Heinz-Günther Bargfrede war Mitarbeiter der ersten Stunde - Von Nina Baucke

Mit geschwärztem Gesicht

Heinz-Günther Bargfrede war schon freier Mitarbeiter der Rotenburger Rundschau, als es noch nicht einmal eine Redaktion gab. Foto: Nina Baucke
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Rotenburg. 40 Jahre Rundschau – und er hat einen besonderen Blick drauf: Der ehemalige Rotenburger Bürgermeister und CDU-Bundestagsabgeordete war zuvor nicht nur ein engagierter Hobbypolitiker, sondern auch freier Mitarbeiter der Rundschau, und zwar der ersten Stunde. Im Interview blickt der Rotenburger zurück.

Herr Bargfrede, Lesen Sie heute noch die Rundschau?

Heinz-Günther Bargfrede: Ja, klar. Ich reiche ja auch nach wie vor Berichte vom Roten Kreuz oder vom CDA rein. Mir sind es bloß zu viele Beilagen.

Wenn Sie Rundschau lesen – tun Sie das als ganz normaler Leser, oder ist da immer noch der freie Mitarbeiter in Ihnen mit im Spiel?

Bargfrede: Nein, eigentlich nicht. Ich nehme das alles als ganz normaler Leser wahr – vor allem interessieren mich dabei natürlich die Rotenburg-Seiten.

Wie haben Sie damals den Weg zur Zeitung als freier Mitarbeiter gefunden?

Bargfrede: Schon immer habe ich gerne und gut Aufsätze geschrieben, auch bereits in der Schule. Das habe ich auch noch in kurzer Zeit hinbekommen, wenn ich meine Hausaufgaben vergessen hatte. Manchmal auch morgens innerhalb von zehn Minuten in der Schule. Und trotzdem fand die Lehrerin das immer perfekt! (lacht) Ich wäre auch gerne Journalist geworden. Aber es war damals schwierig, etwas Passendes zu finden – und daher bin ich dann erst mal bei der Post gelandet. Die zahlten damals 180 Mark in der Ausbildung. Sechs aus unserer Handelsschule hatten sich beworben, zwei haben sie genommen. Das waren schon begehrte Stellen. Aber schon in der Zeit habe ich mich für den TuS Heeslingen als Pressewart engagiert – und bereits da hat mir die Zevener Zeitung gesagt, ich könnte über alles schreiben, was in Heeslingen so los ist: Freilichtfestspiele, den Gesangsverein meines Vaters – irgendwie war ich da schon freier Mitarbeiter für Heeslingen. Als ich dann zur Post nach Rotenburg kam, wurde ich Pressewart beim Rotenburger SV. 1967 kam ich als Abgeordneter in den Kreistag und bin daher etlichen Vereinen aus dem Bereich Sport und Soziales beigetreten. Und dann kam 1977 die Rundschau auf dem Markt ...

Wie sah aus Ihren Augen die Rundschau damals aus?

Bargfrede: In der Rundschau ging es inhaltlich zunächst neben den Anzeigen nur um allgemeine Dinge, beispielsweise Gartenpflege und Gesundheit, nichts Lokales. Irgendwann allerdings erschien ein Artikel über die Mitgliedsversammlung eines Vereins. Und da dachte ich schon: Nanu! Daraufhin schickte ich ebenfalls eine Pressemitteilung zur Veröffentlichung hin – und darauf meldete sich Wolfgang Arenz, der Gründer der Rundschau. Ihn kannte ich schon von der Post in Bremen. Ich war ja beim Amt Fünf gewesen, und er arbeitete bei einer Speditionsfirma, die für uns Transporte übernahm. Als er meine Sachen las, meinte er: „Sie schreiben ja profihaft! Sie können uns alles einreichen, was Sie wollen.“ Damals hatte die Rundschau noch keinen hauptamtlichen Mitarbeiter für das Redaktionelle. Das war eine interessante Zeit, in der ich dann auch viel für die Zeitung unterwegs war – was mir eine Menge Spaß gemacht hat. Vor allem Schützenfeste, unter anderem in Borchel und Söhlingen: Da war ich dann vier Stunden und mehr dabei.

Gehörte Söhlingen mit zu Ihrem Bereich?

Bargfrede: Nein eigentlich nicht, das war eine Ausnahme. Der Kommandeur kannte mich aus Borchel und so kam das zustande. Das Witzige ist, dass die Söhlinger bei ihrem Umzug durch das Dorf bei den Häusern von Jubilaren anhielten, klingelten und mit den Bewohnern einen tranken. Aber hauptsächlich war ich im Raum Rotenburg unterwegs. Natürlich kam es auch mal vor, dass ich über ein Fußballspiel in Lauenbrück geschrieben habe. Da hatte sich damals Jürgen Borngräber, der dort Bürgermeister war und mit dem ich nach einem Spiel noch gesprochen hatte, sich bei Herrn Arenz beschwert, dass ich ihn im Text nicht erwähnt hätte.

