Mäher mit mehr PS: Schrauber zeigen Zug- und Rennleistung - Von Rosemarie Swingle

Vom Rasen zum Rasen

Schafft der aufgemotzte Rasenmäher es mit dem Bremswagen ins Ziel?
 ©Rosemarie Swingle

Stapel. „Die kleinen Motoren können richtig laut werden“ und „Sieh dir die Furche an!“: Den Gesprächsfetzen, die aus dem Publikum des großen Rasenmäherrennens in Stapel drängen, schwingen Verwunderung und Respekt mit. Was aus den unscheinbaren Geräten herauszukitzeln ist – für viele schwer zu fassen. Die Kenner aus dem Organisatoren-Team holen Staunende aber auch gern wieder zurück auf den Boden der Tatsachen: „Einige sind nicht mehr wirklich Rasenmäher“, sagt einer von ihnen.

Vor dem Wettbewerb finden sich alle Teilnehmer erst mal zum freien Training auf dem Acker ein, um ihren eigenen „Trecker“ auf die Strecke zu justieren. „Wir müssen gucken, dass wir nicht zu viel Motoröl verbrennen“, sagt einer der jugendlichen Schrauber. „Papa sollen wir eigentlich noch Luft ablassen?“, ist eine Frage, die der rennbegeisterte Nachwuchs in einer anderen Ecke hat. Ihre Worte sind im Knallen und Blubbern der Motoren nur schwer zu hören.

Die Jüngeren dürfen sich zuerst mit ihren Geräten auf dem Acker austoben, erst später folgen die Erwachsen. Einige dürfen aber auch vorerst gar nicht mitmischen. „Wann darf ich endlich fahren ?“, fragt ein kleiner Junge ungeduldig seinen Vater beim Anblick der an ihm vorbeiknatternden Maschinen. Im nächsten Jahr, verspricht sein Vater. Mit sieben Jahren sei der Kleine noch zu jung für die Teilnahme.

Auf dem Acker in Stapel tummeln sich mittlerweile Besucher und Rennfahrer mit ihren Maschinen. Zum sechsten Mal hatten die Organisatoren eingeladen und die Besucher kamen, genossen nicht nur den Geruch verbrannten Kraftstoffs, sondern auch den aus den Lautsprechern tönenenden Punk Rock sowie Brutzelndes vom Grill in der in Scheune.

Die umfunktionierten Gartengeräte stehen in einer Reihe neben der Rennbahn. Das Mähwerk würde beim Ackereinsatz stören, also haben die Bastler es ausgebaut. Es ist die Metamorphose von der Kuh zum Rennpferd, umgesetzt durch Väter und ihre Kinder, in der Garage nach Lust und Laune bastelnd. Ein paar neue Reifen, vielleicht ein anderer Sitz, und das Allerwichtigste: Die PS-Zahl wird hochgeschraubt.

Im Gehäuse des Mähers scheinen der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Was dabei herauskommt, wird auf dem Acker getestet. So beobachteten Zuschauer, wie teils sonderbare Mutanten in der Kategorie Geschwindigkeit mit Gebrüll über eine Rennstrecke von 100 Metern ruckelten. Unter den elf Teilnehmern befanden sich ein- bis vierzylindrige Motoren mit einer PS-Zahl von acht bis 20. Die Rennfahrer haben teilweise einen weiten Weg mit Rasenmäher und Anhänger im Schlepptau hinter sich, der mit dem wohl weitesten Weg kommt aus Visselhövede.

Fahrer brauchen die richtige Technik, starke Nerven, ein gutes Verständnis für das Gelände und den Motor sowie eine gute Portion Humor. Auch Stefan Adam verfügt darüber. Der Mitgründer und Mitorganisator der Veranstaltung spricht beim Rückblick auf die ersten Züge lachend von einer „Schnapsidee“, die letztlich aber doch gelebte Tradition wurde. Adam entwickelte den Bremswagen nach dem Vorbild des Tractor-Pulling, was seinen Ursprung in den USA hat. Das ist ein Motorsport, bei dem ein mit Gewichten beladener Untersatz mit einem Zugfahrzeug möglichst weit geschleppt werden muss. Ähnlich verläuft die zweite Disziplin des Stapeler Renntages in der Kategorie Stärke. Der Bremswagen ist ein kleiner Pflug, dessen Räder so verstellbar sind, dass der Wagen mal rollt und mal bremst. Der Schlitten wird hinten an dem Rasenmäher festgemacht und mit einem Gewicht von 40 Kilo beladen. Diese müssen Maschine und Fahrer 50 Meter weit schleppen. Ins Ziel zu kommen, bedeutet einen „Full Pull“. Damit schafft er die erste Runde und qualifiziert sich für einen zweiten Durchgang, bei dem das Gewicht auf das doppelte erhöht wird. Wer das meiste Gewicht die längste Strecke zieht, ist der Gewinner.

Preisgelder gibt es bei den Stapelern nicht, auch kein Startgeld, denn der Spaß an der Sache soll erhalten bleiben. „Manchmal schimmert auch der Ehrgeiz durch“, sagt Adam. Der Gewinner kann sich des kräftigsten Rasenmähers in der Gegend rühmen und bekommt eine Urkunde. Die Verlierer schrauben und basteln noch fleißiger an ihren Motoren, um im nächsten Jahr wieder anzutreten und es dann besser zu machen.

„Ich weiß, was voll fies wäre. Einer mit Gewicht und einer ohne. Oder einer, der viel kann gegen einen, der nichts kann“, sagt der kleine Junge zu seinem Papa. Vielleicht wandelt sich gerade sein Rennfahrer- zu einem Schiedsrichter-Traum. Was daraus wird, zeigt sich wohl nächstes Jahr, auf dem wilden Acker in Stapel.

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