„Mit Taten zu Salaten“ / Folge vier: Wetterwechselschwäche - Von Andreas Schultz

Drei Kürbisse in Tipis

Angeschlagen unterm Dreibein: Der Kürbis hatte es bedingt durch das Wetter und den Wechsel von der Küche ins Freie nicht leicht.
 ©Andreas Schultz

Bötersen. Kleines Gedankenexperiment: Stellen Sie sich einmal vor, Sie wären Petrus und müssten das Wetter verantworten. Dem Otto-Normalverbraucher können Sie es einfach nicht recht machen, weil er sowohl bei Regen als auch bei Sonnenschein meckert und sich grundsätzlich unangepasst kleidet. Der Freizeitgärtner ist ein besonderes Kaliber: Der ist bei wenig Regen niedergeschlagen und bei andauerndem Sonnenschein trocknet ihm die Kehle aus, weil er laufend Beschwerden sabbelt. Das frustriert doch auf Dauer, oder? Würden Sie als Wettermann nicht einfach den Stöpsel aus der Wolke ziehen und auf dankbare Abnehmer nach der Sintflut hoffen?

Und so ein wenig tut mir Petrus bei dieser Gemengelage ja auch leid, aber kritisch anmerken muss ich trotzdem: Der gesunde Mix macht’s. Gerade der stellt sich aber nicht ein. Aus mir unbekannten Gründen knallt der große Gasball immer dann ungehindert Photonen und Lichtwellen auf unser Beet, wenn wir gerade mal wieder Vorgezogenes ausgesetzt haben. Nachdem vor ein paar Wochen die roten Salate und der Kohlrabi dran waren und direkt trockene Sonnentage abbekamen – beides hat es gerade so überlebt – waren nun Zucchini und Kürbis dran. In weiser Voraussicht hatten wir gleich jeweils drei Pflanzen erst in Eierkartons und dann in Blumentöpfen gezüchtet. Niemand kann alles allein essen oder verarbeiten, was alle Pflanzen an Früchten abwerfen, sollten sie sich gut entwickeln. Aber darum müssen wir uns wohl keine Gedanken mehr machen. Zwei der drei Zucchini-Pflanzen machen jetzt schon den Eindruck, als hätten sie aufgegeben. Und die Kürbisse schauen etwas aus wie kriegsversehrte Wikinger, die sich mit reicher Beute aus groß angelegtem Brandschatzen ein paar erholsame Monate auf einer Südseeinsel gegönnet haben: sonnenverbrannt, vernarbt, aber glücklich. Jetzt warten wir gespannt ab, ob sich Z und K, so die Kennzeichnungen auf den Blumenkübeln, erholen.

Wäre schade, wenn nicht. Immerhin haben wir uns die Mühe gemacht, „Tipis“ zu bauen. Da sowohl Kürbis und Zucchini sich in der Fläche stark ausbreiten, wollten wir mal eine dreidimensionale Herangehensweise probieren. Also: Pflanze ins Loch, drei lange Äste zu einem Dreibein zusammengebunden, über das Grün gesetzt und mit Bast spieralförmig die Beine umwickelt. So sollte den Pflanzen die Möglichkeit gegeben werden, im Kreis ums Bindwerk in die Höhe zu wachsen.

Sollten Z und K es einfach nicht packen, könnten wir ja noch auf anderes rankendes Grün setzen. Dann fallen Kürbisbrot und -suppe, auf die ich mich schon besonders gefreut hatte, zwar weg. Aber immerhin nutzen die Tipis dann noch was. Und wenn nicht, setzen wir halt kleine Indianerfiguren in die Tetraeder und tun so, als wäre das von Beginn an der Plan gewesen. Vielleicht gefällt das ja auch dem Petrus.

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