„Kra Kra Krabat“ begeistert Publikum an der Wassermühle - Von Rosemarie Swingle

Krähen und Magie

In der Osternacht verspricht Krabat (Jussi Deinas, vorne rechts) Kantorka (Rena Huthmann, vorne rechts) ein Wiedersehen in der Silvesternacht - eine Verabredung mit Folgen.
 ©Rosemarie Swingle

Stuckenborstel. Zwei Tage lang war die Stuckenborsteler Mühle bei Anbruch der Dunkelheit von Müllerburschen bewohnt, die sich in Raben verwandelten. Das historische Gebäude war Kulisse einer märchenhaften Liebesgeschichte, denn die Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg, die Rotenburger Werke, der Dorfverein, der Mühlenverein und die Kulturinitiative packten alle mit an, um dort eine lebendige Inszenierung von „Krabat“ zu realisieren: Kra Kra Krabat.

Regisseur Hans Joachim Reich, der das Stück mit seiner Frau Christiane Reich-Ludwig inszenierte, kennt die Mühle seit er in Stuckenborstel lebt und hat die Idee für die Umsetzung an der Wassermühle 30 Jahre lang reifen lassen. Und nun wurde die Brücke, neben der sich das Mühlrad drehte, zweimal rund 70 Minuten zur Bühne.

Nasse Bretter, die die Welt bedeuten, denn am zweiten Aufführungstag schüttete es gewaltig. Das Publikum war durch das große, bunte Zelt der Kulturinitiatve vor Nässe und ein wenig auch vor Kälte geschützt. In der ersten Reihe saßen Kinder unter Regenschirmen.

Über Luxus wie diesen verfügten die Schauspieler nicht, sie ließen sich vom Niederschlag aber auch nicht aus dem Konzept bringen, sondern bauten den Regen stattdessen in ihr Spektakel ein: „Es ist das beste Wetter, um so eine Geschichte zu erzählen“, sagt die Erzählerin zu Beginn des Stückes. Stimmt. Der Roman „Krabat“ von Otfried Preußler ist von einer geheimnisvoller Stimmung durchzogen – was passt dort besser als Regen und Düsternis?

Zu Anfang bezauberte die tänzerische Darstellung vom Kneten des Brotteigs bis zum Backen eines Laibes die Zuschauer. Das Stück überzeugte mit den choreographischen Szenen und dem Einsatz von Stimmengewirr und einzelnen gesprochenen Sätzen für das Setting sowie die Einleitung und Umsetzung der Szenen.

Für Musik und ein wenig Gesang sorgten Karin Christoph und Reinhard Röhrs an Violine und Kontrabass: Sie setzten ihre Instrumente ein, um das Geschehen durch Geräusche greifbarer zu machen – mal humorvoll, mal zum Gruseln. Als die Müllerburschen sich beispielsweise in Schweine verwandelten, untermalten Striche über die tiefe Saite des Kontrabasses das Grunzen der Stimmen. Musikalische Stücke spielten die Künstler zwischen den Segmenten des Stücks: Melodien, die mit leisem Gesang eine traurig melancholische Stimmung verbreiteten, und dann eine ernste Tango-Melodie.

Verschiedenfarbiges Licht und Fackeln hüllten die Szenen in Stimmung. Kurze Mono- und Dialoge sowie szenisch-atmosphärische Bilder berichten von der wundersamen Lehre Krabats, gerahmt von Erläuterungen der Erzählerin: All dies reichte, um ein auch mit wenig Text eine wundervolle Inszenierung ins Leben zu rufen.

Die Schauspieler der Rotenburger Werke bedurften zwar teilweise etwas Anleitung durch Studenten der Hochschule, glänzten aber nichtsdestotrotz durch robustes Spiel. So gelingt es auch am Ende, dass Kantorka (Rena Huthmann) den verwandelten Müllerlehrling Krabat (Jussi Deinas) unter den anderen Krähen erkennt und so aus seinem Bann befreit.

Liebe und Mut siegen über das Böse, der Regen lässt nach und das Plätschern verstummt gegenüber dem lauten Applaus des Publikums.

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