Im Kostüm des Antagonisten: Marcus Jonas ist Staff Officer im Star-Wars-Universum

Dunkle Seite, helles Kinderlachen

Wenn die 501st German Garrison in großen Gruppen unterwegs ist, so wie hier bei der Fedcon 2014, darf auch das Gruppenfoto mit Darth Vader im Mittelpunkt nicht fehlen. Damals wie heute ebenfalls dabei: das aktuell einzige Mitglied im Landkreis Rotenburg, Marcus Jonas, als Staff Officer (linke Bildseite, zweite Reihe von unten, zweiter von links).
 ©Rotenburger Rundschau

Ahausen. Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis ... Wobei, ganz so weit ist Ahausen doch nicht entfernt. Dort lebt Commander Sanoj, Staff Officer des Galaktischen Imperiums, ID 33175. Seinen Nachbarn ist der 42-Jährige unter einem anderen Namen bekannt, seinem bürgerlichen: Sie nennen ihn Marcus Jonas.

„Ich bin Star-Wars-verrückt und ich stehe dazu“: Der Groß- und Außenhandelskaufmann ist bekennender Marken-Narr. Zuhause füllen Filmbekanntheiten im kleinen Plastikformat etliche Vitrinen, selbst die Esstischunterlage ziert der Spruch: „Ich spüre die Macht. Könnte aber auch Hunger sein.“ Fan-Artikel noch und nöcher. Sein Herz hat der Ahauser an Verkleidungen gehängt.

Mit ihnen schlüpft er in die Rolle von Figuren, die in der von George Lucas erdachten Welt existieren. Da wäre zum Beispiel der Staff Officer, uniformierter Befehlshaber über Sturmtruppen – Letztere weithin bekannt durch ihre weißen, verstärkten Kampfanzüge und schwarzen Blaster-Gewehre. Wenn Jonas sich „ins Kostüm schält“, wie er selbst sagt, verkörpert er ganz die Rolle. „Meine Freunde sagen immer, dass ich ein ganz anderer Mensch bin, wenn ich in der Verkleidung stecke. Normalerweise bin ich eher der schüchterne Typ, die Rolle öffnet mich dann irgendwie“.

Zu Jonas’ Repertoire gehört darüber hinaus der Gunner, ein schwarz uniformierter Imperiums-Soldat mit ausgefallenem Helm. Die Figur hat nur wenige Sekunden Leinwandzeit und ist immer dann kurz zu sehen, wenn es um den Todesstern geht. So ist es der stille Gunner, der auf Befehl per Hebeldruck die Waffensysteme aktiviert und damit die Zerstörung des Planeten Alderaan einleitet.

Es gibt eine nicht enden wollende Liste an Figuren, die dem Imperium zugewandt ist, wie auch die Webseite der 501st German Garrison zeigt. Jonas ist eines von rund 700 Mitgliedern in diesem deutschen Kostümklub – und damit im Landkreis Rotenburg bislang allein. Die Garrison ist der einzige von Lucasfilm und Disney anerkannte Kostümklub und seine Mitglieder sind stolz darauf. Doch der Zusammenschluss ist mehr als ein Haufen von Star-Wars-Fans, die zufällig dem gleichen Hobby nachgehen. Für Jonas hat er familiären Charakter. Er erzählt von der Familie eines verstorbenen Mitglieds, die sich gerade ein Haus gekauft hatte und damit vor finanziellen Schwierigkeiten stand. Der Klub sammelte mit verschiedenen Aktionen, zum Beispiel mit Herstellung und internem Verkauf von Gedenkaufnähern, Geld für die verbliebenen Angehörigen. Großer Zusammenhalt mache diese Gemeinschaft der Gleichgesinnten aus. Dazu gehört auch öfter mal das Angebot, auf der Couch zu nächtigen. „Dann heißt es ‘Wenn du bei uns in der Ecke bist, dann komm vorbei’. Theoretisch ist man in ganz Deutschland zuhause“, so Jonas.

Die Freizeit-Imperialen treten auf Hochzeiten, Firmenveranstaltungen und Weihnachtsfeiern auf. Sie besuchen Kinderabteilungen in Krankenhäusern, Kinderhospize wie Löwenherz und arbeiten mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zusammen. Für Jonas ist klar: Die Freude der Kleinen steht im Vordergrund, nicht die hohen Kosten für teure Kostümteile: „Ein Kinderlachen ist mit nichts zu bezahlen. Wenn die Kleinen dieses Leuchten in den Augen haben und man hört ‘Boah, Star Wars’, dann kann man auch vollkostümiert bei 30 Grad in der Sonne stehen – in dem Moment ist die Hitze egal.“

Doch es sind nicht nur Veranstaltungen in der Nähe, bei denen Sturmtruppen, Darth Vader & Co. gefragt sind. Wenn Disney in Deutschland ein Star-Wars-Event plant, holt der Medien-Konzern in der Regel die German Garrison ins Boot – so auch bei der Europa-Premiere von „Stars Wars: Das Erwachen der Macht“. Für Jonas ist das Event bislang Höhepunkt seiner Klubmitgliedschaft. Seine Aufgabe war es, als Commanding Officer eine Formation aus 80 Sturmtruppen-Soldaten über den roten Teppich ins Zoopalast-Kino zu führen. Der größte Feind der marschierenden Gruppe: der Kamera-Blitz. „Als mein linker Fuß den roten Teppich berührte, schepperte aus allen Rohren die Titelmelodie“, erinnert sich der Fan begeistert. „An einer Stelle machte der Teppich einen Bogen und kurz dahinter waren die Fotografen postiert. Als das Blitzlichtgewitter startete, sah ich nichts mehr“. Trotzdem gelang der Einmarsch. Dabei war der Formationslauf zum Gebäude ein wenig riskant: Das Startsignal kam, als die Fußgängerampel auf der Route eigentlich gerade rot zeigte. Der stockende Verkehr quittierte den unbeirrten Marsch mit lautem Hupen.

