Junges Orchester Auenland feiert fünfjähriges Bestehen / Behrens blickt auf Geschichte zurück - Von Andreas Schultz

Boten der Musik und des Miteinanders

Junges Orchester u2013 frische Töne. Das Junge Orchester Auenland blickt auf fünf Jahre Vereinsleben zurück und feiert den Meilenstein mit einer Geburstagsfete im Heimat- und Kulturhaus Hellwege.
 ©Kerstin Haase

Ahausen/Hellwege. Sie verstehen sich als Boten – nicht nur als Repräsentanten der Gemeinde Ahausen oder der Samtgemeinde Sottrum, sondern auch als Boten der Musik im Allgemeinen. Das Junge Orchester Auenland (JOA) aus Ahausen besteht seit mittlerweile fünf Jahren und hat seit seiner Geburtsstunde viel erreicht. Mit einer entsprechenden Feier wollen die Instrumentalisten das kleine Jubiläum am Freitag, 10. Juli, im Heimat- und Kulturhaus Hellwege begehen.

Fünf Jahre – das mag zunächst nicht nach viel klingen. Doch alles, was der Verein in der Zwischenzeit erreicht hat, stellt das kleine Zeitfenster in ein anderes Licht. Gründungsmitglied und Vereinsvorsitzende Sandra Behrens weiß: Obwohl es den Verband erst seit rund 1.800 Tagen gibt, hat die Truppe Profil. Kurze Zeit, große Wirkung quasi. In fünf Gruppen lässt sich der Verein einteilen, alle nach und nach entstanden: die Trommeltrolle der Fünf- bis Zehnjährigen, das Nachwuchsorchester und das Stammorchester sind Teile des JOA. Hinzu kommen die Musiker in Ausbildung, die sich auf die Zeit im Nachwuchsorchester vorbereiten und die Gruppe „Next Generation“: junge Instrumentalisten, die so langsam aus dem Nachwuchsorchester herauswachsen und im Übergang zum Stammorchester sind.

Für Behrens eine Besonderheit: Das gute Zusammenspiel von jungen und älteren Mitgliedern. „Unsere Jüngste ist sechs Jahre alt, die Älteste 67. Wir haben eine Gemeinschaft mit einer gelebten Harmonie und das ist einfach toll.“ Besonderen Respekt hat sie für die „musikalisch Jungen“, die Neueinsteiger, die sich ebenfalls gut in die Musikergruppen einfügen: „Wer sich mit 50 noch traut, ein Instrument zu lernen, verdient Anerkennung. Es ist toll, junge Menschen an die Musik heranzuführen, genauso wie die älteren dazu zu bewegen, wieder zum Instrument zu greifen. Und wenn dann noch Sechs- bis 70-Jährige wegen des gemeinsamen Interesses wie selbstverständlich zusammenarbeiten, ist das super. Das ist das Schöne: Musik verbindet.“

Dabei sei die Kooperation mit professionellen Ausbildern sehr hilfreich, erklärt Behrens: „Wir arbeiten mit studierten Musikern zusammen, die viel im Orchester gespielt haben und größtenteils auch über Leitungserfahrung verfügen. Die Ausbilder haben ein Gespür dafür, was ihre Schüler im Orchester erwartet.“ So sei auch gesichert, dass die Schüler lernen, wie das Zusammenspiel in Gruppen funktioniert – ein Stück weit auch das menschliche. Den Beleg dafür sieht Behrens, wenn sie ihre „tolle Truppe“ beobachtet: „Wenn jemand müde zur Probe kommt und mit einem Lächeln wieder geht – das bedeutet mir viel. Wir haben viel Spaß zusammen.“

Gemeinsam spielen sie nicht nur Rock, Pop und Co., sondern auch Wander- und Kinderlieder, beispielsweise „Es klappert die Mühle am Bach“. Auch der Erhalt des tradtionellen Liedgutes gehöre zur Botenfunktion des JOA. Denn: „Wer singt denn heute noch zu Weihnachten zuhause Lieder?“, fragt Behrens rhethorisch. Das müsse wieder in Gang kommen.

Auch deshalb der Schritt zur Gründung vor fünf Jahren. „Eine seltsame Geschichte“, greift Behrens dem Rückblick vor. Als Musikerin des Lüneburger Orchesters vertrat sie einige Zeit einen erkrankten Kollegen bei der Leitung des Jugendorchesters. „Da hatte ich Lunte gerochen“, so die heutige Vereins-Chefin. Doch der Kollege gesundete irgendwann wieder. Den Taktstock wieder abgeben: „Fand ich doof.“ Als das Bundespolizeiorchester unter der Leitung von Matthias Höfert in Ahausen Station machte, fragte Behrens unter den 120 Zuschauern, die sich zum Konzert in der Turnhalle eingefunden hatten, gezielt nach dem Interesse für ein eigenes örtliches Orchester. 40 bis 50 Leute meldeten an, teilnehmen zu wollen und von da an ging es mit den Premieren Schlag auf Schlag: Am 3. August 2010 stand die Vereinssatzung, am 6. August gab es den ersten Unterricht, am 5. November die erste Probe und im Dezember das erste Konzert mit 14 Musikern. 2013 kamen die Trommeltrolle zum Arrangement dazu, 2014 die Next Generation. Zwischenzeitlich waren 24 Musiker Mitglieder im Stammorchester, aktuell sind es 20 – Tendenz steigend. „Wir haben fünf Musiker, die gerade in der Ausbildung sind und sicher bei uns einsteigen wollen, drei weitere wissen noch nicht so ganz genau, welches Instrument sie spielen möchten“, verkündet die Vorsitzende stolz.

Kann man bei dem kurzen Rückblick bereits von einer „Erfolgsgeschichte“ sprechen? Behrens kann mit dem viel bemühten Begriff nicht viel anfangen: „Erfolg ja, Erfolgsgeschichte – weiß ich nicht. Wir hatten ein Konzept, haben uns einen groben Weg zurechtgelegt und das ging gut. Aber am Ende angekommen sind wir noch nicht. Mein großer Traum wäre noch, ein Musical gemeinsam mit einer Schule auf die Beine zu stellen, zum Beispiel ‚Wakatanka‘ oder „Rumpelwolf und ‚Dornenstilzchen‘.“ Auch eine eigene Bläserklasse für die Aue-Grundschule und ein Gesangsworkshop für Oktober schweben ihr vor.

Doch zunächst einmal möchten die Musiker feiern. Für die Fete am 10. Juli ist schon so gut wie alles in trockenen Tüchern. Die Planungsgruppe um Behrens hat für den Zeitraum zwischen 16.30 und 20 Uhr ein kompaktes Programm mit sechs Konzerten zusammengestellt. Die Bläserklasse Sottrum, das JOA und die Next Generation sowie der Posaunenchor Kirchwalsede und der Musikzug Bothel sind dabei und geben Kostproben ihres Könnens. Zum Schluss spielen alle Gruppen noch einmal zusammen. Ein Gewinnspiel, bei dem die Gäste in den Dialog treten sollen, und ein Luftballon-Weitflug-Wettbewerb runden das Programm ab. „Die Fete soll wie eine lockere Geburtstagsfeier sein. Das heißt die Gäste können sich die ganze Veranstaltung über mit essen und trinken versorgen – Hauptsache der Respekt gegenüber den Musikern bleibt gewahrt; die Stücke sollen noch gut zu hören sein“, erklärt Behrens.

Autor

Andreas Schultz Andreas Schultz
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