. Wir brauchen Ordner, die das Publikum einweisen, wir haben Plakate mit den Corona-Regelungen gedruckt, uns um Laufwege Gedanken gemacht, und vieles mehr“, erläutert Bohlmann.

Zudem hat der Verein bereits eine Reihe großer Bambusstöcke organisiert. Wofür diese bestimmt sind, verrät der Künstler auch gleich: Mit den farblich markierten Stäben markieren Mitglieder Sitzzonen. So ist nach Ende des Konzerts sichergestellt, dass die Gäste in Reihenfolge ihrer farblich markierten Bereiche per Leitsystem das Gelände verlassen, damit kein Gedränge zustande kommt. „Damit das alles funktioniert, muss man sich einiges an Know-how zu legen. Das ist viel Arbeit und mit zeitlichem Aufwand verbunden. Wir brauchten ein Konzept, bei dem die Leute nicht unkontrolliert herumlaufen, es muss ordentlich zugehen, darf aber gleichzeitig nicht zu steril wirken. Und dann soll ja auch noch gute Stimmung aufkommen!“, fasst der Künstler zusammen.

Insgesamt 80 Stühle haben die Veranstalter organisiert, sie rechnen mit 50 Besuchern, doch es dürfen gerne mehr sein: „Wir stellen uns darauf ein, die Sitzverhältnisse anzupassen und machen das Beste draus. Wir hoffen auf Verständnis, und darauf, dass viele mitmachen und nicht einfach zuhause bleiben“, sagt Bohlmann, der das Gesagte auch als Aufruf zur Solidarität mit den Künstlern verstanden wissen möchte. Und letztlich darf sich der Appell auch auf den Griff zur Geldbörse auswirken, wenn während der Veranstaltung für die Künstler schließlich der Hut herumgeht.

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