Wenn Sie und Herr Borngräber heute an solche Begebenheiten denken: Lachen Sie gemeinsam darüber?

Bargfrede: An sich ja. Aber ich denke, Jürgen Borngräber hat das längst vergessen.

Gibt es andere Begebenheiten, auf die man heute eher gelassen zurückblickt?

Bargfrede: Ja. Eine war 1979, da saß ich schon drei Jahre im Kreistag. Damals arbeitete bei der Kreiszeitung Fred Heidemann. Und der hatte es als Beleidigung empfunden, dass ich Abgeordneter und freier Mitarbeiter für die Rundschau war. Der wollte sie sowieso sofort wieder platt machen. „Das geht ja überhaupt nicht, dass ein Kreistagsabgeordneter für ein Anzeigenblatt schreibt und nicht für die Kreiszeitung“, sagte er mal. Und in meine Richtung: „Du kommst nicht mehr in der Kreiszeitung vor.“ Einmal war ein Bild in der Kreiszeitung abgedruckt, bei dem er mich wohl nicht hatte wegschneiden können. Da hatte er mein Gesicht geschwärzt. (lacht) Er hat sich auch beschwert, bei der Stadt, beim Bundestagsabgeordneten. Aber das hat sich irgendwann beruhigt und wir haben uns vertragen.

Gibt es aus Ihrer Zeit als freier Mitarbeiter Termine, die Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben sind?

Bargfrede: Auf jeden Fall die Schützenfeste. Aber da ist auch das internationale Jugendfestival, über das ich berichten durfte und das es nun leider nicht mehr gibt.

Was ist für Sie das schönste Erlebnis, das Sie mit der Rundschau verbinden?

Bargfrede: Ich war immer bis zum Ende bei den Versammlungen dabei. Grundsätzlich gilt für mich: Wer mit dem Herzen schreibt, der schreibt auch begeistert. Mir hat diese Arbeit immer viel Spaß gemacht. Und weil ich damals auch im Kreistag saß, habe ich nicht über Politik geschrieben. Ohnehin war die Rundschau nicht politisch. Das sollte einfach ein sympathisches Blatt sein, in dem vor allem schöne Dinge und Positives drinstehen sollten. Bis hauptamtliche Redakteure an Bord waren, gab es auch keine Politik in der Rundschau, und ich habe das auch immer vermieden. Das hätte sonst sicher als einseitig gegolten.

Wie haben sich denn vor diesem Hintergrund Ihre Arbeit als freier Mitarbeiter und Ihr politisches Engagement miteinader vertragen?

Bargfrede: Für mich war das die beste Werbung, auch wenn wir nicht über Politik gesprochen haben und dabei die CDU keine Rolle gespielt hat. Denn ich habe auf diesem Weg so viele Leute kennengelernt – und die wussten daraufhin, wer ich war.

1984 haben Sie sich ja gänzlich auf Politik konzentriert. Haben Sie die Arbeit als freier Mitarbeiter vermisst?

Bargfrede: Nein, ich hatte dann aber auch nicht mehr so die Zeit dafür. Vor allem, seitdem ich hauptamtlicher Bürgermeister war und später im Bundestag saß. Natürlich habe ich die Pressearbeit für meine Vereine weitergemacht. Aber ich wurde nicht mehr dafür bezahlt. Es war dennoch eine wichtige Erfahrung. Und ebenso gut fand ich, dass es mit der Rundschau einen Wettbewerb in Rotenburg gab. Neben der Kreiszeitung war ein zweites Blatt als Konkurrenz auf den Markt gekommen.

Politik und Presse – das sind ja zwei Seiten. War der endgültige Wechsel von der einen auf die andere Seite schwierig?

Bargfrede: Nein, das war überhaupt nicht schwierig.

Wie würden Sie sagen, hat sich die Berichterstattung in 40 Jahren verändert?

Bargfrede: Das kommt auf jeden Redakteur an. Über Politik wurde damals gar nicht berichtet. Das ist im Laufe der Jahre anders geworden. Es war gut, damals das Spektrum auszuweiten und nicht nur Allgemeines im Blatt zu haben. Letztendlich interessiert das Lokale die Leute auch am meisten. Ich trage ja noch das Kirchenblatt aus, und da sehe ich schon an einigen Briefkästen, dass dort die Bewohner die Anzeigenblätter nicht haben wollen. Aber wenn die Leute die Rundschau nicht bekommen, dann verpassen sie etwas!

Autor

Nina Baucke Nina Baucke
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