Mit Taten zu Salaten / Folge neun: Erntezeit ist Knollenzeit

Die Kartoffellist

Schon im frühen Morgenlicht strahlt das Gelb der Sonnenblumen über den Saisongarten Bötersen.
 ©Solte

Bötersen. Friedrich II. hatte 1756 so seine Mühen: Preußen hungerte. Der Herrscher sah in der Kartoffel eine Möglichkeit, dieses Leiden zu beenden. Aber wie das nun mal so ist: „Wat de Bur nich kennt, dat frett he nich.“ Selbst die sogenannten Kartoffelbefehle wollten den gewünschten Erfolg nicht bringen. Also behalf sich Friedrich einer Legende zufolge mit einem Trick: Er ließ auf seinen Gütern Kartoffeln pflanzen und die vermeintlich wertvollen Knollen von Wachen umstellen.

Lecker? Ja. Aber wertvoll? Wir haben jedenfalls niemanden, der unsere Kartoffelpflanzen nachts vor fremdem Zugriff bewacht. Und auch von den Rundschau-Lesern, die auf unseren Fotoaufruf reagierten und Bilder von ihrer Ernte schickten, scheint keiner Wachen zu beschäftigen. Kurz kommt mir der Gedanke, einen Mops anzuschaffen. Selbst irgendwie kartoffelförmig, dürfte die Rasse sich ja unter anderen Knollen wohlfühlen und sie bis aufs Blut gegen Diebe und Insekten verteidigen. Oder?

Natürlich nicht. Ein solcher Wacheinsatz würde wohl damals wie heute nichts bringen. Die Geschichte um Friedrichs Kartoffeln ging auch anders aus: Neugierig gewordene Bauern sollen nämlich von seinen Ländereien Kartoffeln für den Anbau auf dem eigenen Feld gestohlen haben. Die Wachen schauten weg, weil dazu angehalten. Und so fasste die Kartoffel Fuß in Preußen – eine Erfolgsgeschichte, die mir mein historisch bewanderter Vater hin und wieder gern erzählte.

Die wenig erfolgreichen preußischen Kartoffelbefehle sind historisch verbürgt: Es gibt Nachweise, Dokumente. Spuren für die List deuten allerdings eher in Richtung Frankreich: Augustin Parmentier soll sich in einem ähnlichen Zeitfenster eines solchen Tricks bedient haben.

So oder so: Die Knolle schmeckt frittiert, gebacken, gekocht, als Suppe und ist einfach zu ernten. Das weiß auch der junge Gartenprofi Eilert, der direkt mal vormacht, wie man zu Kartoffeln kommt (siehe oben). Die Knollen lassen sich mit einer Forke aus dem Boden lösen, nachdem die überirdischen Pflanzenreste entfernt sind. Wir werden uns diesen Kniff für unsere eigenen Kartoffelpflanzen merken. Die ersten Erdäpfel haben wir schon geerntet und direkt zu Ofengemüse weiterverarbeitet. Wir hatten entgegen vielfacher Empfehlung keine Erde über die Sprossen gehäuft und kamen so zu Knollen, die wir beinahe direkt von der Oberfläche ernten konnten, bevor sie grün anliefen. Eigentlich praktisch. So hat wohl jedes Vorgehen seine Vor- und Nachteile.

Die zurückliegende Invasion der Kartoffelkäfer haben die Pflanzen übrigens gut verkraftet. Dass einige der Knollen eine blaue Färbung haben, die auch ihr Inneres betrifft, hängt schlicht mit der Sorte zusammen. Wir gehen davon aus, dass es sich um Vitelotten handelt: eine Kreuzung alter peruanischer Sorten. Sie schmecken eindeutig kartoffelig, aber erdiger als die von uns gewohnten Knollen. Geschmacklich wertvoll quasi. Vielleicht sollten wir doch jemanden zum Wachdienst abstellen...

Über die Autoren

Als Petra und Hermann Solte Anfang März mit der Idee eines Saisongartens in Bötersen an die Öffentlichkeit gingen, waren Rosemarie Swingle und Andreas Schultz sofort Feuer und Flamme für die Vision eines „eigenen“ Stück Landes für die Gemüseproduktion. Die Herausforderung: Keiner von beiden hat viel Erfahrung mit Bewirtschaftung einer – wenn auch kleinen – Ackerfläche. Da er hauptberuflich für die Rundschau schreibt, und sie das neben dem Studium tut, berichten beide nun abwechselnd in dieser Gartenkolumne über die Lichtblicke und Fallstricke der teils erdigen Grünpflegearbeiten. Das Ziel ist klar: Rosemarie und Andreas wollen „mit Taten zu Salaten“ kommen.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
 04261 / 72 -434
 andreas.schultz@rotenburger-rundschau.de

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