Nach Veranstaltungs-Aus: Sottrumer solidarisieren sich mit TV - Von Antje Holsten-Körner

Der etwas andere Abendlauf

Hanna und Hans-Adolf Hildebrandt zogen für das Foto die gekauften Shirts noch am Heimathaus über.
 ©Antje Holsten-Körner

Sottrum. 2020 ist einiges anders: Im vergangenen Jahr begrüßte der TV Sottrum beim 25. Abendlauf mehr als 1.250 Läufer. Jetzt hätte die 26. Auflage angestanden, die aber durch die Corona-Pandemie abgesagt werden musste. Das Sport-Event fiel aus, trotzdem lockte ein Aufruf ein paar Besucher am eigentlichen Veranstaltungstag nach Sottrum.

Obwohl die Absage bereits Mitte März erfolgte, war der TV Sottrum zu diesem Zeitpunkt bereits mit 4.500 Euro in Vorkasse gegangen. Dazu gehörten die Kosten für 150 Shirts, bedruckt mit den Daten des Abendlaufes. „Zu dem Zeitpunkt hatten wir 60 Anmeldungen, 20 davon mit Bestellung des Shirts“, berichtete Karin Böschen. Sie war angetan, dass 18 dieser 20 Sportler auch ohne Laufveranstaltung die Bestellung nicht stornierten. „Ein weiterer Teil der Shirts konnte beim Schuhhaus Schlobohm verkauft werden“, erzählte Böschen, für die es der 16. Abendlauf im Orga-Team gewesen wäre. 2004 war sie für ein erkranktes Mitglied eingesprungen. „Es hat schon damals viel Spaß gemacht“, erinnerte sie sich. Daher sagte sie auch nicht „nein“, als sie im Folgejahr wieder ins Boot geholt wurde. Das Engagement hat sie bis heute nicht aufgegeben. Zum Team gehören außerdem Ute Velow-Diekmann, Alexander Hammesfahr und Thomas Patzwald. „Ich hatte heute Pipi in den Augen, dass wir bei so schönem Wetter keinen Abendlauf veranstalten können“, meinte Hammesfahr.

Obwohl das Laufevent nicht stattfand, einen Verkauf der Shirts gab es an dem Abend dennoch. Die Idee dazu stammt von Eric Kruse, Inhaber von Fischers Bauerndiele. „Eine Woche vor dem Abendlauf wurde ich über meinen Kalender an den Termin erinnert“, sagte Kruse, der als ehemaliger Handballer gut vernetzt ist. „Da dachte ich, dass es doch nicht sein kann, dass der Abendlauf so an uns vorbeigeht.“ Daher wurde er selbst aktiv. Nachdem sich der 44-Jährige von der Kommune das „ok“ eingeholt hatte, nahm er Kontakt mit dem Vorstand des TV Sottrum und den Verantwortlichen für den Abendlauf auf. Dort lief Kruse offene Türen ein. Innerhalb weniger Tage war alles organisiert und so stand eine der Holzbuden des Gewerbevereins vor dem Heimathaus, in der das Orga-Team „Das besondere Shirt“ anbot. „Für einen Lauf, der nie stattgefunden hat“, erklärte Ute Velow-Diekmann und ergänzte schmunzelnd: „Das steigt bestimmt im Wert.“

Zahlreiche Sottrumer bekundeten ihre Solidarität mit ihnen, denn der Verkauf lief gut. Zu den Kunden gehörte auch Fenja Ahlenstorf. Obwohl die 16-Jährige Prellball und Reiten – aber nicht Laufen – als ihre Sportarten aufzählt, ist sie seit Jahren beim Abendlauf involviert: Mit Eltern, Brüdern und Großeltern versorgt Fenja die Läufer am Rosenweg mit Wasser. Tatjana Krüger machte sich sogar auf den Weg zum Heimathaus, obwohl sie an dem Tag ihren 32. Geburtstag feierte. Das eigene Portemonnaie brauchte sie aber nicht zu zücken. „Mein Bruder Nicolas hat mir das Shirt geschenkt“, verriet die Handballerin. Auch Hanna und Hans-Adolf Hildebrandt gehörten zu den Käufern. „Ich werde das Shirt in der Muckibude oder bei der Physiotherapie anziehen“, sagte Hans-Adolf Hildebrandt. Trotz seiner 80 Lenze kommt beim ehemaligen Bankleiter keine Langeweile auf. „Ich spiele Golf, gehe auf die Jagd, fahre Motorrad und spiele im Winter Tennis“, so Hildebrandt. Außerdem, ergänzte der Senior, habe er einen 3.500 Quadratmeter großen Garten. Für ein Foto probierte das Ehepaar die dunkelroten Shirts noch vor Ort an. Sie ließen es sich auch nicht nehmen, bei Kruse, der mit seinem Food-Trailer am Heimathaus war, zu bestellen.

Seine Idee ließ auch beim TV Sottrum die Kasse klingeln, denn rund 70 Shirts wurden verkauft, sodass es nur noch einige Exemplare in Größe XS beim Schuhhaus Schlobohm geben wird. „Vielen Dank an die zahlreichen Käufer, die uns damit sehr geholfen haben“, so Karin Böschen.

Ein „dickes Dankeschön“ in Form einer Blume und Süßigkeiten hatte das Team für Kruse. Sehr angetan von der Aktion zeigte sich auch Jörn Leiding, Vorsitzender des TV Sottrum, der ebenfalls mit seiner Familie Shirts am Heimathaus kaufte. „Da unsere Sponsoren wie die Volksbank Wümme-Wieste uns trotz der Absage treu geblieben sind, hat sich das Minus in der Kasse noch weiter reduziert, sodass es unter 1.000 Euro sind“, zog Leiding eine positive Bilanz.

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