Nach der Premierenveranstaltung schnitten sich die Kostümliebhaber ein Stück des Teppichs ab und verteilten Einzelteile davon unter sich. Neben dem Mitbringsel bleibt natürlich die Erinnerung, von der Jonas noch immer zehrt. Gerne erzählt er mit einem Lächeln, dass er auch bei der Pro7-Übertragung des Events für wenige Sekunden zu sehen ist – wer möchte, kann das sogar noch heute nachvollziehen, denn das Video von der Premiere ist auf der Webseite des Senders zu finden.

Weitere Disney- und Star-Wars-Veranstaltungen ziehen deutsche Kostümenthusiasten nach Moskau und Abu Dhabi. „Man kommt gut rum und es macht verdammt noch mal Spaß“, schwärmt der 42-Jährige. Gleichzeitig ist ihm bewusst, dass er in seiner näheren Umgebung eher als Exot gilt. „Man wird schief angeschaut, wenn man erzählt, dass man gern kostümiert unterwegs ist.“ Doch Jonas nimmt das schulterzuckend zur Kenntnis. Er lässt sich davon nicht die Freude an seiner Leidenschaft trüben.

Grund dafür, dass Disney so oft die German Garrison einschaltet, könnten die strengen Auflagen sein, die der 2000 ins Leben gerufene Verein an die Kostüme der Mitglieder stellt. Für möglichst film-authentische Kleidung und Ausrüstung gibt es die sogenannte Kostüm-Referenz-Bibliothek (Costume Reference Library, kurz: CRL). Vereinsinterne Spezialisten nehmen die Ergebnisse der selbstgeschneiderten, gebastelten und gekauften Requisiten ab, damit alles seine Richtigkeit hat. Nur wer volljährig ist und ein geprüftes Kostüm hat, kann Mitglied werden. Jüngst hat Disney selbst sogar noch die Auflagen an die Verkleidungen für eigene Veranstaltungen verschärft, sodass oft nur Träger von Kostümen dabei sein können, wenn diese dem höchsten Authentizitätslevel entsprechen: Imperator- und Exekutor-Standard heißen diese und stehen für filmgetreue Replikationen.

„Die Kostüme kommen nicht von der Stange. Sechs Wochen bis ein Jahr kann es dauern, bis eins fertig ist. Die Teile kommen aus aller Herren Länder“, erklärt Jonas. Die Herstellung erfordere viel Geduld und Recherche. Disney gibt zwar Updates und Hilfen heraus, zum Beispiel mit der Angabe der Stoffe, die bei Originalkostümen Verwendung fanden. Und auch in Foren gibt es Hilfen, Kostümenthusiasten unterstützen sich gegenseitig mit Tipps. Letztlich hängt es aber an jedem Einzelnen, wie viel Arbeit er hineinsteckt. „Es gibt Mitglieder, die nach Fotos schneidern. Andere sitzen in ihrem Keller und modellieren ihre Helme selbst mit Knetmasse vor“, schildert Jonas hingebungsvolle Extremfälle.

Wenn es ums Nähen geht, ist auch Fingerspitzengefühl gefragt. Wem das zu viel ist, der kauft sich die Kostüme fertig und maßgeschneidert – das geht aber auf jeden Fall ins Geld. Der First-Order-Trooper, ein neues Modell, mit dem die German Garrison ausgestattet wird, kostet zum Beispiel rund 4.500 Euro.

Ein kostspieliges Hobby. Aber es geht nicht ums Geld – die Kostümierten sind ehrenamtlich unterwegs. Für sie geht es um Macht. Um die dunkle Seite der Macht, um genau zu sein. Auch wenn es letztlich nur Spaß und Spiel ist: Warum bei „den Bösen“ mitmachen? Immerhin gibt es mit der Rebel Legion German Base Yavin auch einen Kostümklub, der mit der hellen Seite harmoniert. „Gute Frage“, findet Jonas und gerät etwas ins Grübeln. „Die dunkle Seite ist wohl in den Filmen am präsentesten. Es geht zwar im Kern um die Rebellion, aber die dunkle Seite ist das große Ganze.“ Außerdem seien ihre Kostüme vielfältiger. „Es gibt zwar die X-Wing-Piloten mit ihren orangen Anzügen und die Rebel Trooper mit blauen Hemden und ihren ikonischen Helmen, aber auf der anderen Seite gibt es zum Beispiel die Kopfgeldjäger. Und natürlich geht von Vader eine riesige Faszination aus“, fasst der Fan zusammen.

Und was bringt die Zukunft? Mit Episode 8 und 9 sowie Filmen über Han Solo, Boba Fett und eventuell Obi-Wan in den nächsten Monaten und Jahren rechnet Jonas mit großem Zulauf in dem noch verhältnismäßig jungen deutschen Klub. Er selbst hegt darüber hinaus den großen Traum, sich Star-Wars-Drehorte aus der Nähe anzusehen. Die Wüstensiedlungen Mos Eisley und Tatooine sind die ersten Namen, die ihm dabei einfallen. Erster Anlaufpunkt ist Tunesien, denn eine ganze Reihe an Schauplätzen haben die Filmemacher dort auf Film gebannt. Noch näher kann man der weit, weit entfernten Galaxie wohl kaum kommen.

Wer sich über die 501st German Garrison informieren möchte, ist im Internet auf www.501st.de richtig.

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