Hellweger Wümmeniederung: Auflagen sorgen für Unsicherheit - Von Matthias Daus

Schutz und Schaudern

Was bedeutet es für die Nutzer von Flächen und Gewässern in der Wümmeniederung, wenn sie zum Naturschutzgebiet wird? Diese Frage trieb auch in Hellwege viele Bürger um.
 ©Matthias Daus

Hellwege. Fehlende Informationen sorgen für Unklarheiten und Befürchtungen. Auf diesen Nenner könnte man den aktuellen Stand rund um das Thema Naturschutzgebiet in der Wümmeniederung bringen. Diese für die Gemeinde Hellwege weitreichende Thematik im Rahmen einer Ratssitzung unterzubringen, erwies sich im Nachhinein als eher schwierig.

Die Erklärung der Wümmeniederung zum Naturschutzgebiet ist derzeit in der Gemeinde Hellwege ein heißes Eisen. Grund dafür sind die Auflagen, die damit verbunden sind und deren Auswirkungen für die Bevölkerung. Insgesamt herrscht eine große Unsicherheit bei den Hellwegern, was sich auch im Rahmen der jüngsten Sitzung des Gremiums zeigte. Wie groß das Interesse ist, ließ sich an der enormen Besucherzahl ablesen, die sich im Heimat- und Kulturhaus eingefunden hatte. Beinahe drei Stunden vereinnahmte die Materie für sich, Information und Diskussion gaben einander die Hand.

Als erster Redner hatte Andre Tietjen, ein Junglandwirt aus Hellwege, das Wort. Er sollte die wesentlichen Auswirkungen auf seinen Betrieb darstellen, denn in der Wümmeniederung befinden sich viele Grünflächen, die landwirtschaftlich genutzt werden. Dort prallen die Richtlinien der Umweltbehörde auf die Bedürfnisse und Interessen der Landwirte. Tietjen malte ein eher düsteres Bild, das schwerwiegende wirtschaftliche Einbußen für die Landwirte beinhaltete, und bezweifelte in manchen Bereichen die positive Auswirkung der Umweltschutzmaßnahmen. Als Beispiel nannte er die gewünschte Artenvielfalt der Pflanzen, die er bei bewirtschafteten Flächen mehr gegeben sah als im Brachland. Da er sich bei seinen Ausführungen nicht auf die Folgen für seinen Betrieb beschränkte, sondern auch viele weitere mögliche Auswirkungen anprangerte, überzog er seine eigentliche Redezeit von 15 Minuten um ein Vielfaches. Erst auf Drängen von Bürgermeister Wolfgang Harling hin, kam er nach einer Stunde zum Ende seines Vortrages.

Für einen anderen Blickwinkel sorgte die Umweltschutzbeauftragte des Landkreises Dr. Christiane Looks, die für ihre Ausführungen einen weiten erdgeschichtlichen Bogen spannte, was für Zwischenrufe sorgte, bevor sie zu den aktuellen Ereignissen Stellung nahm. Ihr Punkt war, dass es schon seit Mitte der 1990er Jahre klare Vorgaben der EU für den Naturschutz gäbe und die Bundes- und Landespolitik es versäumt habe, diese Vorgaben rechtzeitig umzusetzen. Nun müsse man vieles übers Knie brechen und das führe zu Problemen und Unverständnis. Sie ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass die Maßnahmen notwendig seien, um in der Wümmeniederung schützenswerte Flächen zu erhalten. „Es ist der ewige Konflikt zwischen Ökologie und Ökonomie, den wir hier haben“, sagte sie.

Um nun aber den vielen offenen Fragen der Bürger und Gemeinderatsmitglieder detaillierte Fakten entgegensetzen zu können, hatte der Landkreis den zuständigen Dezernenten Dr. Torsten Lühring, die Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde Annika Mutke und die Sachbearbeiterin Ronja Schuldt auf Einladung der Hellweger zu dieser Sitzung gesandt. Keine leichte Aufgabe für das Trio, das mit den Sachverhalten vertraut war, aber stets betonte, dass die Verwaltung keinen Einfluss auf die Gesetzestexte hätte. „Wir beschließen die Gesetze nicht. Wir sind lediglich dafür zuständig, sie umzusetzen“, sagte Lühring und kündigte an, bei der Umsetzung nicht über das unbedingt Erforderliche hinauszugehen.

Trotz der fundierten Stellungnahmen der Verwaltungsangestellten blieben viele Dinge ungeklärt. Oft handelte es sich dabei um individuelle Probleme, die einzeln betrachtet werden müssen. „Ich kann Ihnen nur raten, Eingaben mit Ihren Anliegen zu machen“, sagte Mutke. Die Zeit dafür sei allerdings knapp bemessen. Denn eigentlich sei schon der Tag nach der Sitzung als Stichtag bestimmt, aber es gäbe noch eine gewisse Karenzzeit. Die Verwaltung sei auf viele Eingaben eingestellt, erwähnte Schuldt.

Eindeutige Richtlinien, aber Anpassungsmöglichkeiten für den Individualfall: Für Ratsmitglied Edwin Bohlmann (SPD) erzeugte das einen Widerspruch. „Auf der einen Seite werden klare Regeln und Verbote erlassen, die dann auf der anderen Seite wieder ausgehebelt werden.“ Angesichts der Fülle an Informationen, der Fragen von Bürgern und Ratsmitgliedern und unter Berücksichtigung der enormen Dauer der Erörterungen, beendete Bürgermeister Harling die Sitzung, ohne dass der Rat zu einem Beschluss gekommen war. Die Stellungnahme des Gremiums, die das Ergebnis dieses Beschlusses gewesen wäre, erfolgt in der kommenden Sitzung. Diese soll dann so bald wie möglich stattfinden. Harling versprach, sich für betroffene Bürger und Landwirte einsetzen zu wollen.

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