Katharina Jäger hält seit Corona-Zeiten acht Hühner - VON NINA BAUCKE

Hermine ist die Chefin

Katharina Jäger mit Minze: "Ich wollte schon immer Hühner haben", sagt die Stuckenborstelerin. Foto: Baucke
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Stuckenborstel – Sie heißen Minze, Mimi, Pummel, Hanna-Marone, Kleeblatt, Pünktchen, Miriam und Hermine. Wobei Letztere sich gerne als Chefin der Hühner-WG aufführt. Die acht Hennen leben, picken und gackern im Garten von Katharina Jäger und ihrer Familie in Stuckenborstel. „Das ist hier alles ein bisschen wie Bullerbü“, erklärt die 36-Jährige mit einem Lachen. Und es ist die Erfüllung eines lang gehegten Traumes.

„Ich wollte schon viele Jahre lang Hühner haben, seitdem wir 2013 von Achim hierher nach Stuckenborstel gezogen sind. Aber erst im Lockdown hatten wir endlich die Zeit, uns darüber Gedanken zu machen.“ Und bei Ebay-Kleinanzeigen nach einem passenden Stall Ausschau zu halten. Die Beute: Ein kleines, blau-grau angepinseltes Kinderspielhaus aus Holz, das jetzt inmitten eines Geheges steht. Innendrin haben es Jäger und ihr Lebensgefährte mit Hühnerleiter und Nistmöglichkeiten ausgestattet. „Es sollte ja auch hübsch aussehen.“

Blausperber, Sussex, Lohmann-Huhn, Schwedisches Blumenhuhn und Italiener Huhn heißen die Rassen, die in den Garten der Familie eingezogen sind. Eines für jeden – für die fünf Kinder, ihren Lebensgefährten und Jäger selbst, plus eines ohne festen „Besitzer“. „Hühner sind immer in Pärchen unterwegs“, weiß Jäger. Was für sie wichtig ist: „Es sind unsere Haustiere, vor allem für die Kinder. Von daher ist es für uns überhaupt kein Thema, sie irgendwann zu schlachten.“ Auch Eier waren nicht der Grund, die Hühner anzuschaffen, „aber wir nehmen sie gerne mit“, erklärt Jäger und lacht. Ein paar verschenkt sie an Freunde und Verwandte, sie selbst nutzt die Eier gerne zum Backen. „Jeden Tag finden wir mindestens vier in den Nestern.“ Im Gegensatz zu Hunden verhält es sich mit Hühnern wie mit Katzen oder Kaninchen: „Anmelden muss man sie bei der Gemeinde nicht“, sagt Kerstin Wendt, Erste Samtgemeinderätin. „Natürlich ist es was anderes, wenn man sich so viele Hühner anschafft, für die man ein größeres Stallgebäude braucht: Das ist dann eine baurechtliche Frage. Aber bei nur ein paar Hühnern passiert gar nichts.“ Schwierig sei es, wenn die Belästigung durch die Tiere steigt, beispielsweise, wenn ein Hahn in einem Wohngebiet kräht, so Wendt. „Das kann dann natürlich in Richtung Ruhestörung gehen, aber das müsste dann zivilrechtlich geklärt werden.“ Ein Hahn ist nicht in den Garten von Katharina Jäger und ihrer Familie eingezogen. „Genau aus diesem Grund“, sagt sie. „Mit Hennen gibt es da weniger Probleme.“ Vor der Anschaffung der Tiere hat sich die Stuckenborstelerin schlau gelesen – und nicht nur sie: „Die Nachfrage nach Büchern zum Thema Hühnerhaltung ist in den vergangenen Monaten definitiv gestiegen“, sagt Anja Thiede von der Sottrumer Bücherei. „Da haben wir einiges an Literatur angeschafft.“ Jäger weiß nun, wie die Hühner am besten gehalten werden und was ansonsten nötig ist. So haben der Stall und das Gehege ihren Platz unter einem Baum bekommen. „Da haben die Hühner Schatten und Schutz vor Flugfeinden“, so Jäger. Das Gehege wiederum ist mit Kükendraht gesichert, um Raubtiere wie Marder abzuhalten. Auch die Stalltür wird zur Nacht hin verschlossen. „Wir wollten, dass die Hühner sicher sind, aber darüber hinaus speichert der Stall gut Wärme: Auch bei sinkenden Temperaturen ist es morgens im Stall noch sehr warm.“ Unter dem Häuschen legten sie zudem ein Fundament aus Stein, „denn Hühner mögen keine nassen Füße“. Jeden morgen öffnet sich gegen 6.30 Uhr die Stalltür, meistens übernimmt das ihr Nachbar Hans-Richard Buthmann. „Und abends gehen sie oft ganz von alleine wieder in den Stall, da brauchen wir nur noch irgendwann die Tür zu versperren.“ Sowohl Katharina Jäger als auch ihr Lebensgefährte sind berufstätig, „aber das ist trotzdem super machbar.“ Ist sie zu Hause, lässt sie die Vögel auch mal frei durch den Garten laufen, „denn wir wohnen hier auf einer alten Hofstelle und haben diese große Fläche. Da bietet sich das einfach an“, ist sie überzeugt. Zu fressen gibt es Küchenabfälle, die früher auf dem Kompost gelandet wären, „dazu streuen wir ein Legemehl aus“. Wenn sich Katharina Jäger mit einem Kaffee auf eine Gartenbank setzt und das Schauspiel, das Hermine & Co. bieten, beobachtet, ist das für sie Entspannung. „Und ich lerne von den Hühnern unglaublich viel über gesellschaftliche Strukturen“, findet sie. Bestes Beispiel sind Minze, Mimi und Pummel. Als Nachzügler sind sie erst später zu der gefiederten Clique gestoßen und mittlerweile im besten Hühner-Teenie-Alter. Da bleibt Stress nicht aus: „Die werden immer noch ein bisschen von Hermine und den anderen gemobbt. Deswegen ist das Gehege auch rund, kein Huhn kann ein anderes in die Ecke drängen.“ Offenbar sind Hühner auch nur Menschen.

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