Juniorwahl: Sottrumer Gymnasiasten lernen Demokratie

Gelernter Kreuzgang

Der Stimmzettel kommt in die Urne: Nur die Spitze des Eisbergs dessen, was die Schüler des Gymnasiums im Rahmen des Projekts "Juniorwahl" lernten.
 ©Andreas Schultz

Sottrum (as). Briefwahl: Nicht nötig. Das Wahllokal hat immerhin ganze fünf Tage geöffnet. Da wird sich wohl eine Gelegenheit zum Urnengang finden, oder? Diesen Luxus genießen die Schüler des Sottrumer Gymnasiums, wenn sie Parteien und Bundestagskandidaten ihre Stimme geben. Das Ergebnis der deutschlandweiten Wahl am 24. September beeinflussen die blauen Sottrumer Miniaturstimmzettel allerdings nicht, denn die Schule mischt lediglich bei der Juniorwahl mit.

Diese ist ein handlungsorientiertes Konzept zur politischen Bildung, welches das Erleben und Erlernen von Demokratie ermöglichen und auf die zukünftige politische Partizipation junger Menschen vorbereiten möchte“, heißt es auf der Webseite des Vereins Kumulus. Im Klartext heißt das unter anderem: Schüler üben wählen. Die Politiklehrer der Sottrumer Einrichtung haben das bundesweit laufende Projekt in den Wiesteort geholt und rund 220 Schüler der Jahrgangsstufen zehn und aufwärts sind dabei. „Wahlberechtigt“ sind damit die 14- bis 18-jährigen Jugendlichen – und damit auch „richtige Erstwähler“, wie Politiklehrer Mathes Paulus feststellt.

Bei ihm laufen vor Ort die Fäden zusammen, die Arbeit – Wahlscheine ausgeben, die Aktionen auf eigens eingerichteten Kanälen auf Snapchat und Instagram bewerben, den Urnengang als Wahlhelfer betreuen – übernehmen allerdings die Schüler. „Wir haben da eine sehr engagierte Schülerschaft. Es hat nicht einmal eine Stunde gedauert, da hatte ich schon die Helfer für das Projekt zusammen“, lobt Paulus.

Bis auf das fünftägige Zeitfenster läuft die Stimmenabgabe weitestgehend realistisch ab: Die jungen Wähler stellen sich im Wahllokal an, halten Personalausweiß und Wahlschein bereit und ziehen sich dann kurz mit ihrem blauen Stimmzettel in der Kabine zurück. Wenn der Wahlschein fehlt, macht das erst mal nichts: Dafür gibt es die Liste der Wahlberechtigten, die den Helfern vorliegt.

„Die Stimmenabgabe ist extra nicht Teil des Unterrichts, sondern findet stattdessen in der großen Pause statt. Das heißt, dass die Schüler ein Stück Freizeit opfern müssen, wie bei der echten Wahl. Es ist also ungefähr so, als müsste man sich an einem Sonntag zum Urnengang aufraffen“, erklärt der Politiklehrer lächelnd. Trotzdem geht der Pädagoge von einer hohen Wahlbeteiligung aus – entgegen des Trends, der sich bei den echten Wahlen abzeichnet.

Vier Wochen hatten die Schüler im Vorfeld Zeit, sich für das Setzen der Kreuze vorzubereiten. Das Thema war Teil des Unterrichts und eine Podiumsdiskussion in der Schule gab Bundestagskandidaten die Möglichkeit, sich und ihr Wahlprogramm bei den Schülern vorzustellen – Letzteres übrigens auch wieder von den Schülern organisiert.

Wie die Ergebnisse der Juniorwahl aussehen, ermitteln die Wahlhelfer am Freitag mit der Auszählung der Stimmen. Doch sie bleiben vorerst geheim. Einzelheiten erfahren die Interessierten erst, wenn auch die „echten“ Wahlergebnisse bereits bekannt sind – um die Beeinflussung der Schüler zu vermeiden, wie Paulus erklärt.

Noch eine Runde Große Koalition, stattdessen Rot-Grün, Schwarz-Gelb oder eine ganz andere Kombination: Wer regiert Deutschland in der Schülersimulation und wer stellt die Opposition? Der Ausgang beider Wahlen und der Vergleich der Ergebnisse sind in der darauffolgenden Woche Thema des Politikunterrichts.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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 andreas.schultz@rotenburger-rundschau.de

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