„Mit Taten zu Salaten“, Folge 3: Regen, Spinat und die Zukunft - von Rosemarie Swingle

Prognosen „des Grauens“

Sieht nach viel aus, wird aber nach kurzer Zeit in Topf oder Pfanne relativ übersichtlich: Spinat.
 ©Rosemarie Swingle

Von Rosemarie Swingle
Bötersen. Wasser prallt gegen die Fensterscheibe. Das Ergebnis ist ein deutlich vernehmbares Plätschern. Dieses beruhigende Geräusch war in diesem Frühling bislang recht selten zu hören und trotzdem hat es schon für die erste Ernte Blattspinat gereicht. Pflanzen – auch die im Saisongarten – bekommen Wasser, Flüsse füllen sich, das Grundwasser steigt. Eigentlich eine beruhigende Perspektive – wäre da nicht diese blöde Langzeitprognose, die von den Worten „Trockenheit“ und „Dürre“ geprägt ist.

Beim Lesen etlicher Artikel muss ich an unseren Garten denken, meine Fantasie zeigt mir Bilder von am Boden liegenden gelben, braunen und verdorrten Stielen und Blättern, die jetzt in der Realität noch klein und grün sind. Das Wasserfass, das immer zwischen unseren Parzellen steht, wird in diesem Traum immer fast leer sein, und Familie Solte wird noch mal so viel Arbeit mit dem Befüllen des Fasses haben, noch mehr als jetzt schon ...
Aber was bringt es, den Teufel an die Wand zu malen? Im Moment gibt es nur Prognosen: zum Beispiel von erhöhtem Unwetterpotenzial. Kühlere Luftmassen sollen in Etappen nach Deutschland gelangen und dort für einen unbeständigen und wenig sommerlich anmutenden Wettercharakter sorgen.
Vielleicht bekommen wir ja auch eine Schafskälte? Der Termin dafür ist Donnerstag, der 11. Juni. Generell ist bei einer Schafskälte ein Zeitraum zwischen dem 4. Juni und dem 20. Juni realistisch. Rund um dieses Datum kann mit einem Kälteeinbruch in Mitteleuropa gerechnet werden. Es soll allerdings dieses Jahr eher nicht danach aussehen, denn für das Wochenende rund um den 11. Juni sind hohe Temperaturen angesagt.
Die Schafskälte wird größtenteils durch den Unterschied zwischen der Land- und der Meerwassererwärmung verursacht. Dabei wird meist ihre kalte Luft von West bis Nordwest durch ein Tiefdruckgebiet über Europa herbeigeführt. Auf eine Schafskälte ist also eher nicht zu hoffen. Dafür macht im Netz das boulevardeske Schlagwort „Horrorsommer“ die Runde, ein News-Portal zitiert einen Meteorologen sogar mit den Worten „Vorhersage des Grauens“.
„Die Weltwetterorganisation (WMO) warnt aktuell vor einem Hitzesommer enormem Ausmaßes“, heißt es da, und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstreicht die Hitzewarnung der „WMO“ für 2020. Wir müssten uns auf einen langen, heißen Sommer vorbereiten, so die WHO. Und wie es im Boulevard manchmal so ist, wird die „Schockprognose“ im Laufe des Artikels durch die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes wieder relativiert und es heißt: Für den Sommer 2020 gebe es noch keine „hinreichend langen Modell-Vorhersagen“. Willi von „Willi wills wissen“ würde jetzt sagen: „Ich wills noch immer wissen, aber kann ich wirklich wissen, wie das Wetter wohl werden wird?“
Ich schaue mir die Bilder von unserem frischen Spinat an. Gesichtsgroße Blätter reiften nahezu unbemerkt, erst beim Ernten fielen die Ausmaße auf – und wir waren nicht die Einzigen im Garten, die sich mit ähnlichen Ergebnissen eine herrliche Mahlzeit gegönnt haben, wenngleich die Blättermasse im Pott ziemlich zusammendampft. Das zeigen die Speise- und Erntebilder, die im Garten-Chat die Runde machen. In der ganzen Wetterpanikmache wirken sie fast so gut wie das Lauschen auf den Regen.

Über die Autoren

Als Petra und Hermann Solte 2019 mit der Idee eines Saisongartens in Bötersen an die Öffentlichkeit gingen, waren Rosemarie Swingle und Andreas Schultz sofort Feuer und Flamme für die Vision eines „eigenen“ Stück Landes für die Gemüseproduktion. Die Herausforderung: Keiner von beiden hat viel Erfahrung mit Bewirtschaftung einer Ackerfläche. Da er hauptberuflich für die Rundschau schreibt, und sie das neben dem Studium tut, berichten beide nun abwechselnd in dieser Gartenkolumne über die Lichtblicke und Fallstricke der teils erdigen Grünpflegearbeiten. Das Ziel ist klar: Rosemarie und Andreas wollen auch 2020 wieder „mit Taten zu Salaten“ kommen.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
 04261 / 72 -434
 andreas.schultz@rotenburger-rundschau.de

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