Nach Brand: Heimathaus ab Sonntag wieder Teil öffentlichen Lebens - Von Andreas Schultz

„Das ist der Wahnsinn“

Das Heimathaus Sottrum ist für Sottrum so etwas wie der Lebensmittelpunkt der Gemeinde. Ab Sonntag wird das historische Gebäude erstmals nach dem Brand wieder mit Leben gefüllt Foto: Andreas Schultz
 ©Rotenburger Rundschau

Sottrum. Ein eingeschaltetes Gerät, etwas Rauch, ein Feuer und ein Löscheinsatz. Das Ergebnis: ein Schaden von 150.000 Euro. Die Geschichte vom Brand des Heimathauses in Sottrum ist schnell erzählt. Für den Heimatverein folgten Monate der hochgekrämpelten Ärmel, denn die Mitglieder packen bei der Instandsetzung kräftig mit an, sodass es ab Sonntag wieder für Veranstaltungen offen steht kann. Für Hans-Jürgen Krahn, Vorsitzender des Vereins und Bürgermeister der Gemeinde, haben alle Beteiligten das Beste aus der Situation gemacht

Er erinnert sich an seinen ersten Besuch des beschädigten Gebäudes nach dem Brand: „Am Abend des Tages, an dem das Feuer wütete, sollte wohl eine silberne Hochzeit stattfinden. Der Gastwirt hatte schon gedeckt. Nach dem Brand hatte sich Ruß breit gemacht.“ Entsprechend war der Anblick, der sich bei der ersten Begehung bot, von Gegensätzen geprägt: Vorbereitungen auf ein freudiges Fest, die mit Brandspuren ganiert sind. In einem kleinen Nebenraum im Erdgeschoss, direkt neben der Tür, die in Richtung des Spiekers führt, brach das Feuer aus. Es fraß sich über das Gebälk und das Dach in den zweiten Stock. Dort verhinderte eine Brandschutzplatte lang genug das Übergreifen der Flammen auf das Reet, sodass die Feuerwehr noch gerade rechtzeitig löschen konnte. Ohne das schnelle Eingreifen der Wehren hätte das Dach lichterloh gebrannt, erklärt Krahn. Kann man dem Unglücksfall denn trotzdem irgendwie etwas Positives abgewinnen? Der Vereinsvorsitzende erklärt: „Die Versicherung ersetzt die beschädigten Geräte – und zwar so, dass wir technisch gesehen auf dem neuesten Stand sind.“ Energiesparlampen, LED-Technik und die Beleuchtung, die sich die Kulturini immer für Veranstaltungen gewünscht hat; Schiene und Halterung für einen Beamer; Neue Leitungen für Strom und die Lautsprecheranlage. Auch eine Brand- und eine Einbruchmeldeanlage wurden nachgerüstet. „Das hatte die Gemeinde Sottrum sowieso geplant. Wie es halt so kommt...“ Aber auch immateriell haben Sottrums Ortsmittelpunkt und der Heimatverein Werte gewonnen: „Das ist für die Menschen und die Vereine, die es nutzen, ein prägendes Gebäude. Wir haben gelernt, dass es auch hier Regeln braucht. Zum Beispiel kann nicht jeder hier mit seinem eigenen Kühlschrank einziehen, da müssen gewisse Standards erfüllt werden.“ Alle Beteiligten haben Glück gehabt und die Leute haben Großes geleistet, meint Krahn. Gemeint sind die Helfer, die dafür gesorgt haben, dass von dem Brand im Inneren des Hauses absolut keine Spuren mehr wahrnehmbar sind. Da sind zum einen diejenigen, die dabei geholfen haben, historische Geräte, Möbel und Ausstellungsstücke aus dem Gebäude zu schaffen, zu reinigen, zwischenzulagern, und nach den Bauarbeiten wieder an ihren Platz zu bringen. Besonders lobt Krahn die Tätigkeit des ehemaligen Vorsitzenden Erich Schnakenberg. Dieser hat die Tätigkeiten der Freiwilligen koordiniert, die größtenteils Mitglieder des Heimatvereins sind und kräftig mit angepackt haben. Aber der Dank des Bürgermeisters gilt auch Holger Bahrenburg und Nils Bammann, die für die reibungslose Abwicklung mit der Versicherung gesorgt haben, den Brandschützern, die schnell und besonnen gearbeitet haben. Und auch die Spezialfirma, die das Gebäude entkernt, Balken gereinigt sowie Decken und Böden entfernt, mit Kalteis auf Vordermann gebracht und wieder eingebaut hat, kommt gut bei ihm weg. „Das war ein ätzender Geruch wie in einer Räucherei, überall war der Ruß. Und jetzt riecht und sieht man davon überhaupt nichts mehr“, so der Vereinsvorsitzende. „Das ist der Wahnsinn.“ Etwa 150.000 Euro war nicht nur die Schätzung der Feuerwehr zum entstandenen Schaden, sondern auch der tatsächliche Betrag, den es kostete, das Heimathaus wieder herzustellen. Nicht mit eingerechnet sind die Arbeitsstunden, die die freiwilligen Helfer ins das Schleppen, Reinigen und Co. investiert haben. Krahn erklärt: „Das lässt sich nicht in einen Wert fassen. Genauso wenig wie der Wert des beschädigten Interieurs.“ Er führt weiter aus: „Da spielt das Ideelle eine große Rolle. So ein Teller kostet in der Neuanschaffung zehn Cent. Aber der historische Porzellanteller von Fritz Müller ist unbezahlbar. Das kann eine Versicherung aber nicht berücksichtigen.“ Der Heimatverein macht die Not zur Tugend. Dass fast die komplette Einrichtung einmal heraus und wieder herein geschafft wurde, wollen die Mitglieder nutzen, um die Ausstellung im ersten Stock neu einzurichten. Die Besucher dürfen gespannt sein. Für Krahn jedenfalls ist klar: „Die Bürger sind willkommen, sich das Gebäude anzusehen“. Wenn der Verein am Sonntag im kleinen Kreis mit Feuerwehr- und Gemeindevertretern im Heimatverein seinen Neujahrsempfang feiert, ist das so etwas wie eine kleine Neueinweihung: Es ist die erste offizielle Veranstaltung nach dem Brand. Bleibt zu hoffen, dass die Feiernden bei der stimmungsvollen Beleuchtung Vorsicht walten lassen und die Lichterkette der Wachskerze vorziehen.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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 andreas.schultz@rotenburger-rundschau.de

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