Naturschutzgebiet Wümmeniederung sorgt für Zorn - Von Antje Holsten-Körner

„Ein Armutszeugnis“

Rechts und links der Wümme, wie hier zwischen Hassendorf und Ahausen, soll nach dem Willen des Landkreises als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden. Foto: Simone Schloen
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Sottrum. Hat der Landkreis nicht mit so viel Widerstand bei der Ausweisung des Naturschutzgebietes „Wümmeniederung mit Rodau, Wiedau und Trochelbach“ gerechnet? Jedenfalls nahm kein Vertreter der Behörde die ausdrückliche Einladung der Samtgemeinde Sottrum zur Sitzung des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses an, um im Rathaus Rede und Antwort zu stehen. Dafür war das Interesse der Bürger, die aus der Zeitung von der Tagesordnung erfahren hatten, umso größer.

Vonseiten der Verwaltung hatte Bauamtsleiter Eckhardt Behrens die ausgewiesenen Bestimmungen durchgearbeitet. Bevor er auf die Einzelheiten einging, fasste er zusammen: „Das ist eindeutig über das Ziel hinausgeschossen.“ Demnach sei, so Behrens, zwar die Unterhaltung der vorhandenen Abwasserbeseitigungsanlagen erlaubt, eine notwendige Neuverlegung aber nur, wenn dies mit einer Bohrung von außerhalb des Naturschutzgebietes möglich wäre. Auch das Verbot, Wasser oder Grundwasser zu entnehmen, wäre alles andere als sinnvoll: „Das gilt nämlich auch für Löschwasser und das kann nicht sein“, verdeutlichte Eckhardt Behrens im Hinblick auf den Brandschutz. Auch brachte er, genauso wie gleich im Anschluss Hans-Jürgen Krahn (CDU), sein Unverständnis zum Ausdruck, warum vom Landkreis keiner an der Sitzung teilnahm.

Von den Mitgliedern des Ausschusses gab es weitere Kritikpunkte. Dazu gehörte die kurze Frist, in der eine Stellungnahme abzugeben ist, genauso wie die Frage, warum nicht die einzelnen Grundstückseigentümer angeschrieben wurden. „Die Art und Weise ist ein Armutszeugnis für die Naturschutzbehörde“, zeigte sich Herbert Cordes (CDU) kämpferisch. Die Ausweisung der Flächen als Naturschutzgebiet sei, führte er weiter aus, ein übertriebener Schutz der vorhandenen Habitate: „So sind die Flächen in Hellwege eine Kulturlandschaft, die teilweise nur aus Schilf besteht, und keine sensiblen Bereiche.“ Besonders in Hellwege würde dies zu vielen Einschränkungen führen, denn durch Einhaltung der Immissionswerte könne es sein, so der Clüversborsteler, dass kein Stall mehr gebaut werden könnte oder es keine Veränderungen bei der Wohnbebauung mehr gäbe. Daher plädierte Cordes für eine Ablehnung oder Änderung in ein Landschaftsschutzgebiet, also ein Gebiet, bei dem nicht alles verboten ist, sondern für das Verbote einzeln formuliert werden. Sauer stößt eine mögliche Ausweisung in ein Naturschutzgebiet ebenfalls bei den Landwirten auf. „Die aktiven Landwirte sind auf die Flächen an der Wümme angewiesen“, betonte Cordes Parteikollege Hermann Rugen. Durch die Umsetzung der Düngeverordnung und der Trockenheit der vergangenen Jahre sieht Rugen die Gefahr einer Futterknappheit. „Wir sollten die Vorlage ablehnen“, so Cordes. Da auch die weiteren Punkte wie die Abwasserleitungen und die Löschwasserentnahme in der Kürze der Zeit nicht mit den Mitgliedsgemeinden abgestimmt werden können, um eine gemeinsame Stellungnahme abzugeben, sollte jetzt eine Fristverlängerung beantragt werden. Bei Ablehnung einer Verlängerung, gaben die Ausschussmitglieder mit einer Enthaltung als Beschlussempfehlung an den anschließend tagenden Samtgemeindeausschuss, sollte die Vorlage abgelehnt werden.

Bei der anschließenden Bürgerfragestunde kochten die Emotionen weiter hoch. „Eine Ausweisung ist bedrohlich, viele Milchviehbetriebe werden ihre Kühe nicht mehr sattkriegen“, warnte Christian Lohmann vom Sottrumer Barkhof. Hinrich Willenbrock kann außerdem nicht verstehen, wie das Gebiet festgelegt wurde. „Das Naturschutzgebiet geht bei uns bis zu vier Meter an das Haus heran, um andere Grundstücke macht es einen Bogen“, sagte der Hellweger.

André Tietjen, ebenfalls aus Hellwege, sieht die Ausweisung sogar als Enteignung an.

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